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Yellowstone National Park

Ich schlafe hervorragend im Auto. Am Morgen lern ich David und Albert kennen, einen weiteren Gast aus Deutschland. Also, kennen…naja…nach einer Stunde, einer Dusche und zwei spitzen Kaffee breche ich mit Albert, einem Theologie-Studenten aus der Nähe von Berlin schon wieder auf. Wir besorgen Proviant und fahren die gleiche Strecke zurück zum Yellowstone. Aha, so hätte das also ausgeschaut…

Albert will länger im Park bleiben, organisiert sich einen Campingplatz. Gegen 10 ziehen wir weiter ins Herz. Zuerst die Mammoth-Schwefelquelle ganz im Norden. Weiße Felsen wie in der Türkei…überall blubbert es, und das Wasser brodelt über orange und grüne Algen. Dazwischen stehen tote Bäume wie Gespenster. Die Terrouristenströme halten sich zum Glück in Grenzen.

Wir fahren weiter, einen Canyon nach oben, über eine Hochebene und dann weiter an wilden Flüssen vorbei zu den ersten Geysiren. Riesige Parkplätze machen mir Angst. Auch die Massen von Menschen am Eingang. Doch schon nach wenigen hundert Metern ist klar: Amis laufen sehr ungern. Und anscheinend nie weiter als 200 m. Die Sonne brennt auf knapp 2000m.

Fast schon einsam wandern wir über die Holzstege zwischen den Geysiren. Strahlend blaues Wasser, weiße Felsen, grüne, gelbe, orange Algen. Dazwischen mächtige Erd-pupse. Und der allgegenwärtige Duft von faulen Eiern. Ich mutiere zum Japaner, krieg meine Kamera gar nicht mehr vom Auge. Old Steamboat im Norris-Feld ist der größte Geysir der Welt. Spuckt dreimal höher als Old Faithful. Wir warten kurz. Und beschließen dann, dass die Frequenz (irgendwas zwischen 3 Monaten und 50 Jahren) doch etwas zu undefiniert ist.

Albert erzählt mir, dass ein großer Teil des Yellowstone 1989 in Flammen stand. An vielen Berghängen stehen noch tote verkohlte Bäume. Gegen drei machen wir an einem Fluss Picknick. Danach an Wasserfällen vorbei weiter Richtung Süden zum Old Faithful. Dessen letzte Show haben wir leider knapp verpasst. Wir warten fast eine Stunde, um uns dann nach dem Ausbruch zu fragen: Das war’s jetzt? Wieder wie immer auf der Reise: die großen Dinge sind ganz klein. Und die kleinen riesig.

Wir drehen noch die große Runde am Yellowstone Lake vorbei. Albert kriegt endlich seine Büffel und Elche vor die Linse geliefert. Doch die Zeit drängt schon wieder. Will nicht nochmal zu spät kommen. Ein Stau kostet mich einiges an Nerven. Ich liefere Albert gegen sieben Uhr am Campingplatz ab, wünsche ihm alles Gute auf seinem Weg zu den Indianern und nach Canada und peitsche die Limousine zurück nach Bozeman. Habe heute fast zwei drittel aller Geysire der Welt gesehen.

David erwartet mich mit seiner Freundin zum Abendessen. Wieder kann ich einen lieben Host nicht bekochen oder einladen. Mein Karma gerät noch mehr in Schieflage. Wird mit Spaghetti und italienischen Würsten gekonnt wieder aufgerichtet. Ich erledige die längst überfällige weitere Routenplanung und gebe David noch einige Tipps zur Suchmaschinenoptimierung seiner House Rules Homepage. Ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht, warum ich es mag, wenn Klopapier auf der Vorderseite der Rolle runterkommt. David schon. Hat ein Buch darüber geschrieben. Find ich ganz wunderbar schräg.



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