Nachtzug nach Nirgendwo

1205
2008
Mo
23:58
Tag
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Im Regen fahren wir mit dem Taxi zum 30km entfernten Bahnhof von Phan Thiet. Jörg hat sein Ticket extra gekauft, wir haben unterschiedliche Abteile. Die Fahrt geht vorbei durch endlose Reisfelder. Die letzte Nacht war kurz, wir waren ordentlich aus. Ich schlafe schnell ein. Aber nicht lange.

In meinem Sechserabteil sind satte 9 Personen. Eine ist ein Baby in einer Schaukel in der Mitte. Es schreit fast die ganze Nacht. Das ist nicht so toll, richtig geil ist aber erst die junge überforderte Mutter. Stänkert das Baby immer wieder laut an. Der apathische junge Gecken-Vater spielt im Eck auf seinem Sony Handy die vietnamesische Hitparade rauf und runter. I can’t get no sleep.

Am Morgen schau ich immer noch aus dem Fenster in den Regen. Reisfelder, Bombenkrater, Reisfelder. An keinem Bahnhof steht ein Schild. Keiner spricht Englisch – bis auf den Schaffner: drei Worte. Ich frage alle halbe Stunde: „Hue?“. Um neun Uhr sagen sie mir, ich sollte aussteigen. Dann soll ich doch wieder weiterfahren. Nächste Station. Hier raus? Nein, aber ich werde in einen anderen Wagon versetzt.

Noch ein paarmal das gleiche Spiel: Raus? Ja! Dann wieder: Nein. Dann endlich um elf Uhr: hier raus. Jörg steigt nicht aus. Nicht gut. Niemand spricht englisch, wirklich überhaupt niemand, kein Wort. Mit Finger und Karte zeigt man mir wo ich bin: 150km zu weit im Norden, ein kleines Kaff namens Dong Hoi.

Ich hab seit fast 24 Stunden nur Kekse gefuttert. Bin nass, hungrig, müde und zum ersten mal so richtig stinksauer. Der Schaffner wollte mich definitiv verarschen. Nach einer Stunde geht ein Zug zurück nach Hue. Für die 150km braucht er nur sechs Stunden.

Ich komme im Dunkeln an. Moto-Taxi durch Hue. In der ersten Bar checke ich Email. Jörg hatte meine noch gar nicht, ich seine genausowenig. Aber ich bin in der Google Top10 für „Webdesigner“. Zahlt sich heute mal anders aus. Jörg hat mich gefunden und gemailt. Ist gleich ums Eck. Zum Hotel, duschen, nochmal in die wirklich geile DMZ-Bar. Essen, arbeiten, ab ins Bett. 28 Stunden auf Achse und ich fühl mich als hätt ich ein Rad ab. The more things change the more they stay the same.

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