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Downtown Chicago & No Kitesurf

Am nächsten Morgen geh ich gleich in die Stadt, hatte gar nicht mehr mitbekomme, wie David gestern heimkam. Mit dem L-Train in die Stadt ist deutlich lustiger als in New York. Über der Erde gibt’s einfach mehr zu sehen. Ich fahr einmal den Loop und geh dann durch den Merchandise Mart, eines der größten Kaufhäuser der Welt.

Ich lauf am Chicago River entlang, dann weiter zum Sears Tower. Gute Ausstellung über historische Hochhäuser. Dann geht’s nach oben, in einem Affenzahn. 110 Stockwerke in 60 Sekunden. Eines der höchsten Gebäude der Welt, der Ausblick ist wirklich zum ins-schwanken-kommen. Wieder zieht ein Gewitter auf, die Blitze schlagen in die Wolkenkratzern rundum ein.

Nach einer Stunde fahr ich wieder runter und begebe mich auf die Suche nach nem neuen Trolly. Nach sieben Geschäften hab ich so ziemlich alles gesehen zwischen 120 und 800 $. 120=letztes Glump, genau das gleiche wie mein 25€-Metro Trolly, nur halt drei mal so teuer. Und die für 800 schauen stabil aus, nur wollte ich etwas weniger als ein zehntel meiner Reisekasse für nen Koffer ausgeben. Ich zieh noch etwas durch die Stadt, schau mir noch ein paar Hochhäuser an und geh dann wieder heim. Arbeiten. David kommt erst nach zwölf, und wir quatschen noch gute 2 Stunden über Hitler und Nazis, über Regensburg, und lästern gehörig über Bush ab.

Am nächsten Morgen mach ich ne tolle Entdeckung. Ich will einfach nicht mehr meine 45kg durch Amerika schleppen. War gestern schon bei einigen Autovermietern. Alles Schweineteuer. Tagespreise: kleines Auto 30$. Und nochmal fast das gleiche für Versicherung. Für 2 Wochen wären’s ca 800$ – plus 100-500$ Oneway-Aufschlag. Aber: wenn ich beim gleichen Vermieter via Holidayautos.de buche, sind’s nur 380€, Oneway-Aufschlag 200$. Ich buche sofort ab Milwaukee bis in die Nähe vom Yellowstone National Park für 2 Wochen. Amerika, ab unter meine Reifen :-!

Am Nachmittag repariert mir ein netter Hausmeister meinen Trolly und schenkt mir nen Schraubenzieher. Hab mein Kite-Tool daheim vergessen. Ich lauf zum Montrose Beach, ca 2km von Davids Wohung entfernt. Und sehe erste Kites. Jubel! Der Wind bläst superlaminar Side-Onshore aus Richtung Nord mit 3-4 Beaufort. Perfekt. Auch wenn die Locals den Beach „Washing machine“ nennen – die Richtung der Wellen dreht von einer auf die nächste um 90 Grad.

Ich hab meine Kite-Lizenz zu einer Zeit gemacht, da gab’s noch gar keine IKO, folglich auch keine IKO-Kite-License. Aber ohne die gibt’s hier keine Starterlaubnis. Ich schrei in den Wind, und tu das, was ich immer mach wenn ich einfach nicht raus komm: nem anderen Kiter das Brett retten. Rauchen. Und geh irgendwann wieder heim.

Am Abend plane ich die Tour weiter. Einige Hospitalityclub.org-Mitglieder anschreiben. Danke schon mal, Eli! Best Tip ever… Ein Hausmeister repariert Davids Klo. Letzterer hatte deswegen eine mittelschwere Midlife Crisis – sind halt so, die Seifen-im-rechten-Winkel-zum-Spiegel-Positionierer… Gegen 10 kommt David heim, und wir schauen ins alte Chicago-Uptown Vergnügungsviertel. Alte Theater aus den Zwanzigern, geilste Jugendstil-Klötze. Früher war das alles mal Drogenviertel und definitiv nicht Nachtkompatibel, sagt David. Jetzt brechen die Yuppies ein. Aber eines ist geblieben:

The Green Mill (fixdreck, ich hatte keine Cam dabei) war in den Zwanzigern ein Speak-Easy-Schuppen. Al Capone verkehrte hier regelmäßig. Die Einrichtung ist – von Al Capones geschnitztem Konterfei abgesehen – 120 Jahre alt. Der Eintritt kostet 6$, und selbst wenn ich für 10 Leute gezahlt hätte, wären’s immernoch die besten Dollars meines Lebens gewesen. Spaßige Preise, von einem 5$ Jägermeister abgesehen. Aber für den musste der Barkeeper wenigstens den alten Al-Capone-Fluchttunnel öffnen. Den Archäologie-Aufschlag war’s mir wert.

Rote Lichter, dunkles Holz. Rauchen erlaubt. Endlich kommt alles was ungesund ist und Spaß macht mal zusammen in den USA. Ich darf sogar Chips von der „I like big butts and I can not lie“-Bumskaschemme nebenan mit rein nehmen. Wir trinken ein paar Bier. Ein Suffkopp haut mich an: „Wie sage ich meiner Freundin, dass sie übergewichtig ist?“ Er trinkt gerade seinen ersten Martini. Von den anderen 20 Sorten Hochprozentika hatte er anscheinend schon jeweils zwei. Mein „First be true to yourself“ hat er sicher noch vor dem ersten Kotzen vergessen.

Gegen Elf fängt die Bigband an zu spielen. Ich hab mich Jahrelang sackrisch darüber geärgert, dass irgendwelche Pissnelken in der 11.Klasse mit Falschaussagen dafür sorgten, dass ich aus meinem innigst geliebten BigBand-Schulchor exmatrikuliert wurde. Heute freu ich mich darüber. Keine Pissnelke wird je so glücklich werden wie ich heute. Ich schmelze dahin zu Gershwin, Billie Holliday und Route 66. Geniale Sänger/innen, ständig wechselnd. Dazwischen mischen sie selber die Tanzfläche gekonnt auf, und die lebt eh schon recht heftig.

Gegen zwei schwank ich über den Broadway de Chicago heim. Auf halber Strecke stellt sich mir sogar ein Times Square in den Weg. Viel schöner als der New Yorker kick ich ihn trotzdem in den Rinnstein. Ich will einfach ins Bett.



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1 Kommentar zu “ Downtown Chicago & No Kitesurf ”

http://www.apple.com/iphone/

Du Glücklicher der Du im gesegneten Land der heutigen iPhone-Erscheinung weilst! Erhöre mich und begib Dich ab 6 p.m. zum nächsten Store wo Du das Wunder schauen kannst. Berichte bitte sogleich ob du es für gut befindest und ob die Gier nach Selbigem berechtigt ist…
Sieht fast aus wie ne Mini-Schlampenschleuder, die gut zu den beiden anderen passen würde *bg* ultimativer Schlaschleu-Spot hier: http://www.youtube.com/watch?v=oc4oP_ITqMc

Neben 1000 Widgets hat das iPhone-Ding hoffentlich auch ne Öse für den fetten standesgemäßen Handyanhänger. Meiner ist länger!

Kommentar von Melly am 28.6.2007

Du hast was zu sagen? Dann schreib!