Thai-Boxen im Rotlichtviertel

0204
2008
Mi
1:11
Tag
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Ich verschlafe den Nachmittag. Danach bin ich wieder hungrig. Auf der Silom Road sind viele Tourihotels. Essen ist teurer, aber immer noch billig. Es gibt nicht nur 1000 verschiedene Thai-Gerichte. Es gibt alles. Weltweit. Ich geh in ein Libanesisches Restaurant. Vier riesen Gänge, unendlich lecker plus Getränke für acht Euro. Was kostet der Himmel?

Rotlicht ist gleich ums Eck, wird abgehakt unter „wie erwartet“. Schöne gelbe Frauen, hässliche weiße Männer. Weiter zum Lumpini Stadium. Dienstag Nacht ist Thai-Boxen. Die Preise sind happig, seit letztem Jahr verdoppelt. Ich komme zur Halbzeit an, sehe noch drei Kämpfe. Hart aber fair. Das interessanteste: Die Buchmacher mit ihrer hektischen Zeichensprache. Schwarzer Dienstag in Bangkok.

Den letzten Kampf bestreiten Kinder. Kinder sind grausam. Keine Meisterschaft, aber deutlich gemeiner und härter. Geht noch mehr? Ja. Zurück gen Rotlicht. Ein Gogo-Club wirbt mit Thaiboxen. Ich erwarte einen Schaukampf. Was ich zu sehen bekomme ist der blutigste, verbissenste und gemeinste Kampf von Straßenkötern und Dreschflegeln, den ich jemals sah.

Vor kurzem hab ich ein Buch über einen Vietnam-Veteranan gelesen. Ein Vietnamese beschreibt sein Volk darin als „keine Zeit zum denken, zu beschäftigt mit dem Kampf ums überleben.“. Das trifft auch voll auf die beiden Thais im Pink Panther zu. Ich sitze direkt am Ring und verscheuche die moskitoartiken Animiermädels-Schwärme. Trink ein Bier, rauch eine Zigarette.

Auf einmal spritzt mir der Schweiß eines Kämpfers ins Gesicht. Volltreffer, zu Boden und sofort wieder auf. Jetzt ist er sauer. Ein fliegendes Knie, voll in die Rippen. Der Gegner verzuckt keine Miene. Ich schon. Die Massen johlen und applaudieren. Ich sag nur ständig „Uhh…“ und „Aua…“.

Einer hängt in den Seilen, der Straßenköter prügelt auf seinen Hinterschädel. Fällt über die Seile aus dem Ring. Der Ringrichter geht dazwischen und fängt sich auch eine ein. Fliegende Knie, Fußtritte an die Köpfe. Unglaublich, was die beiden Burschen für vielleicht mal 50 Euro einstecken. Jeder geht mehrfach zu Boden, die Wut glüht in ihre Gesichtern. Keiner achtet auf Regeln. Ein unendlich gemeiner, blutiger und dreckiger Kampf.

Am Ende des Kampfes leben beide zum Glück noch. Schwupps ist der Ring weg und Gogos an den Stangen. Sie haben mini Miniröcke und Bikinis, weiß mit dem rotem Kreuz drauf. Tanzende Sanker, ziemlich gemein nach diesem Kampf. Gute Nacht. Ich steck den beiden Boxern was zu und frag mich im gleichen Moment ob ich sie damit noch gemeiner mache. Heim nach Mitternacht mit dem TukTuk. Todmüde, aber schlafen is nich.

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