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Salt Lake City & Monstertour nach LA

Die Fahrt nach Salt Lake City läuft reibungslos. Wieder ein paarmal rauf auf über 2500 m, runter in Täler. Ein Cowboy-Almabtrieb bringt einen längeren Stop. In Salt Lake City angekommen finde ich das Haus meines neuen Hosts Julie recht schnell.

Meine Autoversicherung ist gut. Ich möchte Pete-Cruiser pökeln. Einmal über weiße Salzwüste mit einem schwarzen Auto heizen, wär schon was. Nach 50 Meilen entlang des Salt Lake geb ich auf. Die Wüste ist zu weit weg, um an einem Nachmittag bezwungen zu werden. Was bleibt ist das Wissen, dass nicht weit entfernt der Geschwindigkeits-Weltrekord aufgestellt wurde. Auf dem Rückweg ist guter Wind. Doch auf 50 Meilen gibt’s keinen einzigen Zugang zum Salt Lake. Ich fahr genervt zurück, kaufe ein und koche den zwei Mädels was.

Wir gehen in die Stadt. Michael Franti von Spearhead spielt gratis im Park. Vom Aids-Rapper ist er zu sowas wie dem neuen Bob Marley mutiert. Jeder kennt ihn als das soziale Gewissen Amerikas. Zwei Gitarren dirigieren 5000 Leute. Überall liegt Gras in der Luft, und die Massen jubeln, wenn er gegen den Irakkrieg wettert. Auf dem Heimweg erwisch ich den falschen Stop, verlaufe mich, finde einen Grocery-Store, der mir im Mormonenstaat auch ohne ID Bier verkauft. Spät abends finde ich heim, beobachte amüsiert studentische Balzrituale, leere mit selbigen das Bier und fall um eins ins Bett.

Am Morgen geht’s noch vor acht weiter. Vor mir liegen 700 Meilen nach Los Angeles. Ich mache nur Tankstops. Kaffee für mich, Sprit fürs Auto. Meilenfressen. Die Landschaft wird langsam wieder zur Wüste. In Las Vegas hab ich Glück, kein Wochenendstau. Das Leben war gesund hier. Im Sin City Hostel lag ein Flyer aus. Schießen Sie mit einem echten Maschinengewehr! Rückseite: Für die Gesundheit unserer Kunden und Angestellten verwenden wir nur bleifreie Munition.

100 Meilen vor Los Angeles beginnt das Chaos. Der Highway wird sechsspurig, das Fahrverhalten und die Verkehrsdichte ist wie Holledau vor Bayern München. Die Amis fahren genau wie die Deutschen nur links. Ich freu mich, dass rechts überholen erlaubt ist und mutiere zur Cabrioschlange. Bald sind 14400 Meilen oder 23000km on the road vorbei. Auf den letzten Metern bau ich beinahe noch nen Unfall im toten Winkel.

Die Sichtweite wird immer geringer. Der Horizont ist wie ein Klostein, Durftrichtung Zitrone: pissgelb. Und dahinter beginnt das Wasser. Auf der Gegenfahrbahn Richtung Las Vegas kriecht seit 50 Meilen der Megastau. Los Angeles ist Sodom, ohne Camorra. Ein Viertel aller Engel verlässt den Himmel allfreitaglich, um in der Wüste zu sündigen. LA könnte wohl mit drei einfachen Schritten die Hälfte seines Smogs eliminieren. Die Schritte sind: Legalisierung von Glücksspiel, Stripclubs und öffentlichem Trinken.

Der einzige Stay, den ich angeboten bekam, war West Hollywood. Hörte sich gut an, und wurde noch viel besser. Vom Freeway runter finde ich sofort ein offenes WiFi, treffe die letzten Abzweigungen ohne eine einzige Verirrung und komme 3 Stunden zu früh an. Wo ich bin? Direkt unter den Hügeln von Beverly Hills, neben Sunset und Hollywood Boulevard in einer wunderschöne ruhigen Wohngegend.

Mein Host Chanda kommt drei Minuten nach mir. Ich bin drei Stunden früher als geplant angekommen. Somit bleibt Zeit für Entertainment. Wir holen noch zwei weitere Freundinnen von ihr ab und fahren im Cabrio zu einem Hare-Krishna-Restaurant. Pay and Pray. Genau das Gegenteil zu New York: Dort ist teuer, was billig aussieht.

Danach geht’s weiter zu einem gratis-Screening mitten in den Fox-Studios, wo Chanda arbeitet. Neuer Film von Michael Moore, Sicko. Ein Glanzstück. Endlich tritt er in den Hintergrund und redet langsam. Abgewiesene Helfer von 9/11 werden gratis in Cuba versorgt. Köstlich und traurig.



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