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Nationalpark Bach Ma

Meine Wirtin organisiert mir am Morgen ein Xe Om in den 40km entfernten Nationalpark Bach Ma. Die Französischen Feudalherren bauten hier ab 1932 binnen 10 Jahren knapp 150 Villen als Sommerfrische in die Berge. Gerade mal 20km vom Meer entfernt steigen die Gipfel auf bis zu 1500m an. Steile Berge, grüner Regenwald, gehüllt in hohe Wolken.

Der Eintritt ist fast umsonst. Aber ich hab Probleme, zum Gipfel zu kommen. Es gibt zwei Optionen: 16km durch tropische Regenwälder in der Mittagshitze laufen, oder den Nationalpark-Minibus bemühen. 20 Euro für 9 Personen. Doch Bach Ma ist recht unbekannt, dazu ist Nebensaison: Ich bin offiziell bestätigt der einzige Gast auf 22.000 Hektar Nationalpark.

Ich sitz eine Weile neben dem Eingang und versuche eines der zwei vorbeifahrenden Motorbikes zu stoppen. Geht nicht. Ich muss laufen. Nach einem Kilometer kommt der gleiche Fahrer nochmal vorbei und bietet mir einen Gipfelritt für vier Euro an. Ich spring sofort auf. Er erklärt mir, dass nur die Nationalparkbusse Besucher transportieren dürfen. Deswegen hielt er unten nicht an.

Die Auffahrt ist spektakulär. Eine schmale 75 Jahre alte Teerstraße krallt sich in die steilen Hänge. Manchmal hat sie den Halt verloren und ist zur Hälfte verschwunden. Alle hundert Meter überquert sie Wasserfälle. Wir fahren durch riesen Schwärme von Schmetterlingen in allen Farben. Auf ca. 1000m Höhe und 6km vor dem Ziel verratzt das Motorbike zwecks fehlender Luft, der Steilheit des Weges und unserem Gewicht.

Nicht schlimm, den Rest lauf ich. Erst jetzt merke ich, wie laut ganz Vietnam bisher war. Man hört immer irgendwas, und manchmal bläst einem eine Bushupe das Trommelfell bis hinters Kleinhirn. Hier oben hör ich nichts. Nichts, das sind Vögel, Bienen, Zikaden und Wasser. Alte französische Kolonialvillen verrotten im Regenwald. Ich atme durch.

Die Höhe ist in Verbindung mit 70% Luftfeuchte recht happig. Nach einer Stunde komme ich platschnass an der ersten Villa an. Niemand da, alles dicht. Ich laufe weiter. Eine Stunde später bin ich fast am Gipfel. Verfallene Kolonialvillen und ein Hotel. Die Zimmer sind gemein teuer, der Wirt schickt mich wieder weiter runter.

Vorher wandere ich noch eine Stunde auf den Gipfel von Bach Ma. Ein US-Hubschrauberposten führte zu heftigen Kämpfen in der ganzen Region. Es liegen immer noch viele Blindgänger umher, an einigen Hängen schreit die nicht vorhandene Vegetation „Agent Orange is bäh!“.

Leider hängt alles in Wolken. An allen Aussichtspunkten hab ich kompletten Whiteout. Auf einer alten Rundwanderstrecke geh ich durch den Regenwald 3km zurück zum Nationalpark Guesthouse.

Man sagt, die Franzosen hätten das alles angelegt. Sieht eher aus wie ein Sklavenpfad, gebaut von Vietnamesen für reiche verweichlichte Kolonialherren. In der Mitte des alten Pfades haben neue Bäume Wurzeln geschlagen, und in den Wäldern drumherum gibt es wieder Bären, Wildschweine und Tiger.

Mein Guesthouse ist errichtet auf den Trümmern der Sommerresidenz von Bao Dai. Dort angelangt ruh ich mich kurz aus und mach mich dann ohne schweren Rucksack auf den Weg zu den Five Lakes, 5 kaskadierende Wasserfälle in einem engen steilen Tal. Unten angelangt bin ich kaputt und glücklich, wieder oben fix und alle. Beim Duschen entdecke ich einen satten Blutegel an meinem Bein. Ich reiß ihn ab. Die Wunde blutet ewig. Genug Spaß für heute.



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