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Roadkill Vietnam

Noch am ersten Tag hab ich mir anscheinend ein Loch in den Reifen gefahren. Morgens wird geflickt, dann geht es mit Minimalgepäck los Richtung Berge. Die ersten 80km sind öde, aber dann beginnen die Berge. Zwecks fehlender Schilder verfahren wir uns und landen auf einer ganz kleinen Straße nach Da Lat. Ich weiß nicht, ob die Straße Schlaglöcher hat oder die Schlaglöcher Straße. Oft geht’s mit gerade mal 20 km/h vorwärts.

Der erste Pass geht schön hoch rauf. Nach einer halben Stunde heizen sind wir in den Wolken. Es wird erstmals kalt in Vietnam, meine Kleidung ist zu dünn. Wolkenfetzen krallen sich in steile Regenwald-Hänge. Rote Erde brennt unter schwarzen Wolken, Jörgs Auspuff vor meinem neuen feschen Geschichtsleiberl.

Das Fahren mit dem Motorrad in Vietnam ist noch schlimmer als die eh schon recht schlimmen Beschreibungen in allen Führern. Es gibt keine Regeln, überhaupt keine. Jeder von uns beiden hatte heute bestimmt 50 Mal Gelegenheit zu sterben.

Niemand schaut, wenn er auf die Straße einbiegt. Niemand. Manchmal kommt dir was auf deiner Seite entgegen. Freie Auswahl aus Lokalverkehr-Moppeds oder richtig dicken überholenden Lastern. Wenn sie nett sind, machen sie durch Hupen auf sich auf aufmerksam. Ausweichen tut keiner, sie lassen dir nur zwei Optionen: Grab oder Graben.

Vier höchstens neun Jahre alte Kinder überholen mich mit Tempo 90 zu viert auf ihrem Mopped. Sie übersehen einen entgegenkommenden Bus, weichen in letzter Sekunde aus. Angeblich wird der deutsche Führerschein in Vietnam nicht anerkannt. Versteh ich. Ist dem Vietcong nun mal suspekt, wenn man überhaupt einen vorweisen kann.

Es ist unglaublich laut auf den Straßen Vietnams. Fehlende Auspuffe, laute Motoren und ständiges Gehupe. Einmal hupt ein Bus neben mir. Hat zwei Effekte: Erstens reißen mich die 110dB beinahe vom Mopped. Zweitens klingeln meine Ohren fast eine Stunde nach.

Ein massiges Gewitter zieht auf, Blitze schlagen ein, der Donner hallt von den Berghängen wider. Dann fängt’s an zu schütten, ich hab meinem Laptop im Rucksack. Zum Glück sind wir fast in Da Lat. Nach vier Stunden Fahrtzeit für 170km bin ich fix und alle. Direkt nach dem Ortsschild deuten ein paar Vietnamesen auf meinen Reifen. Der zweite Platte binnen 24h. Flicken lassen, Hotel suchen, Futtern, arbeiten und ab ins Bett.

Ich rate jedem vom Biken in Vietnam ab. Zu gefährlich und fordernd. Ich konnte nach insgesamt über 70.000km auf dem Motorrad in aller Herren Länder heute kaum eine Minute mal entspannt genießen.

It’s Roadkill Vietnam, baby! Enjoy.



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