Oh wie schön ist Panama City!

0202
2015
Mo
3:29
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Ghandi lag gar nicht so falsch. Das Leben ist Leid. Er vergass aber anzuhängen, dass erst dadurch die Schönheit dazwischen erstrahlt. Panama City hätte ihm sicher gefallen. Hier stehen neueste Hochglanz-Wolkenkratzer neben einer unter UNESCO Welterbe stehenden völlig verfallenen Altstadt. Morgens um sieben scheint die Sonne fahl auf mit Stahlträgern abgestützte leere Gebäudehüllen.

Nach der Tour durchs Casco Antiguo wandere ich ein paar Kilometer weiter auf die Punete de las Americas. Hier überquert die Panamericana den Panama-Kanal. Irgendwann ist die nie benutze schmale linke Fussgängerspur zuende. Ich wechsle auf die andere Seite und gehorche den hier massig vorhandenen „Betreten verboten“-Schildern. Der Kanal gehört den Amis, die Brücke vermutlich auch, und mit Römern sollte sich nur Asterix anlegen.

Die Spanier wurden hier 1671 von englischen Piraten vertrieben. Selbige irgendwann von den den neuen Römern aus dem Norden. Um in ihr Imperium einzureisen braucht man hat eine Genehmigung schon vor Visabeantragung, auch für Transit. Dieses für 14$ auszufüllende und auf den Namen ESTA lautende Online-Formular fehlte in Frankfurt einigen Reisenden. Der Flieger erhob sich ohne sie. Mein Rucksack hatte auch Probleme mit ESTA. Er blieb in Frankfurt hängen. Mein Split-Kiteboard hingegen wurde offensichtlich ob seiner gespaltenen Persönlichkeit nicht als terroristisches Massenvernichtungsmittel erachtet und befördert.

Am späten Vormittag geht meine Jeans nach über 30 Stunden Tragezeit eine wenig vorteilhafte symbiotische Beziehung mit meiner Beinbehaarung ein. Ich fahre weiter in die gigantische Albrook Mall. Vom einen Ende zum anderen läuft man über 30 Minuten, exclusive zweitem Stock und Nebengängen. Zwische GAP und ZARA werden automatischen Sturmgewehre feilgeboten. Die Auslagen hierfür sind höchst modisch arrangiert. An allen anderen Shops verbieten Schilder das Mitführen von Waffen. Die schwerbewaffnete Security dahinter verhört mich wegen Schilderfotografie. Gut unterhalten und erschlagen vom Luxus kaufe ich mir das nötigste aus dem fehlenden Rucksack nach – und geniesse die Leichtigkeit meines neuen Seins.

Mein Hostel Magnolia Inn liegt mitten in der Altstadt und hat uralte Ventilatoren, Marmor in den Bädern und Stuck an den hohen Decken. Auf dem maroden Balkon des Nebenhauses dösen die Nachbarn angestbefreit in Hängematten. Vor der Katehdrale liefern sich Hip-Hop-Gangs einen Dance-Battle. An der Hafenpromenade skaten die Kinder, und am Fischmarkt dahinter steigt ein unglaubliches Sonntägliches Fress-Fest zu Salsa-Musik. Im Chinesen-Viertel kennt das Shoppen keine Ende, denn jeder Geldautomat spuckt trotz angeblich existenter Eigenwährung stets nur US-Dollar aus. Panama CIty ist bunt. Ich bin froh, vorher nichts gelesen zu haben.

Abends brummt die ganze Altstadt vom Superbowl. Als die GIs in Afghanistan eingeblendet werden, jubelt das ganz Stadion. Ich versteh das zwar nicht, aber finde es echt super, dass sich Amis auch über total vebockte Taten freuen. Die zahlreichen Expats hier gehen voll mit – mit Leichtbier. Ab und zu schaut mich der Nebentisch böse beim Schreiben dieses Blogs an. Die Augen sagen: „Wie kannst Du nur meine Religion derart mit Füssen treten?“ Ganz einfach: nach einem derart guten Rindersteak an Tamarinden-Salsa versau ich mir ungern die Tastatur beim Versuch die Welt zu verstehen, weil ich einem, der sie stets nur unterwirft seine Freedom Fries sonstwohin gesteckt habe. Katy Perry küsst schliesslich auch keine Mädels, nur um Lenny Kravitz den Arsch hinzuhalten, oder?

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