Mopped zum Mekong

0504
2008
Sa
18:45
Tag
302
2768 views

Irgendwie gerate ich immer vor langen Touren in lange Nächte. Früh abends steht ich vor der Zimmertür und will schlafen gehen. Dann hör in der Bar 20m weiter Thais Reggae spielen. Gut, ein Bier. Die Band schaut aus wie die Gorillaz gekreuzt mit japanischen Anime-Figuren. Schräg, sehr schräg. Eine Tirolerin auf Dauerurlaub kommt an meinen Tisch, dann vier Amerikanerinnen. Schwupps. Zwei Uhr.

Der Schädel vom hausabgefüllten Rum der gestrigen Nacht ist auch noch um neun Uhr gigantisch. Sechs Uhr war geplant. Nach einem Notfrühstück geh ich zum Mopped-Verleiher ums Eck. Der macht noch einen Ölwechsel, für den ich dankbar bin. Dann geht’s los, mit dem Mopped zum Mekong. Chiang Mai kennt nur einen Fahrstil: Kamikaze. Kein Problem mit dem Hangover.

Kilometer 50. Ein Vogel begeht bei Tempo 90 erfolgreich Selbstmord an meinem Hals. Mich schmeißt’s dabei fast. Bei Kilometer 150 erspähe ich eine Straußenfarm. Angesicht zu Angesicht mit einigen großen Hennen verspeise ich ihren Gockel. Schmeckt bäh. Nicht wegen den Blicken. Ist glaub ich die Musik. Der Besitzer denkt, Thai-Country und bayerische Gejodel in Dauerbeschallung würde die Fleischqualität seines Federviehs verbessern. Irren ist menschlich und der Mensch ist grausam.

Weiter nach Nordost. Die Schilder sind jetzt alle nur noch auf Thai. Wenn ich den Weg verliere, frage ich mit Händen und Füssen. Keiner spricht englisch. Aber die Thais brauchen teils schon mal 10 Minuten um zu begreifen, dass dort wo ich auf der Karte hindeute „hier“ ist. Ich fahre planlos weiter und komme doch irgendwie immer voran.

Im Goldenen Dreieck gibt es einen lustigen Brauch. Kinder bespritzen vorbeifahrende Autos mit Wasser. An der dritten Straßensperre bekomme ich auch eine satte Ladung ab. Ein Eimer Wasser bei 80km/h bringt einen ganz nett aus dem Gleichgewicht. Ich fange das Mopped ab, fahre weiter, freu mich über die Kühlung und dass ich die Kamera auf der anderen Seite hatte. Schau einmal kurz nicht auf. Hab den nächsten Eimer Wasser im Gesicht.

Die Landschaft ist öde. Keine Berge wie erhofft. Reisfelder und ein paar einzelne Hügel. Mit Hill Tribes wird’s heute sicher nix. Es ist diesig, den ganzen Tag. Erst am Nachmittag merke ich: Das ist alles Rauch. Die Thais verbrennen hier alles: Gras, Wald, Müll. Alle hundert Meter ein Feuer. Es regnet Asche, den ganzen Tag. Die Sicht ist maximal 15km. Schlimmer als in Bangkok.

Auch mit der Einsamkeit is nix hier oben. Bis kurz vor dem Mekong geht ein Dorf fast nahtlos ins nächste über, sogar auf den kleinsten Nebenstraßen. Ich mache auf 200km gerade mal drei Bilder. Das reicht. Öde. Die Grenze zu Laos in Chiang Kong. Vom Mekong sieht man vor lauter Rauch fast nix.

Dann endlich nach 6h Fahrt über Schotterpisten, Baustellen und Straßen mit mehr Schlaglöchern als Teer: Der Mekong, im Abendlicht. Golden. An der Uferpromenade in Chiang Saen reihen sich Verkaufsstände, Thai-Massage und kleine Restaurants aneinander. Ich seh einen einzigen Weißen, der Rest ist gold. Ein kurzes Abendessen. Die Sonne geht blutrot hinter alten Tempeln unter. Ich fall todmüde früh ins Bett.

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Ein Kommentar

  • bine schreibt am Dienstag, 8.4.2008 um 17:26 Uhr:

    wo, wo, wo sind sie die baby elefanten. wo nur ? wo?

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