Stay alive on route 55

0307
2007
Di
23:46
Tag
25
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Am nächsten Morgen regnet’s in Strömen. Ich fahr nach Green Bay, es klart auf. Zuerst Highways. Am Straßenrand totes Tier, geplatzter Reifen, totes Tier, im regelmäßigen Abstand von einer Meile. Dann weiter auf Landstraßen. Dafür hab ich das Auto geliehen. Ständig muss ich bremsen für Biber, Füchse, Fasane, Rehe. Habichte kreisen in thermischen Aufwinden. Gelbe Schilder warnen vor fremdartigen Tieren (s.rechts) Es ist heiß und feucht kurz vor Kanada.

Ich fahre durch einige Indianerreservate. Kasinos, Tanken, Tabak-und Alco-Shops. Alles billiger als außerhalb der Reservate. Die Rache des roten Mannes, endlich. Auf allem steht der Stammesname: wir sind. Wilde Flüsse. Ein ständiges auf und ab der Strassen durch Moränenlandschaft. Sümpfe, Wälder, 1000 Seen und unendliche Weite. Ich fühl mich Captain Kirk und grübel über den nächsten Logbucheintrag. Stundenlang kein anderes Auto.

Einen Tag vor dem 4. Juli hat jedes Kaff mindestens einen Firework-Stand. Und jeder wirbt damit die dicksten gerade-noch-legalen Dinger zu haben. Die Ferienorte an den Seen sind gut gebucht. Im Radio folgt Megadeth auf Elton John. Und immer wieder Scorpions. Schauderhaft. Aber massig Auswahl. Das hier ist das Ende der Welt. Und es hat 10 mal mehr gute Radiostationen als jede deutsche Großstadt. Von den Ballungsräumen hier red ich erst gar nicht.

Ab heute gibt’s übrigens Google Maps mit genauen Karten der Tour. Ich arbeite mich über kleinste Landstraßen bis zur Kanadischen Grenze hoch. Ein Truck vor mir schleudert einen Stein gegen meine Windschutzscheibe. Den resultierenden Sprung in der Scheibe lass ich in Ashland reparieren…und hoffe mal, dass ich das Geld wiederbekomme.

Die letzten 100 Meilen vor Duluth mach ich einen Schlenker auf die Apostle Islands-Halbinsel im Lake Superior. Am Ende der Welt steht ein handgeschriebenes Schild am Straßenrand: B.B.King tonight 7:30. Ist ein Witz, oder? Ich fahr den Berg hoch. Nach 3 Meilen bestätigt ein gedrucktes Plakat den Witz. Zwei Stunden vor dem Konzert sind gerade mal 30 Leute da. Aber 70-150$ sind mir zuviel. Ich fahr an der Küste weiter Richtung Westen. Über dem Lake Superior steigt Nebel auf.

Nach insgesamt 9 Stunden Fahrzeit und gut 500 Meilen hab ich fast ganz Wisconsin durchquert. Mein Hirn is Matsch, durchsetzt von viel zu schnell vorübergezogenen Bildern. Ich such einen WiFi-Spot. No Hospitality-Club-stay for today. Das erste Motel will 90$, das zweite 50. Im dritten Quartier ich mich für 35 ein. Meine Kasse schrumpft weiter viel zu schnell.

Danach such ich nochmal fast eine Stunde nen Hotspot. Muss was arbeiten. Fahr durch die Stadt und scanne wie toll. Nix, nirgends. Um 21.00h merk ich: shit, mein Wlan war ausgeschaltet. Ich bin frustriert. Die Reise ist gerade sehr teuer und anstrengend. Morgen ist der vierte Juli. Ich hab keine private Unterkunft. Wenn ich überhaupt noch was freies finden sollte, dann wirds mindestens 80$ kosten. Ich glaub ich brauch nen Schlafsack…

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2 Kommentare

  • Tom schreibt am Donnerstag, 5.7.2007 um 6:04 Uhr:

    Servus Frank,
    Glückwunsch zum Auto!
    Ich schreib zwar nicht so häufig, aber ich schau fast täglich mal rein (macht mehr Spaß als arbeiten). Am meisten haben mich natürlich die Wasserfälle beeindruckt. Könnt ma schon mal mit n Kajak runterrauschen (1 mal). Freu dich auf ein schönes und billiges Land wie Thailand!
    Grüße, auch von Christiane – und gute Besserung, Tom

  • ff-webdesigner schreibt am Donnerstag, 5.7.2007 um 16:26 Uhr:

    Du Tom, das mit dem Kajak hat mindestens schon einer gemacht und überlebt. Danke für deine Kamera übrigens, bin sehr glücklich damit :-)

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