Ein versöhnliches Ende

0411
2008
Di
17:48
Tag
515
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Am Ende meiner letzten drei Wochen in Cabarete kommt endlich der Wind wieder zurück. Zuerst zaghaft, ein kleiner Hauch, aber nach sechs Tagen Flaute und Regen ein Fingerzeig. Ab drei Uhr blasen schöne 20 Knoten am Kitebeach. Der Wind ist extrem böig, die Wellen gemein hoch und aus verschiedenen Richtungen. Aber das ist egal. Hauptsache Wind.

Ich fahre immer wieder raus bis aufs Riff und spiele Fangen mit den Brechern. Allen bis auf einer entkomme ich. Sie beisst mich in den Hintern und überrollt mich. Nix passiert. Beim Auftauchen ist auf einmal direkt neben mir eine dicke Schildkröte und glotzt mich an. Bleibt an diesem Tag nicht die einzige. Bis zum Abend sehe ich bestimmt ein Dutzend große Meeresschildkröten. Der älteste Meerbewohner trifft auf den jüngsten. (mehr …)

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Karibischer Trübsinn

3110
2008
Fr
19:49
Tag
511
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Es regnet seit vier Tagen fast ohne Pause. Schwere Gewitter bringen Flüsse zum überlaufen und reduzieren die Sicht auf 50m am Tag. Eine kurze Regenpause nutze ich um vom absolut windstillen Kitebeach am Strand zurück nach Cabarete zu gehen. Sie hält bis zur Mitte des Weges, dann werde ich sauber geduscht.

Das Kitecamp ist fast leer, alle Freunde sind weg. Aktuell sind wir zu zweit hier. Vorgestern stellte uns Ali noch eine Flasche Rum hin, welche wir während einer ergebnislosen Pokerrunde komplett leerten. Danach gings mir zwei Tage schlecht. Ich arbeite seit Tagen mindestens sechs Stunden am Tag, der Urlaub ist beendet. (mehr …)

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Armut & Reichtum in Cabarete

2910
2008
Mi
14:29
Tag
509
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Gerade eben habe ich mich noch über Unterschiede in Meinungen und Ansichten gefreut. Heute stößt mir ein Unterschied in der Dominikanische Republik schwer auf: Der zwischen Arm und Reich. Es ist nicht so, dass er etwas neues ist. Es gab immer Armut und Reichtum hier. Was mir jetzt so aufstößt, ist die dazwischen liegende und sich dramatisch vergrößernde Kluft.

Das durchschnittliche pro Kopf-Einkommen verdoppelte sich in den letzten 10 Jahren. 20% Reiche verdienten fünf mal mehr, 80% arme halb soviel. Wie meinte doch José, der Exildominikaner auf Urlaub? Er hatte noch nie so viele Hummer und Porsche gesehen. Die Luxusburgen wachsen überall in Cabarete, aber darin wohnen nur reiche Ausländer. Der Peso schwankt unrationell stark gemessen an der Wirtschaftskraft. (mehr …)

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Columbus & nach Hause fahren

2610
2008
So
23:01
Tag
506
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Columbus hat nahe Cabarete 1492 das erste Fort in der neuen Welt gebaut. War mehr so eine Notlösung, analog „Houston, we got a problem.“. Funk gab’s damals natürlich noch nicht. Da eines seiner drei Schiffe etwas zu beschädigt für die Rückkehr nach Spanien war, mussten ein paar Menschen zurückbleiben. Im Fort Isabela warteten sie auf die Wiederkehr ihres Meisters.

Heute sind wir da, recht weit in der West-Dominikanischen Pampa. Die einzigen Besucher. Es gibt keine Meister mehr, die zurückgelassenen wurden niedergemetzelt. Nicht alle. Diejenigen, die überlebten gaben Columbus bei seiner Wiederkehr einen höllischen Empfang. Dank unserem halbdominikanischen Freund José bekomme ich diesemal die ganze Geschichte, denn der Führer spricht nur Spanisch. (mehr …)

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Dominikanische Republik mit dem Jeep

2510
2008
Sa
21:29
Tag
505
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Wir mieten uns für zwei Tage einen Jeep. Am ersten Tag begleiten uns drei junge Franzosen aus Martinique. Unser erster Stopp ist der Playa Grande, einer der schönsten Strände der Dominikanischen Republik. Unser Frühstück wird direkt am Strand serviert: Gegrillter Red Snapper mit frittierten Bananen, Reis und Salat. Wir schauen den Surfern in den großen Wellen zu. Die netten Köche kassieren perverse Preise.

Ich bin während meinen vier Besuchen in der Dominikanischen Republik bestimmt 2000 km Motorrad gefahren. Schlecht waren die Straßen schon immer. Alle fuhren wie die Deppen, siehe „Verkehrt in der Dominikanischen Republik„. Aber so schlecht wie jetzt waren die Straßen noch nie. (mehr …)

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Abtauchen im Terrouristen-Camp

2310
2008
Do
20:53
Tag
503
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Kein Mensch kann ständig nur Kitesurfen. Nach fünf Tagen auf dem Wasser wollen wir heute mal drunter. Wir buchen einen Tauchgang in Sosua. Die Einführung findet im Pool eines Terrouristen-Camps statt. Es gibt wirklich Menschen, die um die halbe Welt fliegen, um sich einsperren zu lassen. Nicht nur in Guantanamo.

Das Terrouristen-Camp liegt ein gutes Stück vor Cabarete. Damit die Terrouristen auch ja nicht auf die Idee kommen, in irgendeine Form des Kontakts mit den Ureinwohnern zu treten. Die Strandverkäufer mit Cocosnüssen mal ausgenommen. Und die Reanimatösen mit lustigen Spielchen wie Hufeisenwerfen. Der typische Terrourist ist meist fett und träge. Er nuckelt schon um elf Uhr Vormittags am Cuba Libre. Unalkoholisiert kann man die Schlagertechno-Bedröhnung auch nicht ertragen. (mehr …)

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Kitesurfen in der Karibik

2210
2008
Mi
2:09
Tag
502
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Sabine Infektion springt auf mich über. Der Wind bläst vier Tage am Stück mit perfekten 15-20 Knoten laminar side onshore. Wenn ich jetzt ein waschechter Deutscher wäre, müsste ich darüber mosern, dass es Seegras im Wasser gibt. Aber sonst würde mir auch schon nichts weiteres einfallen. Alles ist perfekt, die Sonne strahlt, der Wind bläst, und Cuba wird jeden Abend ordentlich befreit.

Jeden Mittag gehts mit dem Shuttle von Alis Camp zum Kiteclub. Sabine hat schon davor immer einen unruhigen Magen, vor lauter freudiger Erwartunfg gemischt mit etwas Angst. Diese Mischung macht höllisch lebendig. An manchen Tagen steh ich am Strand und frag mich, ob ich den Wind noch meistern kann. Aber der XBow bügelt einfach jede Böe platt. (mehr …)

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Eine schwere Infektion

1810
2008
Sa
22:13
Tag
498
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Mein teuflischer Plan wird von einer schweren Infektion durchgkreuzt. Sabine hat am Strand so ein längliches Ding angefasst. Noch kurz vor dem Aufbruch hatte ihre Mama sie davor gewarnt. Aber Sabine ist antiautoritär erzogen worden. Noch in der gleichen Sekunde des Erstkontakts springt der Virus auf sie über. Schon am Abend Nummer eins hat sie ganz eigenartige Gesichtszüge.

Der kleine Trainerkite macht ihr Spaß. An Tag zwei geht sie mit dem Lehrer gleich an den 8m² Bowkite. Ihr Grinsen sieht man 300m gegen den Wind. Es bleibt bis zum Abend windig. An Tag drei verschlimmert sich die Infektion, sie lernt die Kraft des Windes kennen, übt den Wasserstart an Land und das Laufen im Wasser. (mehr …)

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Von Moppeds, Bergblumen & Terrouristen

1710
2008
Fr
20:06
Tag
497
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Am Abend des dritten Tages macht der Regen endlich Pause. Wir mieten einen Roller und brechen in die Cordillera Central auf. In Sabaneta de Yasica hat gerade ein Swat Team mit Pumpguns und Maschinengewehren zugeschlagen. Die Dominikanischen Dorfbewohner stehen umher wie die Verwandten gerade gerissener Erdmännchen. Das Hinterland von Cabarete ist bergig. Palmen, Esel, Flüsse und Benzin aus Rumflaschen.

Am nächsten Morgen fahren wir durch die Hölle ins Paradies. Vor vier Jahren war’s schlimm. Die Straßen hatten mehr Löcher als Teer. Das ist jetzt anders. Dafür gibts noch mehr massige Stinkertrucks auf dem Weg nach Puerto Plata. Das letzte Mal dachte ich: „Scheisse, die fahren wie die Deppen“. Jetzt halte ich sie alle für Engel. Bin 1000km in Vietnam Motorrad gefahren. (mehr …)

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Condor nach Cabarete

1610
2008
Do
14:15
Tag
496
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Endlich weg aus dem Deutschen Herbst! Mit der Bahn geht’s nach einer fast schlaflosen Nacht nach Frankfurt. Die Bahn ist pünktlich, der Flieger nicht. Am Flughafen wuseln ganz viele meiner Lieblings-Menschen umher: Deutsche Urlauber. Sie erwarten nur das Beste, wissen viel, sehen wenig, beschweren sich gerne und halten das erlebte prinzipiell nie für das Gelbe vom Ei.

Es geht vor durch die ganzen Checks (Wie lange dauert’s denn noch?), ab zum Gate, wieder raus (Warum müssen wir so lange stehen?), wieder rein (Könn Sie misch die Ticket geben?) und endlich in den Condor nach Cabarete. Meine Knie stoßen zum ersten Mal seit 20 Flügen nicht am Vordersitz an. Nach 16h auf Reise geht die Sonnen blutrot über den Karibischen Wolken unter. (mehr …)

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