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Yosemite National Park

Schon gegen acht geht’s weiter in den Yosemite National Park. Ich bin immernoch todmüde. Am Eingang staut sich alles. Und auch die Straßen im Park sind ziemlich voll. Ums vorweg zu nehmen: insgesamt recht enttäuschend. Amis sind etwas wie die Katholiken im mittelalterlichen Deutschland. An jeden schönen Platz müssen sie was hinbauen. Katholiken bauten Kirchen und Amis bauen Golfplätze. So auch im Yosemite National Park.

Ich fahre rauf auf den 3000m hoch gelegenen Glacier Point. Die Aussicht haut um: blitzeblank geschliffene weisse Berge. In der Eiszeit hat sich das Eis solange an ihnen gerieben, bis den Bergen richtig kalt war, daher die Farbe. Ich sehe entfernte Waldfeuer, die hier nicht gelöscht werden. Wichtig für Sequoia-Samen. Wasserfälle wie aus Herr der Ringe. Aber an allen Punkten sind hunderttausend Touristen, die dümmlich posieren und recht laut schreien. Wäre so gerne weg von der Masse, aber die kürzesten Trails sind hier 6h einfach.

Runter ins Yosemite-Valley. An einer Straßenbaustelle seh ich offensichtlich als einziger einen Bären im Wald. Offensichtlich, weil keine 5km Stau davor. Aber der Bär ist weg, bevor ich ihn digital erlegen kann. Yosemite Valley ist gräßlich. Wie Kleinwalsertal. Jeder muss rein, und ist er da, weiß er nicht, was tun. Die Straßen sind Einbahnstraßen, so heftig ist der Verkehr. Am Talende Tausende von Autos, alles vollkommen überlaufen. Und die Yosemite-Wasserfälle sind ausgetrocknet. Nix wie weg.

Ich nehme wieder einen Tramper mit, der mir wenigstens von der Schönheit und Einsamkeit der entfernten Trails berichtet. An einem Bergsee auf über 2000m mache ich halt und nehm ein frisches Bad in glasklarem Wasser. Der Akku von Toms Kamera ist endgültig alle, daher steck ich allen möglichen Leuten Visitenkarten zu, um per Mail an Bilder zu kommen.

Auf dem Heimweg wird mir die Schizophrenie der Kalifornier bewusst. Szene 1: extrem kurvige Bergstraße. Durchgezogene Mittellinie. Die Reifen quietschen schon bei 20 Meilen. Auf 50 Meilen seh ich keinen einzigen, der die volle Straßenbreite nutzt, wenn ein paar hundert Meter Sicht ist. Szene 2, Highway. 65 erlaubt, ich fahr 75. Ständig schaue ich in den Rückspiegel, weil ich Angst habe, gerammt zu werden.

Pünktlich zum Sonnenuntergang nehme ich die letzten Hügel. Tausend Windräder drehen sich vor der untergehenden Sonne. Das Radio sagt, dass ich hier glücklich sein werde. Es spielt Beck, Beastie Boys und Blur. Britney und Beyonce müssen draußen warten. Alternative ist hier die Masse, der Mainstream. Wunderbar.

Ich hol mein Zeug von der Jugendherberge und fahr rauf auf den höchsten Hügel. Diesmal weiß ich wo ich klingeln muss, und Scott ist da. Die vier Jungens wohnen auf dem höchsten Hügel von San Francisco in einem Haus von 1928. Penthouse im 7. Stock. Ausblick auf die Bay und Golden Gate. Risengroß, Billard-Salon, korinthische Säulen zum Wohnzimmereingang und in selbigem eine bemalte Holzbalkendecke wie in einer Kirche. Einfach Unglaublich.

Ich fahre Peter, Scotts Mitbewohner zum Flughafen, fliegt heute in Urlaub. Stau und Rasen bringen sie 35 Minuten vor dem Abflug vor den Terminal. Gerade noch rechtzeitig. Auf dem Rückweg verfahr ich mich etwas, aber das ist egal. Bin fix und alle. Heim, rauf, schreiben, schlafen.



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1 Kommentar zu “ Yosemite National Park ”

Hey Frank,
heute hat uns Suzanne Vega besucht!
Toms Diner war vor 20 Jahren Testlied bei der Entwicklung des MP3-Verfahrens. Mother of MP3 meets Inventors of MP3. Sie war sehr lustig und nett und wir haben sie gleich mit MP3 Surround beschallt :-) Hätte Dir getaugt, mit dem Sound von 5.1 brünftigen Elchen im Anschlag.
Und wenns klappt gibts hier noch ein Bild dazu – Du merkst ich übe gerade mal wieder Webdesign:

Wünsche noch viel Spaß In SF, ist Dir schon warm?

Kommentar von Melly am 3.8.2007

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