Golden Gate Bridge oben ohne

0608
2007
Mo
23:55
Tag
59
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Am Vorabend kam noch Bree, die letzte Mitbewohnerin, die ich noch nicht kannte. Der Nebel in San Francisco war so dicht, dass ihr Flieger erst zwei Stunden später landete. Ich schnall das mit dem leben und arbeiten in Amerika irgendwie nicht. Sie kommt gerade von einer Woche Hiking im Grand Canyon zurück. Qutascht noch schnell n paar Minuten mit mir. Geht ins Bett. Nach acht Stunden Schlaf zieht sie am nächsten Morgen wieder in die Arbeit. Wann setzt sich die ganze Freizeit? Und wie kann man mit so nem Übergang was mitnehmen? Und: ja, ich weiß, ich muss gerade mit meiner Reisegeschwindigkeit reden. Einen Unterschied gibt’s: Ich reise so schnell, weil freie Fahrt so teuer sind. Amis leben so schnell, weil freie Zeit so teuer ist. Ich bin froh, dass ich nur eine Weile so reisen muss. Würde nicht so leben wollen.

Gegen Mittag zieh ich in die Stadt. Ich spiele Scheck-Rallye Teil zwei, mit anderen Statisten. Ziel dieses mal: einen Traveller-Cheque nach Milwaukee befördern. Carrie hatte mir das Ladegerät für Toms Cam nachgeschickt, für schlappe 45$. Erster Akt. Briefumschlag. Nach drei Geschäften mit Mindestabgabemenge 50 Umschläge geh ich in ein Hotel und besorg mir dort einen. Zweiter Akt. Briefmarken. Nach zwei Geschäften mit Mindestabgabemenge 20 Marken werde ich tollkühn. Ich fang an, Amis nach dem Weg zur nächsten Post zu fragen. Überraschenderweise kann mir dieses mal schon nach 8 Versuchen jemand den Weg weisen. Noch überraschender: er ist korrekt. Dummerweise fast bis auf den höchsten Hügel, Washington Square. Mission erfüllt.

Ich gönn mir nach zwei Monaten reisen nen Haarschnitt. Fehler: bei einer Asiatin. Wird das einzige Mal in meinem Leben bleiben. Sie ignoriert so ziemlich alle meine genau artikulierten Wünsche und schnippelt mich binnen 30 Minuten auf Pekinesen-Einheitskopf. Genau das letzte was ich wollte. Ich stemme beim betrachten ihrer Schandtat mein Kinn auf meine Hand. Ansonsten wär’s runtergefallen. Der Preis ist mal wieder der Leistung angemessen: Draußen steht 12$, drinnen sind’s dann 15$, und als ich „freudig“ zahle, sagt sie doch eiskalt „Tip me!“. Konichiwa?

Irgendwann steh ich vor einer Hooters Bar in Fisherman’s Wharf. Für Bier ist es noch zu früh. Ich geh 50 Meter weiter und krieg einen schönen Fingerzeig: Statt oben mit gibt’s heute oben ohne. Seit meiner Ankunft in San Francisco war die Golden Gate Bridge immer immer in Nebel gehüllt. Oben ohne ist in Amerika verboten. Ich verzieh ihr diese Obrigkeitshörigkeit. Heute jedoch ist sie oben ohne, blank, nackig, rot vor Scham. Muss ich sehen. Ich fahr mit dem Bus in den Golden Gate Park und lauf einmal über die Golden Gate Bridge.

Auch auf der Golden Gate Bridge sorgen die Amis wieder für ergreifend komödiantische Fußnoten. Alle hundert Meter gibt’s ein Emergency Phone. Darüber ein Schild: „Crisis Counseling. There is a hope. Make the call. The consequences of jumping from this bridge are fatal and tragic.“ Definitiv ein lieber Versuch in der Mitte der Brücke, bei 25 Springern im Jahr. Aber einfach zum Brüllen kurz vor dem Nordende der Brücke. Dort wären die Konsequenzen eines Springs wirklich fatal und tragisch. Aus 7m Höhe würde man sich den Haxen brechen. Und müsste fortan mit dem Wissen weiterleben, wirklich nichts im Leben auf die Reihe gebracht zu haben.

Auf der Nordseite angelangt probier nochmal auf die Marine Heights hochzukommen. Der einzige Punkt, wo man Golden Gate und San Francisco auf einem Bild hat. Aber stoppen haut so gut wie immer in den USA hin: gar nicht. Nach 20 Minuten parkt direkt vor mir auch noch ein Cop. Anscheinend ist stoppen in Kalifornien legal, war mir bisher unsicher. Ich laufe zurück und bin nach ner dreiviertel Stunde wieder auf der Südseite.

Als Dankeschön für meine Hosts mach ich am Abend nen bayerischen Schweinebraten. Kleinigkeiten wie geschnittenes Knödelbrot waren zuhause selbstverständlich. Hier schwitz ich fast eine Stunde beim Baguette-Filetieren. Meine Hosts haben eine 30 m² – Küche. Und keiner kocht. Schande. Die Küche spricht mit mir. Sie weint vor Glück, beschmutzt zu werden. Meine Hosts sind mit dem Resultat (also das Essen mein ich) ebenfalls glücklich. Ich vernichte Pilsener, Matt Spaten. Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

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One Comment

ayli

Hellas Frank, alles Liebe, Gute und Schöne zum Geburtstag. Peng und ich werden das ein oder andere Bier auf Dein ganz spezielles Wohl trinken. Feier g’scheit – obwohl ich daran keinen Zweifel habe ;-)
Viele Späße noch in Frisco und paß bei den Brücken auf, ich hab gehört da sind in USA einige am vergammeln. LG ayli

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