Tarifa

1309
2018
Do
23:44
Tag
4115
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Eigentlich sollte man meinen, daß dank der Erderwärmung unter Trumps Hintern – verbunden mit mehr Wetterextremen – auch der Wind global zunehmen sollte. Vielleicht tut er das ja auch. Aber eben nicht dort, wo man ihn erwartet. Die bisherige Reise über mehr als 5.000 km in Schweiz, Frankreich, Nordspanien und Portugal bot sehr wenig Wind. Ich hatte gerade mal vier kitebare Tage – und ich spreche von nur einem wirklich guten Tag.

Nachdem selbst an meinem allerersten Kitespot Lagos, wo ich vor 19 Jahren beim ersten Ritt auf einem 2,20 m Waveboard dank einem Jahr vorangegangenen Trockenübungen gleich einen netten Kilometer downwind hinlegte absolut kein Wind aufkam – fuhr ich direkt weiter nach Mekkarifa. Doch selbst in Tarifa gabs mit seinen 300 Windtagen im Jahr zu Beginn erst mal vier Tage Flaute. (mehr …)

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Muxia

1408
2018
Di
20:32
Tag
4085
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Die Wolken hängen tief am nordwestlichen Ende von Spanien. Auf dem vierten Dorffest in vier Tagen spielen Galizier in Tracht Dudelsack. Ich esse Muscheln im angenehm kühlen Regen. Wäre nicht die lustige Sprache hier, die genau in der Mitte zwischen Spanisch und Portugiesisch liegt wäre das hier Schottland: alte Steinkirchen über der Felsenküste und viel Grün um das kleine Fischerdorf Muxia.

Das Ende des Jakobswegs, Santiago de Compostela, liegt gleich ums Eck. In meiner Herberge bin ich der einzige Kite-Pilger. Alle anderen sind Hatsch-Pilger. Sie hatten in Santiago di Compostela mit bis zu 800 km in den Beinen noch immern nicht genug – und machen noch eine kleine 120 km Nachspielzeit bis ans Ende der Welt in Fisterra. (mehr …)

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Embalse de Ebro

0908
2018
Do
19:54
Tag
4080
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Im nordspanischen Kantabrien springen die Berge direkt aus dem Atlantik auf über 1.000 m. Auf den nahen bis zu 2.400 m hohen Picos de Europa liegt selbst im Hochsommer noch Schnee. Das unglaublich grüne Land leuchtet im eigenartigem Sonnenlicht auf der Netzhaut wie Ahoi Brause auf der Zunge britzelt. Endloser blauer Himmel und das Meer legen eine Prise Tiegerbalm drunter und drüber.

Der Embalse de Ebro liegt gerade mal 50 km von der Küste entfernt auf 800 m in einem ganz anderen verlassenen Land. Die uralten Häuser sind aus Stein gebaut. Darin hängen Bilder von zwei Metern Schnee auf der einzigen Dorfstraße. Selbst jetzt im Hochsommer kratzt das Thermometer nach 42°C in Bilbao an nur angenehme 17°C – von unten. (mehr …)

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Toreros? Tucken!

2008
2013
Di
22:29
Tag
2265
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Es trägt rosa Strümpfe in Ballerinas, hat Perlweiss-Zähne unter Toupet-artigen Frisuren und tänzelt tuckig im Kreis? Eindeutig: Schwul, wie die Nacht schwarz ist. Die Spanier halten ihre Toreros jedoch für männliche Helden. Wir drei geben uns unsere erste Corrida. Wir rechneten mit Blut – und bekamen ein Schlachtfest.

Vor der Arena steht ein Auto mit dem Aufdruck „Carnices“. Sicher nur ein Zufall, denn der alte Spanier neben mir meint später, die Stiere würden nicht verspeist. Wir betreten die Arena auf der Sonnenseite. Die Sonne geht schon bald unter, und das ist auch gut so. Im Schatten packen wir unseren Wein aus. Er ist schon bald nötig. (mehr …)

Snowboarden in den Pyrenäen

0102
2009
So
21:12
Tag
604
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Am meinem letzten Tag in Barcelona regnet es permanent. Ich spiele feuchter Modepudel auf der Edelmeile Passeig de Gracia. Gucci, Gabbana, Chanel, Diesel, Zara. Jeder Shop ist ein willkommener Regenschutz. Immer wenn der Regen stärker wird kauf ich was. Trotzdem bin ich am Abend platschnass.

Um fünf Uhr früh steh ich auf, hole das Auto, lade ein und fahre ab Richtung Pyrenäen. Mein Ziel ist La Molina. Die Vorstellung in Spanien Snowboard zu fahren fand ich irgendwie witzig. Die Anfahrt lässt keine Freude aufkommen. Bis 1300 m gibt’s gar keinen Schnee, danach fängt’s leicht zu schneien an. Die Pisten sind weiß, aber ich zweifle sehr ob sich das lohnt. (mehr …)

Mei is do geil

3101
2009
Sa
5:25
Tag
603
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Ich beende meinen Spanischkurs in Barcelona. War schwer, mitzuhalten und trotzdem genug zu reisen. Heute ist meine letzte Nacht. Wir gehen in die Stadt, fast der ganze Kurs, ich und Dave. Die Wirtin der ersten Bar schaut aus wie eine Puffmutter. Im schwarzen Schaf ist es brechend voll. Erste Spuren der Nacht bahnen sich an, und keiner weiß wo sie hingehen.

Die Planlosigkeit reizt mich etwas. Unser Plan war noch ein letztes Mal in Barcelona richtig auszugehen. Tanzen. Man soll ja machen was man plant, also dränge ich auf Aufbruch. Auf einmal sind wir doppelt soviele Menschen wie vorher. Ich schreite voran ins Nirgendwo. Jeder fragt irgendwann mal nach dem Weg dorthin, aber keiner kann uns gernau sagen, wo’s liegt. Also lassen wir und auf einem Platz nieder. (mehr …)

Vom König zu den Kaisermeistern

2901
2009
Do
23:59
Tag
601
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Die Tage werde zu Nächten. Meine Reise geht zuende. Spanisch lerne ich trotzdem, aber wären meine Kurse nicht jeden Tag von zwei bis sechs Uhr am Nachmittag, wäre das Leben in Barcelona ein kleineres. David hat Karten für ein Konzert besorgt. Ich mag keine bösen Anwälte auf Bilderjagd. Deswegen taufe ich die Band des Tages auf den Namen Kaisermeister.

In einer Tapasbar direkt an der Rambla futtern wir 20 Minuten aufmerksamst von zwei schwulen Kellnern betreut. Der warme Service kostet einen heißen Preis. Weiter zum Konzert. Vor der Halle stapeln sich die Bierverkäufer in drei Lagen. Der Service ist fein, doch wir haben Wein. Drinnen warten gute Menschen im Hasenfell. (mehr …)

Ganz still am Königsplatz

2801
2009
Mi
23:58
Tag
600
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Ich fahr mit Dave nochmal nach Castelldefels. Der Weg dorthin ist immernoch ein Schlachtfeld gezeichnet vom stärksten Sturm aller Zeiten. Am Strand scheint die Sonne auf 8 Grad kaltes Wasser, die Luft hat auch kaum mehr. Ich hab mir eine heftige Erkältung eingefangen und sehe ein: auf meiner letzten Reise bleibt mein Kite im Sack.

Tags darauf schickt Susi aus Kaufbeuren die Email der holden Helga, einer Mitstudentin aus alten Zeiten. Einen Tag später sitzen wir in einer richtig urigen Tapas Bar in Barceloneta. Ich hasse Meeresfrüchte. Hier schmecken selbst Gamba-Köpfe famos. Danach geht’s weiter ins Barrio Gotico in eine Bar, die ich gern zu meiner Stammkneipe auserküren würde, wären das nicht die letzten Tage einer langen Reise. (mehr …)

Eine teure Baustellen-Gaudi

2501
2009
So
19:00
Tag
597
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Dave kommt gegen Mittag mit dem Flieger aus München an. Kurz was essen, und wieder ab in die Stadt. Mir geht’s nicht gut, hab mir ne satte Erkältung eingehandelt. Wir fahren zur Sagrada Familia. Sie ist genau wie mit allen andern großen Sachen auf meine Reisen: verdammt erbärmlich klein.

Gaudis Sagrada Familia ist eine einzige Baustelle. Außen Kräne, innen 80% der Fläche durch farblich wunderbar kontrastierende Gerüste verstellt. Die restlichen 20% teilen sich eine Unmenge Futterautomaten (Snickers, Mars, Raider, keine Hostien) und die Toruistenherde. Mäh! Tolles Echo. Ab zum Turm. Der kostet nur 2,50 € extra, nach den 11 Euro Eintritt für eine Baustelle ein echtes Schnäppchen. Aber eine Stunde warten ist mir zu lang. (mehr …)

Riders on the storm

2401
2009
Sa
17:05
Tag
596
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Ich geh mit einigen Leuten vom Kurs los auf eine wilde Nacht. Viele Bars werden’s nicht. Wir bleiben bis drei Uhr in der gleichen wunderschönen Marmalade Bar hängen. In Barcelona lernt man ohne weiteres pro Stunde 10 Leute aus 20 Nationen kennen. Alles ist bunt gemischt, es gibt Geschichten aus der ganzen Welt.

Am nächsten Morgen wackelt die Welt. Klar, war ja ne heftige Nacht denke ich. Aber das ist es nicht. Das Haus wackelt wirklich. Der angekündigte Sturm ist mit Spitzen weit über 100km/h in Barcelona eingefallen. Morgennachrichten: vier Menschen starben, drei wurden ins Meer gerissen, hunderte Notfälle, Chaos. Ich geh auf die Straße. Der Sturm spielt Roller-Domino. Die längste Reihe, die ich gesehen hab bestand aus sieben umgefallenen Rollern. (mehr …)

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Barcelona unkitebar

2301
2009
Fr
19:09
Tag
595
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Windfinder hatte recht. Heute kommt der Wind. Kaum ist der Kurs aus, packe ich mein Brett und Kite und stürze mich in die nächste Ubahn zum Strand. Die Barcelonesen schauen mich alle etwas dümmlich an. Was ist los? Wir haben 17 Grad, das ist warm, ihr dürft eure Polarmäntel ausziehen!

Am Strand komme ich keine Sekunde ins zweifeln. Der Wind ist voll ablandig, durch ganz Barcelona massig verwirbelt und wechselt im 5-Sekunden-Rythmus von 0 auf 50km/h. Auf der Wasseroberfläche sieht man ihn tanzen, links, rechts, vor, zurück. Dann wieder Sandstrahlung ins Gesicht und eine Böe senkrecht von oben. Kiten ist das schönste Ding von Welt. Vor allem wenn man sich danach drüber freuen kann. Ich bleibe an Land. (mehr …)

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Dreck neben der Rambla

2201
2009
Do
22:08
Tag
594
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Der Wind wird jeden Tag stärker, die aktuelle Vorhersage für Samstag lautet 78km/h. Der Sturm wird mich ablandig hinter Barcelona erwischen. Eigentlich braucht man da keinen Kite mehr zum fliegen. Jacke auf und abheben. Die Flugzeuge werden am Boden, die Schiffe im Hafen bleiben, die Gondel auf den Montjüic stillgelegt. Ich warte voller Vorfreude.

In ganz Barcelona kann ich keine Neoprenhandschuhe finden, geschweige denn eine Sturmhaube. Und das Obwohl die Barcelonesen bei 12 Grad in dicksten Polarmänteln rumlaufen. Wie sollten die jemals Kiten gehen? Ich lauf wie jeden Tag wieder etliche Kilometer durch Barcelona. Heute geht’s zum alten Kastell auf den Montjüic. Der Wind bläst kalt um alte Kanonen. (mehr …)

Barcelona Blues

2101
2009
Mi
23:40
Tag
593
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Ich krieg grad etwas Barcelona Blues. Überall nur Kinder, viel besoffen, etliche Leichen. Der Spanischkurs wird langsam fordernd, der Wortschatz wächst immer schneller. Nach dem heutigen Kurs check ich nochmal Wind. Am Samstag gibt’s nen satten Sturm, aktuelle Vorhersage sind ca. 55km/h. Man soll tun was man sagt, also sag ich mal: der wird geritten!

Ich gehe auf den Montjüic, Brett und Kite packen, Longsleeve nicht vergessen. Wieder den Hügel runter in die Stadt. Die besten Sachen passieren wie immer zufällig. Klar, Architekten wissen immer alles, und intelligente Menschen verfügen über sowas wie Kombinationsgabe. Dass ich ausgerechnet in Barcelona auf einmal vor dem Barcelona Pavillion steh, darauf konnt ich nun echt nicht kommen. (mehr …)

Jesus de Barcelona

2001
2009
Di
23:22
Tag
592
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Kennt ihr Big Lebowski? Ja? Und seinen tödlich erotischen Bowlinggegner Jesus? Ja? Hier in Barcelona ist jeder Jesus auf drei Arten. Erstens: Barcelonesen sind eitel. Was sie für guten Geschmack halten übertrifft teils bei weitem das Outfit von Jesus. Sie bewegen sich graziler und haben wohl keine annähernd vergleichbare Fäkalsprache. Aber ein bisschen Jesus sind sie alle.

Auch Besucher Barcelonas sind Jesus. Ich niese. Alle nennen mich Jesus. Mit einem erleuchtenden Grinsen putze ich die Nase. Das allerbeste ist jedoch die Sache mit dem Wein: In Barcelona ist der Wein billiger als Wasser. Folglich kann man jederzeit problemlos mit Tausch Wasser in Wein verwandeln. Das macht jeden Menschen in Barcelona zu einem potentiellen Messias. (mehr …)

Über die Carmargue nach Barcelona

1801
2009
So
21:57
Tag
590
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Winter ist toll. Da können sogar bekennende Langschläfer behaupten, schon vor Sonnenaufgang unterwegs zu sein. Gegen sieben geht mir nach insgesamt 700 km langsam der Sprit aus. Die erste Tanke ist zu, die zweite ebenso. Die dritte hat nur Diesel für LKW (?), die vierte frisst keine meiner Karten. Nummer fünf und sechs sind verbarrikadiert, sieben frisst wieder meine Karten nicht. Die Sonne geht auf und mein Mut unter.

Nach 763,7 km finde ich endlich eine Tanke mit einer freundlichen Bedienung, die meine Karten lesen kann. Sie wird nie erfahren wie knapp sie daran vorbeigekommen ist von mir abgeknutscht zu werden. Ich fahre weiter zu den weissen Wildpferden der Carmargue ins Rhonedelta am Mittelmeer. (mehr …)