Ende einer 4.000 km Kitereise

0912
2013
Mo
23:55
Tag
2376
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Mein viertel Jahr in Brasilien geht zu Ende. Es war die eigenartigste aller meiner Reisen. Reisen bedeutet im Gegensatz zu Urlaub: in der Fremde Heimat finden. Wenn ich reiste, dann fühlte ich mich oft und an vielen Plätzen schnell zuhause. Brasilien war anders. Ich könnte behaupten: Der Wind hat mich einfach zu schnell weitergeblasen. Aber das stimmte immer nur auf dem Wasser. An Land war ich länger an jedem Ort als auf allen anderen meiner Reisen.

Trotzdem fühlte ich mich an wenigen Orten zuhause. Vielleicht hat selbst der Ballermann oft weniger Deutsche. Vielleicht haben Kiter nicht mehr wirklich einen gemeinsamen Spirt. Vielleicht war meine Maracuja-Caipi-Liebesbeziehung zu heftig. Vielleicht war das Internet fast immer zu schlecht um zu arbeiten. Vielleicht bekam ich nach einem harten Jahr auch einfach die Augen nicht mehr weit genug auf. (mehr …)

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Repeat Magic @ Galinhos

0812
2013
So
23:40
Tag
2375
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Auf Reisen ist es gefährlich, an gute Orte zurückzukehren. Zauberer können Tricks wiederholen. Doch Magie ist einzigartig. Meistens läuft man daher bei zweiten Besuchen nur dem Schein vergangener Zeiten hinterher. Menschen ändern sich oder verschwinden. Die Magie von Galinhos ist stärker: die guten Menschen bleiben gut und die neuen fügen sich ein.

Auf 2.000 km entlang der Küste Brasiliens gab es keinen einzigen Galinhos vergleichbaren Kitespot. Hier verbringe ich die letzten fünf Tage meiner Reise. Diesesmal sind zehn gute Kiter da, der Wind bläst mit 25 und mehr Knoten deutlich stärker als Anfang Oktober. Die Lagune böte noch Patz für hunderte weitere. Doch die beschwerliche Anreise hält den Massentourismus weiterhin erfolgreich ab. (mehr …)

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Roadtripping Brazil

0412
2013
Mi
22:43
Tag
2371
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Für 2.000 km entlang der Küste Nordost-Brasiliens brauchte ich gute zwei Monate. Den Rückweg mache ich binnen nur vier Reisetagen innerhalb zwei Wochen. Nach Jeri mache ich noch fünf Tage Stop in Ilha do Guajirú. Auf dem Wasser sind nur noch maximal 40 Kiter und der Wind hackt permanent mit 25 bis 30 Knoten, Tag und Nacht. Genau mein Sweetspot.

In Cumbuco treffe ich nochmal den schüchternen Wikinger Johan und viele neue gute Leute im Rolling Stone Hostel. Den Samstag brechen wir früh ab. Am letzten Abend geht das ganze Hostel auf die Dünen zum Sonnenuntergang. Hier oben ist alles still und friedlich. Unten in Cumbuco wurden letzte Woche wieder zwei Menschen von der Polizei erschossen, diesesmal aber ohne gefesselte Hände. (mehr …)

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Jijoca de Jericoacoara

2411
2013
So
16:08
Tag
2361
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Könnte sich irgendjemand den Namen merken, würde er garantiert an der Intonation scheitern. Jijoca de Jericoacoara ist schwer zu erreichen. Wie ein Keuschheitsgürtel legen sich 23 km Sanddünen um einen der zehn umsatzstärksten touristischen Hotspots Brasiliens. Das Forbes Magazine kürte Jijoca de Jericoacoara schon vor einem viertel Jahrhundert zu einem der schönsten Strände der Welt.

Keuschheitsgürtel erforderten schon im Mittelalter sexuelle Verrenkungen. Heute ist das nicht anders. Am späten Abend überwinden wir die Sanddünen unter einem blutrot hinter den Dünen aufsteigenden Mond auf dem Rücken eines Jeeps. Die wenigen, die es mit dem Mietwagen hierher schaffen bringen Papparazzis gutes Geld. Jedes an den Vermieter gemailte Kennzeichen-Foto bringt drei Brasilianische Monatseinkommen. (mehr …)

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Zugvögel

2111
2013
Do
6:44
Tag
2358
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Als ich klein war hatte ich eine große Frage: Wohin fliegen die Zugvögel? Die Antworten darauf waren schnell gefunden und beinhalteten zahlreiche Länder. Ich verschlang alle Dokus über diese Ziele. Manchmal waren sogar Vögel zu sehen. Wenngleich ich damit ihren Zielen näherkam, fehlte mir trotzdem immer eines: Ihr Weg dorthin. Also fing ich an, vom Fliegen zu träumen. Noch bevor ich ein einziges Mal die Erde verliess, wusste ich, wie sie von oben aussah. Ich zog mit den Vögeln davon.

Heute bin ich einer von Ihnen. Ich träume nicht mehr vom Fliegen. Ich fliege. Früh morgens nehmen wir einen Beachbuggy zum Startpunkt einen guten Kilometer westlich Jericoacoaras. Im anfangs noch mit milden 18 Knoten sideoff blasenden Wind gehen wir mit kleine Kites auf den längsten Downwinder, den ich je geflogen bin. (mehr …)

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Im Parnaiba-Delta

1711
2013
So
23:49
Tag
2354
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Der Parnaiba ist einer der größten Flüsse Brasiliens. In seinem Mündungsgebiet zerteilt er das Festland auf 50 km² in unzählbare grüne Inseln. Wir sind im Reich der Krokodile, Anacondas, Reiher und Affen. Mit einem schnellen Motorboot fahren wir knapp eine Stunde lang durch die Mangroven bis zur letzten Sandbank im Parnaiba-Delta. Hier verschmilzt der Strom unter springenden Wellen mit dem Meer.

Der Platz ist mehr als würdig, den Umkehrpunkt meiner Reise zu markieren. Ich bin in den letzten zwei Monaten mit Eselskarren, Autos, Bussen und Booten und zu Fuss knappe 1.800 km entlang der Brasilianischen Küste gereist. An 30 Spots hat mein Board Spuren im Wasser gezogen. Näher werde ich dem Äquator auf dieser Reise nicht mehr kommen, und nirgends wird der Wind beständiger und stärker blasen. (mehr …)

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Barra Grande

1511
2013
Fr
23:15
Tag
2352
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Wir fahren geschlagene fünf Stunden von Ilha do Guajirú nach Barra Gande – satte 350 km weit und zum Teil über Schotterpisten durch die tiefste Pampa. Sowohl Google als auch Open Street Map gaben diese Route aus, Locals wiesen uns den gleichen Weg. Dass wir uns leicht ein Drittel des Weges durch die neue Straße zwischen Jijioca und Granja hätten sparen können erfahren wir erst einen Tag später.

Barra Grande ist wegen eines nationalen Feiertages fast komplett ausgebucht. Sogar bescheidene Privatzimmer ohne Türe kosten mal schnell für Brasilianische Verhältnisse astronomische 40 € die Nacht. Also buchen wir uns für 10 € mehr gleich in ein richtig feines Luxusresort ein. Das Haus ist pure Hippiekunst, jeder Tisch ein Gemälde aus behutsam bearbeitetem Massivholz. Nach der Fahrt sind wir erst mal platt. (mehr …)

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Ilha do Guajirú

1211
2013
Di
23:37
Tag
2349
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Ilha do Guajirú ist der erste Ort in Brasilien, an dem wir etwas nach einer freien Unterkunft suchen müssen. „Etwas“ dauert fünf Minuten und bringt uns für wenig Geld eine Pousada direkt am Strand. Der rostige Kompressor rattert laut, das Essen dauert ewig. Wir fühlen uns sofort daheim in der Pousada Portal da Barra. Zehn Meter vom Zimmer zu Starkwind-Kiten auf Flachwasser bieten wenige Orte auf der Welt.

Der Wind bläst mächtig in Ilha do Guajirú. In den drei Tagen unseres Aufenthalts schläft er nur selten und kurz bei weniger als 20 Knoten. Tagsüber bläst er stets mit 20 bis 30 Knoten. Ilha do Guajirú ist ein Traum für Flachwasser-Kiter. Hinter einer langen Sandbank gelegen reduziert die Ebbe eine lange Flussmündung auf wenig spiegelglatten Raum. Bei Flut reiten bis zu 60 Kiter die sanften Windwellen der 300 mal 1000 Meter grossen Piste. (mehr …)

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Auf dem Weg ins gelobte Land

0911
2013
Sa
23:07
Tag
2346
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Eine Hauswand mitten im Nirgendwo der Brasilianischen Pampa verkündet: „Gott hat uns verlassen“. Das irritiert mich auf gleich zweierlei Arten. Erstens sind Brasilianer die Salafisten unter den Christen. Wer nicht wenigstens drei der fünf in jedem Dorf wöchentlich angebotenen Messen besucht, gilt offiziell als Heide. Zweitens: Wir sind auf dem Weg ins gelobte Land, und das geht nicht ohne einen Gott.

Unser Gott ist der Wind. Er bringt Brasilien durchaus einiges an Reichtum. Wenn hier ein Windpark gebaut wird, dann baut man gleich eine Fabrik, Strassen und manchmal gleich noch ein ganzes Dorf dazu. Wir fahren durch endlose Wälder von Windkraftanlagen. Ja, ohne wäre der Sonnenuntergang schöner. Aber wenn ich die Wahl zwischen Drehflügelwäldern und im dunkeln leuchtenden Sushi habe, dann ist meine Wahl eindeutig. (mehr …)

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Flexeiras, Guajirú & Mundau

0711
2013
Do
21:20
Tag
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Der nächste Stop ist das fast vollkommen leere Flexeiras. Es ist kurz vor Hauptsaison, und nirgends ist was los. Wir checken in einer günstigen Pousada direkt am Strand ein und machen uns gleich auf den Weg ins ein paar Kilometer östlich gelegene Guajiru. Der Wind bläst hier deutlich stärker als im leicht verschatteten Flexeiras. Auf dem Wasser vor einer der wie immer hoffnungslos überteuerten Kite-Unterkünfte tobt ein Dutzend Rider mit 7 bis 9 m².

Da der Strand breit und das Meer recht leer sind stufen wir die Gefahr runter und hängen uns an 12 und 13m² – wieder mal. Bei Böen deutlich über 22 Knoten ist das grenzwertig, aber die Hangtime dafür gewaltig. Wir schleudern uns über zahlreiche 1,5 m hohe Wellen ins Lee und vergeigen noch mehr Big Airs Richtung Ufer. Die Aussicht aus 7 m Höhe scheint endlos. (mehr …)

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Lagoinha & Paracuru

0511
2013
Di
22:36
Tag
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Nach fünf Wochen der langen Aufenthalte ändert sich jetzt die Reisegeschwindigkeit. Mit dem englischen Holländer Ian geht es drei Wochen lang ab Fortaleza mit dem Auto bis in den wilden Westen Brasiliens. Ab sofort reiten wir jeden Tag andere Kite-Spots ab. Unser erster Stop ist Lagoinha, eine gute Stunde westlich Cumbuco.

Der Aufkleber auf der Windschutzscheibe verbietet das fahren auf ungeteerten Strassen. Von Stränden steht da nichts. Also fahren wir am nächsten morgen mit guten Leuten aus der Heimat ein paar Kilometer downwind zur Lagune. Selbige ist nicht viel grösser als der Tabuba-Tümpel vor Cumbuco, aber liegt eingerahmt von Palmen und Dünen wie eine Oase hinter dem Strand. Der Wind ist zu gut, keiner hat Zeit für Fotos oder Filme. (mehr …)

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Mekkern über Mekkas: Cumbuco

2910
2013
Di
10:36
Tag
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Wir Kiter haben viele Gründe, über Mekkas zu meckern. Wir sind der Wirtschaftsmotor Nummer eins in vielen windigen armen Regionen der Erde. Ich lebte an vielen Orten, an denen Kiter-Freunde sehr wohl wussten, wieviel Leben wert ist – sich aber gleichzeitig lautstark darüber beschwerten, dass die bösen Eingeborenen mehr denn den Wert eines Lebens berechnen würden.

Die Sonne brennt – und das bringt Sonnenbrand. Wenn dir das nicht passt, nimm LSF100, wickel dich in eine Burka, geh nach Spitzbergen im Winter! Oder halt einfach die Fresse! Es sind nicht unsere Mekkas, die sagen: „Geh im Kreis um einen Meteoriten und jodel ‚Allah u akbar'“ – es sind Menschen wie Du und ich, die das einfach tun. Die einen wollen zuviel geben, und die anderen nehmen es dankbar an. (mehr …)

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Canoa Quebrada

1910
2013
Sa
23:15
Tag
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Nur eine Tagesreise entfernt vom paradiesischen Galinhos liegt Canoa Quebrada in einer ganz anderen Welt. Schnelles Internet, grosse Supermärkte, Hotels und Restaurants ohne Ende. Den Weg zu den Brallermännern am Strand weist ein langer Beach-Buggy-Stau voller dicker Menschen. Ich fühl mich sofort wie Tarzan in New York und flüchte mich erst mal auf den ruhigen Friedhof in den Sanddünen.

In der Mittagshitze spaziere ich über den leeren Broadway. Bar an Kneipe an Disco an Bar. Die Frequenz flüstert leise von der Ruhe vor dem wochenendlichen Sturm von tausenden Heuschrecken aus der nahen Millionenstadt Fortalezza. Reisen bedeutet Wechsel. In Galinhos trug mir der Apotheker mein vergessenes Handy hinterher. Hier warnt mich ausnahmslos jeder vor Raub, Diebstahl und vergessenem Ohropax. (mehr …)

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Those were the days, my friends!

1610
2013
Mi
23:06
Tag
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Unser germanischer Caipirinha-Durst sorgte dafür, dass es am Tag meiner Abreise in ganz Galinhos keine einzige Limette mehr zu kaufen gab. Zum Glück ist der Limãozid nicht die einzige Spur, die ich hier hinterlasse. Die Lagune von Cacimbim liegt einige Kilometer oberhalb Galinhos und wird von einer steilen Sanddüne begrenzt. Mit der Hand schreibe ich einige Male im vorrüber-kiten meinen Namen in den Sand.

DIe Zeit in Galinhos war magisch. Mein rechter Ellbogen hat einen Grand Slam gewonnen, mein linkes Knie ist einen Marathon gelaufen und mein Hintern war für mehr Bomben verantwortlich als Al Kaida. Die Schwielen an meine Händen erzählen von der Macht des Windes. Ganz still und leise sind grosse Sachen passiert. Ich habe meine Worte wiedergefunden. Es wird Zeit, weiterzureisen. (mehr …)

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Brasilianischer Humor

1110
2013
Fr
20:43
Tag
2317
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Der TV-Moderator witzelt über drei Busräuber-Bandidos, welche gerade in Rio interviewt werden. Sie wurden erfolgreich von Passagieren gelyncht. Zwei unbewegte blutige Körper werden zensiert, einer stammelt mit recht blau geschlagenem Gesicht von misslungenen Heldentaten. Der Brasilianische Humor ist herb. Und Galinhos ist sicher, denn es gibt hier nur Eselkarren und Buggies.

Mein Portugiesisch macht dezente Fortschritte. Der Hausdame teile ich erfolgreich mit, dass ich gerade eine Katze verspeist hätte. Von meinem guten Geschmack beeindruckt fragte sie mich umgehend, ob sie meinen Opa waschen solle. Schon nach wenigen Minuten Gebärdensprache begreife ich, dass sie meine Wäsche meint. Die Antworten auf meine Fragen verstehen ich zwar selten, bin aber schwer von der Wirkung meiner Worte beeindruckt. (mehr …)

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High Noon Heizwasser @ Galinhos

0910
2013
Mi
23:01
Tag
2315
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Gegen Mittag gehen wir zu Neumond-Niedrigwasser einen Kilometer auf der Lagunen-Seite Galinhos nach Westen. Der Strand ist jetzt dank Ebbe endlos breit, und die Lagune und Flussmündung bietet einige Quadratkilometer Bügelbrett für uns drei Kiter. Der Spot ist himmlisch. Ich versteh nicht warum hier nicht wenigstens soviele Leute wie in Cumbuco sind. Okay, „umpfumpf“ is hier nicht – es sei denn man machts selbst. Aber das Leben in einem kleinen Dorf hat andere Reize.

Anfangs luscht der Wind etwas. Die Kitelehrer laufen einige Male am Ufer Höhe mit 9m², ich fahre 13m² und bin glücklich. Gegen ein Uhr frischt der Wind auf angenehme 18 Knoten auf, jetzt gibts Heizwasser. Riesen Spray, hoher Speed und bombige Crashs. Die Mangroven sind die Banden, ein paar vorbeiziehende Fischerboote die Kugeln und wir die Queues. (mehr …)

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Du sollst surfen, nicht surfen!

0810
2013
Di
18:40
Tag
2314
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Die letzten 30 km nach Galinhos führen durch endlose stillstehende Windpark-Wälder über strahlend weisse Sanddünen. Galinhos liegt am Ende einer langen Halbinsel. Die Sandbank bietet eine einmalige Vielzahl von Bedingungen zum Kitesurfen: auf der Landseite liegt eine großes Flussmündung, der perfekte Flachwasser-Spot. Auf der Seeseite brechen die Wellen schön gleichmässig am flach abfallenden Strand.

Schon der erste Sprung im Flachwasser nach den Wellen landeinwärts haut mich gute fünf Meter raus. Landung in den Wellen, turn und wieder raus. Die Wellen sind nicht gross, aber schön lange ziemlich steil. Perfekte Ramps für endloses Gleitsegeln nach Lee. Ich hatte binnen 15 Jahren Kitesurfen noch nie einen Wave-Spot, der in beide Richtungen so schöne Bedingungen bot. (mehr …)

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Mit dem Beach-Buggy ums Eck

0710
2013
Mo
21:49
Tag
2313
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Bob boomt sauber aus der Box. Die Anlage übertönt den laut im Heck unseres Beach-Buggies röhrenden VW-Motor. Bei Flussduchquerungen spritzt das Wasser durch den Boden im Fussraum. Händels Wassermusik ertönt. Mit zwei dauerreisenden Australiern bin ich unterwegs ins gelobte Land. Die starken Passatwinde beginnen ziemlich genau am nordöstlichen Eck Brasiliens. Dieses umfahren wir zwei Tage lang und 170 km weit mit Beach-Buggy Captain Maol.

Maol ist 65 und fährt seit 30 Jahren Beach-Buggy. Als Enduro-Biker bin ich erst mal skeptisch. Ich erinnere mich noch gut, wie meine Oma fuhr. Doch die Sorge ist vollkommen unbegründet. Vor den ersten Sanddünen nördlich Natal reduziert er den Reifendruck. Dann gibt er ordentlich Gas. (mehr …)

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Goodbye Pipa!

0310
2013
Do
23:36
Tag
2309
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Am letzten Tag in Pipa kommt endlich vernünftiger Wind auf. Wie schon die ganze Woche über: anders als angekündigt. In Pipa schreibt man Hoffnung eben anders. Ich gehe am Morgen mit einer argentinischen Radiomoderatorin an den Cacimbinhas Beach. Über die Kante der steilen Klippen fegt eine derbe Brise. Eine kleine Hütte am einsamen Strand, das Meer und ich. Alles ist gut.

Die Wellen kommen am Cacimbinhas etwas milder an als am Praia de Amor. Aber immnoch 1,5m hoch und herb brechend. Waschgang, raus und rein, dann nach einer Stunde etwas Regen und Flaute. Etwas weiter nach Süden Richtung Praia de Madeiro wandern, und schon fängt der Wind wieder an. Draussen ist die Dünung hoch und steil, Einschlag im nächsten Wellenkamm. Am Ende des Tages ich humpel glücklich nach Hause. (mehr …)

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Kite-Wanderung zum Barro de Cunhau

0210
2013
Mi
23:50
Tag
2308
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Im Minivan nach Cibauma mockiert sich ein schwules deutsch-uruguaiisches Pärchen auf Flitterwochen köstlich über die Irrwege der liberalen Bürokratie. Einer der beiden wäre jetzt laut Trauschein „Senora“ und müsse sich somit einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, was beide diskriminierend und voll abtörnend finden.

Am Ende eines Feldweges schmeisst mich der Busfahrer raus. Ich bin auf dem Weg zu einem legendären Kitespot, dem Barro de Cunhau. Von Pipa müsste man für die 7 km Luftlinie ca. 50 km Umweg mit dem Taxi fahren. Warum wird mir nach einer kurzen Wanderung klar. Bei Flut kommt man über diesen Fluss nur mit dem Floss. Jetzt bei Ebbe versinke ich nur hüfthoch im Wasser. (mehr …)

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Kitesurfing Pipa: Praia do Amor

2909
2013
So
22:49
Tag
2305
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Am zweiten Tag in Pipa bläst der Wind endlich mal nicht wie hier so häufig nicht in der Nacht, sondern auch tagsüber mit gemütlichen 17 Knoten. Der nach Osten blickende Praio de Amor liegt nur 15 Minuten vom Sugar Cane Hostel entfernt. Oben auf seinen Klippen stehend sehe ich endlich den ersten anderen Kiter. Bisher hatte ich noch keinen getroffen.

Bei Flut ist der Praio de Amor im weniger dicht besidelten Südteil gerade mal 7m breit. Auch bei Ebbe dürften kaum mehr als 12m rauskommen. Direkt dahinter liegen steil ansteigende und teils mit Gestrüpp bewachsene Klippen. Dank den durch sie verursachten Luvwirbel lege ich erst einmal zwei astreine Fehlstarts hin, was später auch noch einigen anderen Kitern passiert. (mehr …)

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Pipa? Paradise!

2809
2013
Sa
22:38
Tag
2304
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Nach einer langen Busfahrt geht die Sonne hinter mir und meine israelischen Mitreisenden über dem Amazonas unter. Vor uns liegen rotglühende Wolken über Pipa. Das kleine Dorf findet sich wegen seiner legendären Strände in jedem Reiseführer als eines der Highlights Brasiliens. Fast immer waren Reise-Highlights meine größten Reinfälle. Diesesmal ist alles anders.

Der Weg schlängelt sich durch kleine Dörfer und Zuckerrohrfelder vorbei an Fussballspielenden Kindern in ein kleines Dorf. Es gibt keine großen Hotels, nur einige Pousadas, Appartments und Hostels. Die Hauptstrasse ist ein gepflasterter Weg voller Leben. Das Sugar Cane Hostel hat auf Hostelbookers niemals zuvor gesehen 96,4% positive Bewertungen. (mehr …)

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Reiseangst in Brasilien

2609
2013
Do
1:33
Tag
2302
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Die weissen Wolkenkratzer strahlen hell im späten Nachmittagshimmel hoch über Recife. Dazwischen liegt der dunkle Dreck am Boden: stacheldrahtgesicherte halbfavela-Anwesen am Rande der Hoffnung. Ich wandere einige Kilometer zum größten Einkaufszentrum. Drinnen patrouillieren Robocops auf Segways. Ich stelle überrascht fest, dass man nur lacht, wenn man sich sicher fühlt.

Brasilien ist das einzige Land der Welt, in dem man seine Kreditkarte zweimal in den ATM stecken muss, um einmal Geld abzuheben. Dieses regionalspezifische Feature gibt den davor positionierten Darth Vaders mehr Zeit, ihre Pumpguns vollständig in potentielle Kartendiebe nach der dritten Fehleingabe zu entleeren. Willkommener Nebeneffekt dürfte eine deutliche Verbesserung des Brasilianischen Genoms in Richtung Gedächtnisweltweister sein. (mehr …)

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