Einschlag in Milwaukee

0107
2007
So
23:55
Tag
23
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Am nächsten Morgen holt David gleich zwei weitere Gäste für sein Hospitalilty-Club-Hotel ab. Zwei Franzosen, die gerade ein Jahr in Toronto Politik und IT studiert hatten. Wir gehen noch schnell in den Lincoln Park Zoo. Am Nachmittag wieder heim. Ich pack mein Zeug und trage ein letztes mal 45kg durch die Gegend.

Einige Menschen rennen im Transfertunnel am Loop, um die nahende Blueline zu erwischen. Ich hätte gar nicht rennen können mit all dem Zeug. Also geh ich. Und komm auf den letzten Dücker in die Blueline. Hätte ich die verpasst, wär ich 12 Minuten später am Greyhound gewesen. Und damit 4 Minuten zu spät. So erwische ich den Bus grad noch.

Im Bus schlaf ich immer wieder ein. Dann schlag ich in Milwaukee ein, so richtig. Carrie, mein nächster Host via HC hatte mir nen Stay für zwei Tage angeboten. Gestern. Und bis jetzt noch nicht Ihre Adresse mitgeteilt. Greyhound Station Milwaukee hat Wlan. Geil. Rein ins Netz, telefonieren. Nicht daheim. Ich such n Hostel. Aber irgendwelchen blöden Suchmaschinenoptimierer haben Google so dichtgespamt, dass noch nicht mal ich dummer deutscher SEO ne Herberge finden kann.

Dann schreit ne Stimme „Frank from Germany!“. Ich pack’s ned. Carrie ist einfach hergekommen, holt mich in einer Limousine mit richtig lautem krachigen Rock ab, und kutschiert mich direkt zum Milwaukee Alehouse in die Stadt. Deutscher als Deutsch, aber größer und viel schöner. Alte Balken, Livebrauerei, Livemusik. Ich kann mich am Tresen nicht spontan genung für eine der hausgebrauten Spezialitäten entscheiden. Schwupps. Barkeeper gibt mir eine Bier-Degustation. Schwere Entscheidung. Rosenthal wär damals sicher nach jedem Glaserl in die Luft gesprungen: Sie sind der Meinung das war…

Auf der Rückseite geht’s zum Fluss raus. Mensch, die essen hier Salat. Ich pack’s ned! Und gut schaut er aus. Her damit! Einige Gäste fahren direkt mit dem Motorboot vor. Ayli, des wär Dein Biergarten! Schwanken tut’s am Wasser eh immer, dann darf man bestimmt auch n Bier mehr trinken… Wir ziehen noch in eine weitere Bar, aber mir klappen die Augen schon zu.

Auf dem Heimweg kommen wir an einem Kontrollpunkt vorbei. Wache Polizisten auf todmüden Pferden. Die sollen gleich die Massen kontrollieren. Welche denn, is doch alles leer? Carrie meint: die kommen gleich vom Milwaukee Summerfest am Meer. Hä? Nach Scooter-Party in New York, Pride Weekend in Toronto, Dauerfest an den Falls und Taste of Chicago komm ich endlich auf dem größten Dauerbelagerungszustand im Norden Amerikas an. Einschlag in Milwaukee. Mann, ich brauch dringend mal Pampa…

Am nächsten Morgen bin ich schon wieder kaputt. Carrie bittet mich, was zu kochen. Wir fahren zu einem Markt, wo es wirklich frisches Zeug gibt. Erscheint nach drei Wochen Abstinenz wie Schlaraffenland. Parmesan, Rucola, Schweinelende, Kapern, Gemüse…Ich mach ein falsches Vitello Tonnato (Danke, Raphael!), was sie ziemlich begeistert. Danach versuch ich mit dem Bus in die Stadt zu kommen. Unmöglich. Stoppen haut auch nicht hin. Carrie fährt mich.

Nach der gescheiterten Revolution von 1848 kamen viele Deutsche nach Milwaukee. Sehr viele. Backstein-Gotik, Renaissance, Fachwerk, Klassizismus: alles massig vorhanden. Die zweitgrößte Brauerei der USA, Miller ist auch deutschstämmig. Und das lokale Baseballteam heißt „Brewers“. Die Pabst-Brauerei ist ein verfallenes Schloss. Und die Innenstadt blitzeblank.

Das Milwaukee Summerfest dauert 14 Tage – mit netten Gastauftritten von Bon Jovi, Black Crowes, B.B.King, Tool u.v.m. Aber heute ist Rap. Ich flüchte schnell übers Hafengelände und bewundere einen 50kg-Kiter, der gekonnt mit einem 19er EH-Kite seine Sinusrunden in einer 50m-Pfütze zieht – bei 15km/h Wind und umgeben von großen Felsen. Aber mit geiler Beschallung vom angrenzenden Sommerfest.

Am Abend treff ich Carrie wieder im Alehouse. Ich werd’s leider nicht mehr schaffen, mich durchs gesamte Angebot zu trinken. Aber das geht in Ordnung. Ich hab jetzt keine Angst mehr, nur noch Spülwasser zu bekommen. Auf nach Norden!

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Ein Kommentar

  • bine schreibt am Dienstag, 3.7.2007 um 13:27 Uhr:

    hey frank,

    hörst dich gut an. das foto mit dem affen gefällt mir sehr. echt sehr stark und künstlerisch sehr inspirierend.

    wünsch dir weiter eine schöne zeit

    bine

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