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Guggenheim, Christopher Str. & La Bohème

Den ganzen Tag wieder x Mal in der Garage gewesen. Fahrzeugschein kommt und kommt nicht, ständig werd ich wieder versetzt. Fühl mich verarscht. Und brauche jetzt dringend das Auto. Suche schon wieder nach Alternativen, überleg mir sogar, für 2800$ n Auto zu mieten. Kann nix tun. Folglich: wieder rein in die Stadt mit der Metro.

In einem kleinen Deli Nähe Guggenheim Museum geb ich mir n schönes Bier – stilecht in brauner Papiertüte. Mit Erlaubnis des Inhabers im hintersten Eck des Shops und trotzdem illegal. Danach steuere ich gut angeheitert gegen die Spirale im Guggenheim Museum. Ist leider gerade vollkommen hinüber, von außen ganz eingepackt zur Generalsanierung. Überall Risse, Sprünge, Rost, schlimmer als an der Regensburger Uni. Architektonisch ein Reinfall. Und irgendwie kann ich mit der Aussage abstrakter Kunst nix anfangen.

Mit dem Bus am Central Park runter zur 5th Avenue, Penn Station, dann weiter zur Christopher Street. In Amerika dürfen Stripper ihre Slips nicht ausziehen. Ganz ehrlich: das mit den Tittenbars verstehe ich ja noch – halbwegs. Aber was zu Deibel haben dann männliche Stripper zu vermelden? Ich spar mir die Bars, stromer mal die Strasse entlang und geb mir den schlechtesten Gyros-Pitta-Burger aller Zeiten. Außergewöhnliche Leistungen rechtfertigen außergewöhnliche Preise, insofern gehen die 8,95$ voll in Ordnung. Den Drecksrest lass ich am Tisch stehen, in der Hoffnung dass er nicht verantwortungslos im Hausmüll entsorgt wird.

Wieder zuhause kauf ich noch schnell ein paar Bier, ess was vernünftiges und spurte dann über 38 Metro-Stationen in den äußersten Norden der Bronx. Im Pelham Bay Park spielt die Metropolitan Opera heute La Bohème. Umsonst. Ich leg mich auf das Feld. Footballspieler sind übrigens alle Weicheier. Der Rasen ist Soft-Plastik, unten drunter 5 cm weichstes Gummigranulat. Hab mich bis zum Boden durchgegraben und hoffe, dass sich ein Weichei in dieser Abseitsfalle den Haxen bricht – um zu erfahren was echter Schmerz ist :-)

Dorfbursche hätte anhand der Karte natürlich draufkommen können, das der Park genau in der Mitte der Einflugschneisen von La Guardia und JFK liegt. Isser jedoch nicht. Aber die im Abstand von 60 Sekunden / 300 Höhenmetern über die Bühne wegfliegenden Jumbos können die Stimmung nicht ruinieren. Auch nicht das Footballspiel auf der hinteren Feldhälfte. Oder die Baseballspieler. Oder der Typ mit seinem mobilen Satelliten-TV, das er 10 m neben mir glotzt. La Bohème is großartig. Ich pack mein Bier in ne stilvolle braune Papiertüte, genieße den Abend und fühl mich sowas von undeutsch.

Auf dem Nachhauseweg geb ich mir einen gebührenden musikalischen Abschluss. Edwyn Collins, “Girl like you” und “There’s got to be a way to break out of this World”. La Bohème, der 5. Akt. Würde ich in der Metro nicht gegenüber dem Emergency-Schild sitzen, tät ich wohl schmunzeln. Über meine breites Grinsen, das sich in der gegenüberliegenden Scheibe spiegelt. Alles is mal gut.



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