Wiiiiiiiind!

2307
2007
Mo
21:09
Tag
45
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Hab in der Nacht einige Sachen zum trocknen aufgehängt. Das war ein Fehler. Am Morgen sind sie noch nasser. Mit bestimmt 5kg Mehrgewicht reise ich per Bus erst zurück Nach Portland und dann weiter den Columbia River rauf. Basalte, schräg verwunden neben der Straße. Breiter Fluss, aber wenig Platz: auf beiden Seiten hohe Berge. Auf der Oregon-Seite beißen sich tiefe Wolken an den Bergen fest. Auf der Washington-Seite klart es zunehmend auf.

Eine Stunde flussaufwärts kommt endlich die Sonne raus. In Ihren Strahlen erblicke ich wunderbare Bäume: alle Äste zeigen flussaufwärts. Das is mal ne Ansage. Nach einer Flussbiegung fängt mit einem Mal der Bus zu schaukeln an. Weiße Schaumkronen in der Flussmitte. Endlich! Um meine erste Zigarette in Hood River anzustecken brauch ich knapp zwei Minuten. Auf dem Wasser sind bestimmt schon 30 Kiter und doppelt soviele Surfer.

Ich fahr mit dem Taxi auf die andere Flussseite. 3 Meilen kosten das gleich wie 1,5h Bus: 12$. Frecher Pekinese meint noch, das wär billig. Ist schon ne geile Sache, wenn’s in einer Stadt keinen Bus gibt und die einzige Brücke im weiten Umkreis für Fußgänger gesperrt ist. Meine Unterkunft ist ein Hostel in einem alten Schulhaus in Bingen. Niemand da. Ich breite die nassen Sachen auf einem Dorm-Bett aus und mach mich auf den Weg zurück nach Hood River.

Mit stoppen geht’s hier zum Glück ganz gut. Nach 10 Minuten bin ich wieder auf der anderen Seite und stolpere in den ersten Surfshop. Kurze Einweisung zum River. Sehr nette Kites hier. Batwing. Und schaut auch so aus. Ab zum Strand. Der Spot in Hood River ist perfekt. An der Mündung des Hood River in den Columbia River ist eine große Sandbank, bestimmt 200 mal 400 Meter. Großer Stehbereich, wenig Wellen. Der Startplatz ist praktisch mitten im Flusstal. Wind bläst onshore aus Westen, nach 100 Metern macht die Sandbank dann die Kurve.

Die Locals behaupten, der Spot wäre Anfänger-untauglich wegen der Windstärke (bis 90km/h) und wegen den Böen. Ich sag: Schmarrn! Wenns einen aushebt, landet man auf weichem Sand mit viel Platz. Downwind Abtreiben geht auch kaum, der Fluss fließt ja in die andere Richtung. Und das schönste: nach 500m Downwind gibts die ultimative Drachenbremse: eine schöne breite Fachwerkbrücke.

Ich hock den ersten halben Nachmittag erst mal nur am Strand. Ausspannen vom Reisen. Kann mein Glück kaum glauben…hab ich den Wind endlich eingeholt? Gegen vier steigt die Windgeschwindigkeit auf fast 40km/h. Alle sind nur mit 7er, 9er und 10er Bows und Hybrid-Kites unterwegs. Ich hab nur nen 12er Nitro aus 2004. Fehlende Depower gedenke ich mit fahrerischem Unvermögen auszugleichen.

Abends wieder zurück in die Schule. Mein Bett steht neben einer Schultafel aus dem letzten Jahrhundert. In meinem Schrank steht die Encyclopedia Americana von 1954. Die Handtücher duften und die Dusche ist heiß. Wenn jetzt noch der Wind wirklich bleibt, werde ich das gleiche tun.

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Ein Kommentar

  • Ollie schreibt am Montag, 23.7.2007 um 23:36 Uhr:

    Ja, und? Bist Du jetzt wirklich gefahren? Woelky auf dem Wasser ist ja ein Bild, das man nicht jeden Tag sieht, oder?
    Wir habe seit Tagen auch 4er Wind auf dem Brombach!

    Lass Dirs gut gehen!

    Ollie

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