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23:31
Tag
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Redwood National Park

Auf diesen Tag hab ich mich schon lange gefreut. Ich fahre den 101 wieder rauf nach Norden in den Redwood National Park. Tiefe Wolken ziehen vom Pazifik über die ersten Hügel. Ich verlasse den Highway bei erster Gelegenheit und ziehe über Schotterpisten direkt an den Küstenklippen entlang. Schilder warnen vor „Sneaker Waves“, unerwartet und unrhythmisch auftretenden Brechern am Strand, die jedes Jahr einen Menschen mit sich reißen und ertränken.

Die Redwoods kommen nur an vereinzelten Stellen im Park vor. Die größte Anhäufung war glaub ich gar nicht im National Park, sondern 50 Meilen nördlich bei Crescent City im State Park direkt am Highway 101. Die wirklichen 2000-jährigen Riesen verstecken sich hier. Man muss fragen und suchen.

Mein Kleinwagen verstärkt noch den Eindruck der gigantischen Bäume. Ich wünsch mir den ganzen Tag zwei Sachen: erstens vier mal soviel Platz auf der Y-Achse meiner Kamera. Und zweitens eine automatische Maßstabseinblendung. Ich halte die Augen offen nach Redwood-Samen. Sollen groß wie Tomaten sein, aber anscheinend habe ich gerade selbige auf den Augen. Wäre schon fein, sich nen kleinen Zimmer-Redwood zu ziehen.

Mittags mache ich in einem versifften kleinen Kaff mitten im Park halt. Ein Mexikaner ist die einzige Wahl für Mittagessen. Das Burrito ist haarig in zweierlei Hinsicht: Erstens wörtlich. Und zweitens, weil sich seine Größe mit 10 mal 25 cm an den Redwoods zu orientieren scheint. Nach der Hälfte bin ich blöd wie ein brünstiger Elch.

Schon am Morgen hatte ich mir in der Ranger Station eine Erlaubnis für einen abgelegenen Trail besorgt. Ich fahre weiter über Schotterpisten rauf in die Wolken. Nach 15 Meilen komme ich am Start der Tall Trees Trail an. Hier entdeckten Forscher in den 60ern mit 130m die größten Redwoods und trugen damit entscheidend zur Schaffung des National Parks bei.

Der Trail geht nur über 8km, allerdings sehr steil den Hang rauf und runter. Ich probier gar nicht zu beschreiben, was ich sehe. Vielleicht sagen die Bilder was, aber ich denke, auch die sind nur Schatten. Nur eines: Hannes, ich versteh dich jetzt besser. Die Redwoods sprechen eine ähnliche Sprache wie Türen in Geisterschlössern. Sie berichten ächzend von der Last der Jahrtausende. Ich schweige einfach.

Auf dem Rückweg nehme ich nicht den Highway, sondern fahre Richtung Osten über eine mehr als 30 Meilen lange und sich abenteuerlich über Hügel und durch Wälder windende Schotterpiste. Keine Autos, keine Schilder, nur Schotter und Colin McRae. Mein Vermieter würde mich wohl steinigen für diese Tour. Ich genieße die 500m lange Staubwolke hinter mir und die spritzenden Steine in jeder Kurve. Vorbei an Präriegras und alten Farmen geht es in ein Indianerreservat.

Ich nehme einen Indianer mit. Alles was man gibt, kriegt man zurück. Bisher haben mich diese Tempolimits vor jeder Kurve tierisch genervt. Hielt sie für obligatorisch. Mein Mitfahrer berichtigt meine Ansicht: alles was gelb ist, ist nur Empfehlung. Aua. Ich hab bisher bestimmt nen ganzen Tag für diese blöden gelben Schilder verbremst. Nimmermehr.

Abends fahr ich mit Waylen an einen abgelegenen Strand. Wollte etwas Kiteunterricht. Der Wind reicht gerade so, also zeig ich ihm, wie’s läuft. Er ist nach zwei Fehlstarts sofort Feuer und Flamme. Wieder ein Süchtling mehr :-) Die Sonne versinkt im Pazifik.

Wieder zuhause hör ich das bisher heftigste Urteil über 9/11 von Waylens Mitbewohner: Alles vom CIA geplant. Auch wenn bisher keiner wirklich glaubte, dass Bin Laden der Chef des Ganzen war: so deutlich ist noch keiner geworden. Meine Meinung muss ich gar nicht auspacken. Man serviert sie mir auf silbernen Tabletts. Amerika, ich liebe dich.



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