So
16:30
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Oregon Coast

Gestern haute zum ersten mal Rideshare via craigslist.org hin. Ist sowas wie mifahrzentrale.de, nur kleiner und schlechter. Sprit is halt immernoch zu billig hier. Für 10$ fahr ich mit nach Portland, lustige Leute. Mein Bus an die Küste geht erst Abends, also 6 Stunden Aufenthalt. Ich besuche den angeblich größten und besten Bookstore Amerikas, www.powell.com. Hugendubel München ist mindestens genauso groß, aber schöner.

Ich surfe und Skype etwas in einem Cafe und fahr abends mit dem Bus weiter nach Seaside durch dampfende Wälder und Regen. Der letzte Ort vor Seaside heißt Cannon Beach. So schauts auch aus: Sturm 70km/h. Surfshop an Surfshop. Hohe Wellen, abgerissene Bauplanen, weggefegte Stühle, Bäume am Belastungsmaximum. Yes! Endlich Wind! Der Bus schwankt nach jedem Windschatten. Meine Hosts finde ich schnell direkt am Highway 101.

Am nächsten Morgen ist die Freude nach 13 Stunden Schlaf wie weggeblasen – öh – das is wohl eher das falsche Wort. Es regnet in Strömen. Kein Bus für Nahverkehr. 86 Autos fahren an meinem nassen Daumen vorbei. Und das schlimmste: kein Wind. Der Fluch hält weiter an. Ab zum lokalen Surfshop. Vorhersage: 25mp/h heute, 15 morgen, Wellen um die 2m. Gefährliche Strömungen, in denen erst vor 2 Wochen ein Schüler meiner Hosts umkam. Bisher noch nicht wieder “aufgetaucht”. Von den 25mp/h heute hab ich bis jetzt noch nix gemerkt. 5 Uhr. Der Tag ist gegessen, genau wie die folgenden.

Ich hocke den ganzen Tag als Kaffee-Verachter in einem Cafe. Die Internetkultur ist schon lustig hier, aber mein Reiseziel war’s trotzdem nicht. Ich probier ein Onlineschach mit Werner in Deutschland. Dem fehlt leider Java, somit verschoben. Punktestand zum festhalten 43:19. Noch etwas chatten und Reiseplanung.

Die Stadt ist ziemlich tot. Nicht ruhig, sondern tot. Wie Nachsaison. 50% der Cafes geschlossen, wenig Gäste. Nebel in den Wald-Hügeln direkt hinter der Küste. Nachher hab ich noch einen schönen Marsch von ca. einer Stunden am Rande des Highways. Wenigstens kommt dann mal das Wasser aus einer anderen Richtung. Ich liebe Abwechslung. Morgen werde ich weiterziehen zum Columbia River.

Zurück zu meinen Hosts geh ich erst am Strand, bis mir ein Fluss den Weg versperrt. Es regnet wieder. Zurück zum Highway und weiter mit ausgestrecktem Daumen. Diesmal nimmt mich nach drei Meilen glatt ein kaputtes Paar mit. Sie entschuldigt sich, sei “car-sick”. Ich denk mir “Hm, riecht gar nicht so” und witzel über die Angst der Amerikaner vor mordenden Hitchhikern. Mein Fahrer kommentiert knapp mit “I’ve been to jail for murder”. Beim Aussteigen versteh ich die Entschuldigung. Ich schüttel meine Hand im Regen.



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