Death Valley & Las Vegas

1108
2007
Sa
21:01
Tag
64
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Obwohl ich meinen Wecker noch vor Acht lange klingeln lass, wacht leider keiner wirklich auf. Hätte ich den Deppen gegönnt. Ich pack mein Zeug langsam und laut zusammen, knall die Tür zu und fahr rüber ins Sin City Hostel direkt am Strip. Besser das, billiger, kleiner, kein Pool und kein laut dröhnender mistiger Fick-Mich-Hiphop bis nach Mitternacht.

Leaving Las Vegas. Über den lost Highway Richtung Reno fahr ich nach Nordwest, zum Hintereingang des Death Valley. Am Weg liegen Gefängnisse, Luftwaffenstützpunkte, ein waschechter Wüstenpuff, Area 51, und ich glaub auch Ground Zero der ersten Atombombe. Sandhosen peitschen durch die Wüste.

Scottys Castle am Nordende vom Death Valley ist süß. Der Bewohner tönte in den 20ern, er hätte eine Goldader gefunden. Das war vermutlich zu dieser Zeit die einzig mögliche legale Umschreibung für einen schwulen Mäzen.

Runter ins Death Valley steigt die Temperatur immer weiter auf bis zu 47 Grad. Wegen der Trockenheit wirkt’s gar nicht so heiß. Die Berge strahlen in schwarz, rot, gold und allen brauntönen. Fast wie Ostdeutschland. Ich sehe einige Cabrios. Alle geschlossen. Wenn man mal die Möglichkeit hat, solche Hitze zu überleben, sollte man sie auch nutzen. Ich fahr den größten Teil des Valleys von eins bis drei offen. Danach fühle ich mich wie ein Schweinebraten.

Im Death Valley ist nur in der Mitte wirklich was los, nördlich und südlich sieht man auf 40 Meilen oft keine einziges Auto. Ich denke schon, die Amis hätten mal wieder einen knüllerhaften Golfplatz als Siegeszeichen über die Natur angelegt. Aber im Great Basin 100m unter dem Meeresspiegel ist „Devil’s Golf Course“ zum Glück nur der Name für eine Salzwüste. [Nachtrag] gerade erfahren: die Amis haben da einen Golfplatz angelegt.

Auf dem Rückweg Richtung Interstate 15 will die erste Tanke stolze 3,80$ für die Gallone. Rettung für Autos knapp vor dem Verdursten. Nur 70 Meilen weiter in Las Vegas sinds 2,60$. Ich fahr über den Strip…also stehe mehr im Stau. Hier gibt’s wenigstens was zu sehen: Disneyworld. Das Sin City Hostel ist kleiner, nette Leute. Ich geh mit einigen Jungens was essen, biete dem Betreiber meine Dienste als Webdesigner an, qualme mit ein paar Mädels um die Wette. Nach einer kurzen Stunde dringend nötigem Schlaf beginnt das Nachtleben.

Für je 20$ fahren 20 Leute aus der Herberge mit einer Hummer-Limo über den Strip. Es gibt Champagner aus Plastikbechern, „All you could drink“. Aus der Soundanlage dröhnt übler Gangsterrap, die Klimaanlage ist tot. Nach 10 Minuten sieht mein Shirt aus wie das „Crazy“-Video von Knarles Barkley. 45 Minuten später landen wir im New York-Casino. Eintritt in die Coyote-Ugly Bar ist inclusive.

Die Drinks sind teuer, und wir haben alle einige. Alle glotzen und schreien. Auto-Amüsement ist den Menschen hier anscheinend zu anstrengend. Auf der Bühne heizen Coyotinnen an, dann klettern auch Mädels aus dem Publikum zu Demonstrationszwecken rauf. Das Prinzip lautet: erst Hinternwackeln, dann runterkommen, sich befummeln lassen und Gratisdrinks abstauben. Ich kann mir nicht helfen, wirkt auf mich irgendwie wie eine Exekution in der Französischen Revolution. Nur freiwillig halt.

Das einzige Klo liegt strategisch geschickt platziert hinter 300m Glücksspielen. Ich spiele einmal Roulette. Setze 25$ auf Schwarz. Verliere. Dumme Idee, auf Schwarz zu setzen, nur weil grade rot dran war. Gegen drei ziehen wir heim. Die Jungens fahren, ich will laufen. Nach vier km über den Strip bin ich wieder platschnass. Hinter dem einzig dunklen Busch latsch ich einem Obdachlosen auf die Hand. Schreit zum Glück noch bevor ich mich erleichtern kann. Heim mit dem Bus. 4:30 in Sodom und Gonorrhöe.

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