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San Francisco: Kitesurfen & Nightlife

Um 8:30 weckt mich Scott. Surfen? Ich? Nö…aber zuschauen, Swell soll gut werden. Wir fahren zum Ocean Beach südlich Golden Gate. Ich sehe die bisher glücklichsten Hunde von Amerika. Auch Herrchen/Frauchen grinsen. Keine Kacke aufheben. Pazifik wird’s schon richten. Die Wellen schauen gemein aus. Nur 1,5m aber völlig unvohersagbar. Mal brechen sie so, mal so, und nie an der gleichen Stelle. Dazwischen überall Rip Currents, viele ertranken hier. Nach meiner ersten Zigarette atme ich einige Male verwundert aus. Was, so lange kommt Rauch raus? Nö. Es ist einfach so kalt, dass mein Atem kondensiert. Ich freue mich an Land über meinen Longsleeve-Neopren. Hemingway hierzu: “Der kälteste Winter, den ich je erlebt habe, war der Sommer in San Francisco.”

Mittags vertilgen wir die Reste meiner gestrigen missratenen Kocheskapade. Scott schmeckts. Schande! Was wird er erst sagen, wenn ich mal wieder einen goldenen Kochlöffel finde? Auf der Reise habe ich bisher nix verloren. Ich habe jedem Host einfach kleine Geschenke dagelassen. Ja, diese Formulierung ist eine Lobpreisung meiner Vergesslichkeit. Heute suche ich meinen Geldbeutel für fast eine ganze Stunde, bevor ich ihn bei der Abfahrt zum Kitesurfen am frühen Nachmittag in Scotts Auto finde.

Wir fahren zum Wadell Beach eine Stunde südlich von San Francisco. Sehr lustiger Ort: an der gesamten Küste hängt der Nebel tief, einzig und allein am Wadell Beach ist auf nur 2 Meilen Breite blanke Sonne und Wind. Nicht viel, aber gerade genug um niemals Angst haben zu müssen. Ich komme endlich mal satte 2 Stunden zum Kitesurfen. Die Wellen heute sind angeblich klein für den Wavespot Wadell. Mich derbrezeln sie trotzdem einige Male. Egal. Kite zieht mich immer raus. Um richtig Kante zu geben reichen die 25km/h Wind leider nicht aus, ich darf einige Male am Strand Höhe laufen. Aber zumindest lern ich, wenig Wind bestmöglich zu nutzen. Scott spielt derweil beeindruckend mit einem Directional ohne Straps in den Wellen. Als einer der letzten verlasse ich das Wasser vor dem pazifischen Sonnenuntergang, ziehe an toten Seelöwen mit abgebissenen Köpfen vorbei gen Auto. Packen und heim.

Am Abend steht noch einiges aus. Scott bleibt zu hause, ich ziehe sofort weiter in den Maritime National Historical Park. Die beiden Wandervögel vom Crater Lake hatten vom Shanty-Singen auf einem alten Schiff in San Francisco geschwärmt. Alte Seebären singen Seebärenkamellen. Davor hocken im Zwischendeck der Balclutha 100 größtenteils ältere Zuschauer. Die Erzählung der Wandervögel hatte sich weniger wie ein organisiertes Konzert zum Mitsingen angehört, mehr wie ein “jeder-für-jeden-Singsang”. War leider nicht so, daher etwas enttäuschend. Ich greife mir in der Pause einen Gratis-Cider und Mokka, würze letztern mit illegal eingeführtem Scotch. Schließlich haben Schotten dieses Schiff gebaut, und ich bin ja historisch recht begeisterbar.

Auf dem Heimweg liegt dummerweise die Polk Street. Heutiges Programm: Kneipenmarathon. Aha. Naja, man muss das lokale Angebot nehmen wie’s kommt. Ich komme in eine Sushi-Bar. Direkt nebenan versuche ich danach einem Kneipenwirt mit Münchner Verwandschaft die Sünde des Franziskaner-Hefeweizen-Ausschenkens auszureden. Leider erfolglos. Ich trinke Budweiser, die Amis Franziskaner. Trinken wir wenigstens alle Plörre.

Irgendwann schreit ein Ami neben mir “21”! Ich packs ned, Mäxchen/Meiern gibt’s auch in Amiland. Der hiesige Name “Mexicana” drängt mir den Rückschluss auf, dass wir die wahren Urheber sind. Die beiden Amis mit denen ich spiele haben zum Glück den Sinn des Spiels absolut null begriffen. Als zweiter Verlierer krieg ich noch ein Guinnes und nen Gin Tonic umsonst, bevor sie gehen. Ich beschließe den Abend in der Hoffnung auf keine weiteren Surf-Schreie am nächsten Morgen.



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