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Chicago: Gangster & Architektur

Am Morgen wach ich mit nem Mörderschädel auf. Weil der Wecker noch auf Eastern Zeit gestellt ist auch noch ne Stunde zu früh nach 4h Schlaf. Trotzdem gut. Hätte es sonst nicht bis zum Beginn von www.gangstertour.com geschafft. Mafia-Geschichten, verkleidete Busfahrer, Platzpatronen, Dixie, Swing, Blues und Ennio Morricone in einem alten Bus. Auf der Tour durch Chicago gibt’s leider nicht viel zu sehen. Fast alle alten Häuser der Mafia-Massaker in den Zwanzigern wurden abgerissen. Die Erzähler geben ihr bestes, schildern blutigst genau, wie das Massaker am Valentinstag ablief. Aber für 25$ hab ich mehr erwartet.

Zur Rettung meiner Seele begeb ich mich zum legendären Rock’n’Roll MacDonalds an der Ohio Street. Mein erster Burger in einem Barcelona-Sessel von Mies van der Rohe. Sehr passend. Mies. Wenns einem schlecht geht, is nach Mac Würg alles gut. Und andersrum. Ich zieh nochmal durch die Stadt, Wolkenkratzer glotzen. Heute beginnt das „Taste of Chicago“-Fress-tival. Sollte jede Menge regionale Feinheiten umsonst geben. Ein Gefühl wie vor dem Bräutigamschen Kühlschrank. War dann aber gar nicht so. Nur überregionaler Einheitsschrott, und der auch noch schweineteuer. Ich drifte ab in den Millennium Park und schau mir die große Bohne an.

Die Chicago Architectural Foundation bietet bestimmt 50 verschiedene Touren an. Ich entscheide mich für klassische Hochhäuser von 1880-1928. Hab ich noch ne Wissenslücke. Sehr interessant und ausführlich. Viel Art Deco ud Klassizismus. Raubarchitektur am Tribune-Tower. Gebaut in den Zwanziger Jahren wurden in die gotische Fassade Steine von allen berühmten Bauwerken der Welt eingegossen. Nervig waren nur zwei Sachen an der Tour. Erstens hatte ich mich nach 5 km laufen auf ne Bustour gefreut. Ging aber zu Fuß 2h mit Vollgas durch die Stadt. Das zweite machte mich richtig stinksauer.

Nur weil Bush sich weltweit wie Terror-Rambo aufführt und deswegen – zugegebenermaßen zurecht – Angst hat, dass ihm jemand nen Böller in den Hintern schiebt, darf ich von den geilsten Art-Deco-Lobbys keinerlei Bilder machen. Kaum zückt man den Foto, stürzen sich zwei bis fünf schwerbewaffnete Security-Leute auf dich. Schreien dich an, dass Fotografieren verboten ist. Kontrollieren penibel, dass du auch ja alle Bilder löschst. Ich hab nix getan und bin trotzdem schuld. Versteh langsam so manchen potentiellen Terroristen.

Aus Rache kauf ich mir nach der Tour ein Shirt, mit Konterfei Bush Sen. und Bush Jun. Unterschrift: Dumb and Dumber. Es kostet ungefähr soviel, wie Bushs Hirn meiner Meinung nach wert ist: 8,95 $. Am Abend besorg ich mir noch schnell das Greyhound-Ticket nach Milwaukee. Schlafe im L-Train ein und teste einen Ami-Aldi an. War mir neu. Konzept wie in Deutschland, aber ganz anderes Zeugs. Und das Joghurt mögen Amis anscheinend prinzipiell nur mit Farbstoff. Wieder zuhause hab ich bestimmt 20km in den Haxen. Ich wünsch mir son Ding, was jeder fünfzigste Ami zu haben scheint: nen motorisierten Rollstuhl.



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4 Kommentare zu “ Chicago: Gangster & Architektur ”

Hallo,
wenn Du tatsächlich nach Grand Forks fährst, unbedingt Ursula und Terry anrufen. Die wohnen in Thompson, ND. Und durch die badlands fahren-ist schöner als Grand Canyon! Aber die in North Dakota und nicht in South Dakota! Kann man dir eigentlich auch anonym schreiben oder muss das immer die ganze Welt lesen- also nicht das es Aufregendes aus meinem Leben zu berichten gäbe, aber halt nur mal so!

Kommentar von Kind am 30.6.2007

Wer blindem Hass, Intoleranz und Vorurteilen
mit blindem Hass, Intoleranz und Vorurteilen entgegnet
ist nicht besser.

Kommentar von Melly am 30.6.2007

Tach Kind,

klar kann man mir anonym schreiben, einfach wie gehabt per mail. Schieb mir mal bitte die Nummer von den beiden rüber, ich hab in Grand Forks noch keinen Stay.

Und Melly: ich bin kurzsichtig, nicht blind. Und manchmal darf ich meine Augen schliessen…

Kommentar von ff-webdesigner am 30.6.2007

hi frank!
mal wieder kurz auf deinen seiten gestöbert und ein wenig geschmökert… du solltest ein buch schreiben! *fg* ich glaub ich würds kaufen… würde aber natürlich davon ausgehen, dass dus mir schenken würdest – handsigniert!

übrigens: meine arbeit hier ist etwas langweilig, aber was solls, krieg ja auch fast kein geld dafür und muss mir auch nicht den arsch aufreissen!

viele grüsse aus stuttgart!
bis bald, tanja

Kommentar von Tanja am 1.7.2007

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