Drachenbändiger und Windtiere

0805
2008
Do
19:44
Tag
335
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Die Tage verlaufen in festem Rhythmus. Spät Vormittag aufstehen, 20m zum Strand und Nase in den Wind halten. Frühstück und nachbarliches WiFi hijacken. Zwei Stunden Arbeit, Nase nochmal in den Wind halten. Kite aufbauen, fachsimpeln und ab aufs Wasser. Heute hat der Wind erstmals so richtig schön gebretzelt. Und Windfinder meint, dass es noch mehr wird.

Mein Kite war immer etwas unterpowert. Heute passt alles ab zwei Uhr. Ich häng gemütlich im Trapez, muss nix groß ziehen, lass mich einfach treiben. Die Wellen sind draußen ob dem Wind bis zu 1,5m hoch. Dazu ist’s recht böig, mit der Berg-und-Tal-Bahn draußen am Meer hab ich so meine Probleme. Alleine beim cruisen gibt’s viel zu lernen.

Nach knapp einer Stunde geh ich an Land und tanke Zucker. Dann gleich wieder raus. Irgendwie überseh ich im Luv Jörg, der gerade jubelnd seinen ersten Downwinder steht. Unsere Kites kollidieren, ich hänge brav eine seiner Leinen hinter mich und eine vorn in meinen Trapezhaken ein. Ein unkontrollierter Relaunch seines Neuners bringt meinen Puls ordentlich nach oben. Die Lines reißen über meine Rippen.

Ich schrei nur noch, er soll sich aushängen. Mein „Alles“ befolgt Jörg etwas übereifrig und hängt auch die Safety aus. Sein Kite fliegt übers Meer davon, nachdem ich mich aus den Leinen befreit hab. Ich komm wieder aufs Board und geh auf Drachenjagd. Wenig später erleg ich ihn, verlier mein Brett und verfang mich nochmal in den Leinen. Definitiv angenehmer wenn man dazu den Drachen am Nasenring Richtung Strand schleppt.

Jörgs Vietnamesischer Kiteboy am Strand entschuldigt sich als wär’s sein Fehler. Wieder ab im Wasser rette ich mein Board und mutier wieder zum Windtier. Diesmal leider nicht allzulange. Ich verlier weit draußen mein Board und komm auf Deibel komm raus nicht zurück zu ihm. Ein guter Kiter rettet es, ich steig auf und freu mich über die Küstenbebauung an diesem Teil des Strandes: ein 4m hoher Wellenbrecher.

Nach 500m Höhelaufen und zwei Stunden am Wasser bin ich wieder an meinem Beach und recht alle. Zittrig an Land. Kite sichern. Zucker tanken. Rette rauchen. Mit Jörg überlebtes bejubeln. Bisschen in den Wind schreien vor lauter Glück. Abhebendes Board beschweren, einpacken, essen, arbeiten, kurz in die Bar. Zum fünften mal abgefallene Arme notdürftig antackern und mit den Zehen bloggen. Fertig.

Selig: Ich zähl die Schwielen an meiner Hand.
Oh it’s such a perfect day…

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