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Webdesign im Mekong-Delta

Um sechs Uhr aufstehen, um sieben Uhr Abfahrt. Drei Stunden mit dem Bus an den Mekong. Laufen, bootfahren, laufen, essen, laufen, bootfahren, laufen, Bus, laufen, Fähre, laufen, drei Stunden Bus. Ich schlafe immer wieder ein. Die Stunden ziehen an mir wie an einem Zombi auf Tranquilizer vorbei. Die Sonne scheint und Wasserlilien treiben in den braunen Fluten des Mekong.

Die Reisegruppe ist ganz nett, bunt gemischt, jung und alt und von überall her. Keiner Terror-Touris, sondern Menschen mit interessanten Geschichten und Fragen. Aber ich bin zu müde. Schalte den MP3-Player ein und schlafe weiter. Abends etwas Arbeit, aber ich kann mich nicht konzentrieren. Zum ersten Mal seit drei Tagen mehr als 6 Stunden Schlaf.

Der nächste Tag beginnt besser. Das heißt, ich renne nicht mit zusammengekniffenen Augen gegen den ersten Türstock. Heute heb ich mir das auf bis zum Bootsdach. Die Kanthölzer haben wenigsten richtige Kanten. Es geht wieder über den Mekong zu einer muslimischen Cham-Siedlung. Ich bin müde, einmal nicht wegen fehlendem Schlaf. Es dreht sich alles im Kreis, ständige Wiederholungen.

Danach geht es wieder auf den Mekong. Ich mach ein bisschen Webdesign auf dem Sonnendeck. Wasserbüffel grasen am Ufer. Lastenkähne tuckern uns entgegen. Die Menschen sind bitterarm hier. Die Hütten am Ufer stehen auf Pfählen, die Wände sind aus Palmblättern.

Ich bin kein Teletubbi. Deswegen hab ich eine Abneigung gegen Winke-Winke-Terrourismus. Heute nicht. Alle Kinder am Ufer winken uns zu. Alle. Und ich zurück. Abschied aus Vietnam. Sie machen Sturzelbäume ins Wasser und lachen dazu. Muss man arm sein, um so lachen zu können?

Nach zwei Stunden erreichen wir die Grenze zu Kambodscha. Der Übergang ist so niedlich klein, dass man ihn fast aufmunternd tätscheln will. Ein Feldweg. Eine Schranke. Kambodschaner und Vietnamesen fahren unkontrolliert auf Rädern durch. Das unkontrollierte Einfallen ins Nachbarland hat eine lange Tradition in beiden Ländern. Heute endlich friedlich.

Noch drei weitere Stunden auf dem Mekong Richtung Phnom Penh. Ein überfüllter Minibus, TukTuk und endlich mal wieder ruhen. Es ist schon dunkel. Auf dem Zimmer hängt ein UNICEF-Flyer gegen Kinderprostitution. Als ich zum Essen gehe watschelt vor mir ein hässlicher Westler mit einer Kambodschanerin die Treppe runter. Ich glaube nicht, dass sie schon 18 war. Wenn Packung zur Verpackung wird.



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