Mo
21:42
Tag
1445

Salam Marokko!

Marokko hat sich seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren um einiges geändert. Es ist jetzt noch jünger. An manchen Orten und zu bestimmten Zeiten hört man Bollywood-Techno genauso laut wie das „Allah u akbar“ von den Spitzen der Minarette. Welten verschmelzen. Das letzte Mal waren noch alle Frauen verschleiert. Jetzt nicht mehr, vor allem die jungen sind zum Teil schon fast aufgebretzelt wie Kölner Türkinnen Samstag Nacht.

Hammelkeulen hängen in der Sonne. Tausend Gewürzsäcke leuchten am Straßenrand. Hausfrauen handeln den besten Preis für Nana-Minze aus. Bettler sitzen vor dem Eingang der Moschee. Essaouira ist wie eine Zeitmaschine. Unglaublich alt, neu, stinkend und duftend, eng und weitläufig. Mittelalter-Marktplatz im hier und jetzt. [weiterlesen]

Di
23:37
Tag
1439

Gorges du Dadès

Harter Tag, wieder eine weite Strecke. Erster Stopp: Agdz. Eine große Gruppe junger Marokkaner demonstriert lautstark gegen die Lebensmittelverteuerung. Nachdem die armen Amis keine Lust mehr haben, in Edelmetalle, Gold und Uran zu spekulieren, versauen sie jetzt auch noch den ärmsten der Armen das Leben mit ihrer Gier. Ich hoffe, es wird eines Tages zurückschlagen.

Auf dem Weg nach Ouarzazate gibt es einen Wasserfall. Das Schild zu den Cacades de Tizguin finde ich schnell, die Piste ist grober Schotter durch vulkanischen Fels. Dann geht es durch große Löcher und gröberen Schotter. Einige tiefe Überspülungen, mit 30% abfallende enge Serpentinen in ein enges Tal. Unten bin ich zum ersten Mal seit langem soweit, mir einzugestehen, daß das vielleicht zu viel war. [weiterlesen]

Mo
22:36
Tag
1438

Sandsturm in der Sahara

Motorhead spielen nicht direkt nach Marianne und Michael. Genauso wenig geht das letzte Grün vor der Sahara direkt in reine Sanddünen über. Nach dem Grün kommt die Steinwüste. In ihr verteilen sich erste Inseln aus Sand. Die letzten Flüsse laufen im Nichts aus. Noch zwei Bergrücken, dann sehe ich in der Ferne nur noch flimmernde Sanddünen. 52 Tage bis Timbuktu.

Auch das davor gehört für die Touareg schon zur Sahara. Große Kasbahs verkunden alte Karawanengeschichte. Die Temperatur steigt auf knappe 40 Grad. Das ist recht wenig, erklärt mir eine Teerunde im Schatten einer Kasbah. Schon bald wird es hier bis zu 55 Grad heiss. Alle halbe Stunde kommt ein Auto vorbei, fast nur Jeeps, kaum Touristen. [weiterlesen]

So
20:18
Tag
1437

Der Touareg

Fünf Tage Dauerflaute sind mehr als ein Kitesurfer ertragen muss. Ich miete ein Auto und breche noch vor Morgengrauen auf. Die Straße nach Marrakech führt von diesigem Mad Max über Toskana ohne Zypressen in die grüne Kornkammer vor dem hohen Atlas. Wegen des Bombenanschlages in Marrakech sind die Polizeikontrollen dezeit ähnlich dicht wie im goldenen Dreieck – nur die Bewaffnung ist etwas dezenter.

Nach nur einer Stunde Fahrt erlegt mich ein Polizist mit der Laserpistole. 20km/h zu schnell. Mein deutscher Führerschein rettet mich wie schon in den USA vor Strafe. Wir haben anscheinend weltweit Narrenfreiheit wenn’s ums rasen geht. Wenig später folgt mir die Polizei mit Blaulicht, und diesmal wird mein Magen unruhig. Sie überholen. Umsonst. [weiterlesen]

Fr
21:21
Tag
1435

Eine Woche Flaute

Für Kiter ist nichts schlimmer als Flaute. Alle werden miesmutig, manche kriegen Krätze. Eine zu bemitleidende radikale Splittergruppe schlägt Wellenreitern die Schädel ein. Ich bastel Pläne, in die Sahara zu fahren. 750km oneway, Autos gibt’s grad nur von lokalen Vermietern und teuer. Nach einer abgebrochenen Kofferraumklappe bei meinem letzten Aufenthalt vor 15 Jahren ist mein Vertrauen allerdings etwas angekratzt.

Ich fühl mich wie in einem Buch von Garcia Marquez. Welches genau hab ich vergessen. Es ist heiss und schwül. Bei den allabendlichen Gelagen in der Piratenhöhle beschlagen meine Brillengläser, wenn’s draußen regnet. Mein sechser-Hamsterkäfig wurde umgebaut zur Käfighaltung, bin jetzt alleine drin. Ich warte arbeitend auf den hoffentlich in sechs Tagen ankommenden Höllenwind. [weiterlesen]

Mi
21:57
Tag
1433

Essaouira

Essaouira ist ein alter Portugiesischer Handelsstützpunkt. Wolken drücken die Schwüle nach unten, verstärkt durch die komplette Abwesenheit von Wind. Wer sagt, die wichtigste Ingredienz von 1001 Nacht seien Helden, ist ein Bulimiker. Das einzig wichtige sind Gestank und Himmelsdüfte. Am Morgen wache ich in einem fensterlosen 12m² Sechsbettzimmer auf. Bei der Rückkehr vom Bad erblasse ich vor Neid: So werde ich niemals alleine stinken können.

Die Dachterrasse im vierten Stock gibt den Blick frei auf hunderte Innenhofhäuser. Aussen und vor allem oben recht kaputt, aber innen weiss getüncht. Katzen liegen auf Müllhaufen. Die Medina ist ein unglaubliches Labyrinth. An 202 gezählten Ecken finde ich zwei rechte Winkel. Offener Gulli, tödlicher Gestank. Am nächsten Eck Nana-Minze, dann Fischmarkt und Gewürzberge. [weiterlesen]

Di
23:27
Tag
1432

Reisen und Rauchen

Es gibt Dinge, die gehen einfach gar nicht zusammen: George Bush und Intelligenztests. Dieter Bohlen und Groove. Helden in Strumpfhosen. Meer und Flaute. Andere sind absolute Dreamteams: Pommes und Ketchup, Weisswein und Wasser, Ray Liotta und kaputte Mafiacharaktere oder Reisen und Rauchen.

Auf Reisen rauche ich immer viel. Pflege einer uralten Tradition. Damals, in der Eurasischen Steppe: Ein Zweibeiner wittert Rauch. Rauch sagte schon damals: „Geh auf Reisen, oder deine Klöten brennen gleich!“ Also noch schnell das Startgewicht verringern und auf zu neuen Zielen. Ich steh auf dem Aussichtsdeck des Flughafen Nürnberg. Der Rauch zieht den Jets hinterher. [weiterlesen]

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