Einfach müde

2905
2008
Do
21:32
Tag
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Ich fahre nochmal einen Tag Motorrad. Die Franzosen haben in der Kolonialzeit ähnlich Bach Ma in Vietnam in der Nähe eine Sommerfrische im Küstengebirge erschaffen. Die Offroad-Piste in die Berge nach Bokor soll eine der schönsten Straßen Kambodschas sein. Ich fahre über 100km, um dorthin zu kommen. Ein Schild steht neben der Schranke: Piste für Motorräder gesperrt. Nicht für Autos. Die Wächter sind unbestechlich.

Auf dem Rückweg komme ich in einen tropischen Regenguss. Keine Jacke kann das abhalten. Ich schaue mir nochmal das schräge Nachtleben an, und wie sich jegliche Menschlichkeit unscheinbar auflöst. Einer gibt seinem Freund Geld, damit ihm seine „Nutte“ selbiges nach dem Blasen nicht klaut. Ich geh ins Bett und wimmle kurz darauf höflich die klopfende ab.

Wieder nach Phnom Penh. Ich seh fast nix von der Stadt, dafür muss ich ca. 40 Mails abarbeiten. Zum ersten Mal seit einem Jahr Webdesigner auf Weltreise hab ich das Gefühl, unmöglich beides vereinen zu können. Chronisch übermüdet schlafe ich in der Nacht wieder mal gerade vier Stunden. Noch vor Morgengrauen wache ich mit starkem Sodbrennen auf. Eindeutig zuviel Stress.

Beim anziehen heb ich meine Hand etwas zu hoch. Sie stoppt den schweren stählernen Deckenventilator sehr effektiv. Die Finger sind noch dran, auch wenn’s sich nicht so anfühlt. Zum Glück waren die Blätter stumpf, es gibt keine Schnitte, dafür einen dreifachen Aufriss. Wieder was zum abhaken auf der Liste.

Mit einem echten Bumsbomber-Bus geht es weiter sechs Stunden nach Ankor Wat. Das draußen: bittere Armut. Es gibt kaum Fleisch hier. Die Kambodschaner essen Spinnen, Heuschrecken und anderes sechsbeinige Getier. An Haltestellen im Matsch kommen blinde Bettler, einbeinige und Kinder. Grausam aber war: Es war ein Fehler, einem Kind etwas zu essen zu geben. Ich ersticke fast in der darauf folgenden Massenattacke.

Im TV läuft ein C-Klasse Hongkong Poker-Eastern von 1995. Perfekt asynchronisiert mit blechernem Kambodschanisch. Tschakka. Bumm. Peng. Voll aufgedreht. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich gönne mir mal den Luxus, einfach nur maßlos genervt zu sein.

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Ein Kommentar

  • Tom schreibt am Samstag, 31.5.2008 um 13:09 Uhr:

    Servus Frank,
    das mit dem Ventilator kenn ich aus Mexiko!
    Mich hat es aber damals beim Ausziehen erwischt.
    Da kann ich voll mitfühlen…..
    Gruß, Tom

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