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Do you Belize? Caye Caulker!

Mit dem Speedboat geht es 40 km weit über türkisblaues glattes Wasser hinaus in die Karibik. Die vor Belize City gelegenen Cayes sind kleine Riffinseln und der Schmelztiegel aller internationalen Reisenden zwischen Alaska und Feuerland. Die Panamericana führt hier eindeutig über Wasser.

Caye Caulker ist klein. Auf gerade mal 1.500 auf 500 m stapeln sich die Häuser eng und hoch. Freien Grund gibt es kaum, unzählige Bars und Restaurants haben ihn schon vor langer Zeit aufgefressen. Die einzigen offenen Flächen sind die sandigen Straßen, ein Fussballfeld und der Friedhof.

Caye Caulker kämpft schwer mit dem Immobilienwahn und Klimawandel. Immer mehr Gebäude erhöhen den Druck auf den Grund – und der Meeresspiegel steigt. Geschäftstüchtige Kneipiere starteten daher die Kampagne „Do you Belize?“. An irgendwas muss jeder glauben. Die Besucher Caye Caulkers glauben durch heftige Alkoholvernichtung eine Gewichtsverminderung des Eilands bewirken zu können – und es so vor dem Untergang zu bewahren. In meinen fünf Tagen auf Caye Caulker bleibt der höchste Punkt trotz größter Aufopferungsbereitschaft bei exakt 53 cm. Wir hätten vermutlich mehr Bier denn Rum trinken sollen.

Zum Sonnenuntergang versammelt sich die ganze Insel an der Nordspitze im Lazy Lizard. Boote fahren bis direkt vor die Bar, während Kinder durch eine Fährrinne auf die nahe Nachbarinsel schwimmen. Das Bier fließt hier so schwer aus Eimern, dass die Insel eigentlich umkippen müsste.

Zum ersten Mal seit einem Monat habe ich endlich wieder etwas Wind. Nicht viel, wenn er mal über 20 Knoten bläst ist das schon viel auf Caye Caulker. Aber an drei von fünf Tagen bin ich auf dem Wasser. Den Startplatz kann man nur aus einem Grund nicht „beschissen“ nennen: Es gibt keinen. Aufgebaut wird auf ein paar Quadratmetern Sand zwischen eng stehenden Bäumen. Lines wieder aufrollen und über eine einen Meter hohe Kai-Mauer mit hervorstehenden Nägeln mit dem Kite ins Wasser springen. Die wenigen Steine sind vermeidbar, aber eine Norwegerin versucht gleich am ersten Tag einen Seeigel zu plätten. Er gewinnt. Hat dir erst mal jemand den Kite im Wasser gestartet ist der Spot okay: türkises Flachwasser, zahlreiche Piers und Yachtmasten sind leicht zu umschiffen.

An zwei Abenden ziehen kleine Karibische Tiefs durch. Der Wind frischt schlagartig kurz auf 25 Knoten auf. Das macht Caye Caulker zum Spot für die Musikliebhaber unter den Kitern: beim Springen kann man sich jetzt die Band in der letzten Kneipe von oben anschauen.

Nach der Abendsession ziehen wir mit guten Menschen ins Zentrum Caye Caulkers. Die Konzerte in der Sports Bar sind legendär. Caye Caulker hat nur eine Band, aber die ist gut und spielt die richtigen Songs. Zu „Freebird“ tanzt die halbe Kneipe auf den Tischen. Jeder bekommt hierfür einen Freischnaps.

Nach zwei Tagen kenne ich die Geschichten der halben Insel. Da ist der Pizzabäcker, dessen Frau anschafft. Der 130 kg schwere Ex-Pfarrer, der seine Muskeln mit Mausklicks stählt. Und da sind wir: ein kleiner internationaler Haufen von Reisenden, wunderbar und grausam zugleich. „The best days of our lives“ haut als Alltagskonzept einfach nicht hin.

Dem pflichtet auch die offensichtlich in meinem Bett beheimatete Armee von Bettwanzen in Bellas Hostel bei. Vier Tage lang hielt sie meine Beteiligung an der Inselrettung gut in Schach. Vor der 13-stündigen Reise nach Mexico bleibe ich eine Nacht nüchtern und bekomme wegen den Bettwanzen kaum Schlaf. Am frühen Morgen schleppt sich ein eitrig-blutig gekratzter Zombie zum Pier.



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