Die Fickinger von Pattaya

0206
2008
Mo
22:50
Tag
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Die Fickinger sind ein barbarisches Räuber-Volk aus dem hohen Norden. Ihre Haut ist weiß, ihre Bärte lang, ihre Bäuche dick. Fickinger sind allesamt so hässlich, dass man schon fast Mitleid entwickelt. Sie nehmen, was sie wollen, Fragen sind überflüssig. Fickinger saufen und grölen, vor allem nach vermeintlichen Siegen. Alles was ihr je über die Fickinger hörtet ist wahr. Bis auf eines: Sie haben keine Äxte. Sie haben Hämmer. Ganz, ganz kleine.

Spaß beiseite. Das war Ernst. Die Welt ist so kompliziert. Nichts ist wie es scheint. Kein Vorurteil lässt sich permanent verteidigen. Pattaya ist anders. Man muss hier nichts verteidigen. Einfach Augen auf und Halbwahrheiten niederschreiben. Jedes Truglicht wird an der nächsten Ecke zur traurigen Wahrheit.

In den 60ern wurde das Fundament für Pattaya gelegt. Die ach so gestressten Gis aus Vietnam mussten sich vom anstrengenden Job des Domino-Steinchen-Aufhaltens in Vietnam erholen. Das Pentagon schickte sie hierzu nach Pattaya. Da Vietnam offensichtlich nicht genug willige Frauen bereitstellen konnte, erkannten die gewieften Thais ihre Chance und karrten im Stil einer geschlechtsspezifischen Völkerdeportation mal schnell ein paar Zehntausend Frauen nach Pattaya.

Tradition verpflichtet. Der Strom reißt bis heute nicht ab. Das Verhältnis von Thai-Frauen zu Thai-Männern in Pattaya schätze ich heute auf 10:1. Das Verhältnis bei den Touristen ist 1:100. Das gesamte Stadtzentrum ist ein einziger Puff. Wenn die Reeperbahn Schlumpfhausen ist, dann ist Pattaya Mexico City.

Ich beziehe ein dreckiges Zimmer mitten im Kriegsgebiet. Unten Beer Bar, rechts GoGo, links Massage. Die Matratze riecht nach Schweiß und Kondom. Genau hier will ich sein, genau hier will ich beobachten. Die Puffchefin hofft auf mehr Geld. Jedes mal, wenn ich etwas zulange brauche, um die Tür zum „Hotel“ aufzusperren wird ein Mädel zum Nippel und Hintern-Fummeln abkommandiert. Alles Scrubs, ich bin Doktor Cox.

Nach einem Tag schlafen, arbeiten und genesen gehe ich endlich auf die Straße. Am Strand sitzen auf allen Bänken auch für 33 Grad sehr leicht bekleidete Frauen. Die Fickinger sind überall. Sie sitzen mit ihren Beutestücken gelangweilt in Restaurants, schlendern gelangweilt über die Plätze, liegen gelangweilt am Strand. Gibt’s auch irgendwas außer Ficken, das euch nicht langweilt?

Sicher! Abends gehe ich über die Walking Street, die Höhle des Löwen. Die Fickinger kennen keinen Ruhestand, aber die Manneskraft lässt nun mal im Alter nach. Zuviel Viehagra zeigt sich in fast schon rinderwahnartig weit aufgerissen Augen, die in jeden dunklen Bar-Eingang glotzen. Sabber. Ein Drücker haut mich an: „Want Prostitute?“ Ich schwimme mitten im Atlantik und kann auf Teufel komm raus kein Wasser finden. Bitte, hilf mir!

Ich sehe so schöne hässliche Sachen. Will den ganzen Tag Bilder schießen wie blöd. Aber das ist recht schwer. In Pattaya Bilder schießen – vor allem in der Nacht – ist fast so spannend und lustig wir ein Stepptanz im Minenfeld.

Abendessen. Ein großes Chicken Massala nebst starkem Bier und Antibiotika machen mich matschig im Schädel. Jetzt bin ich genauso, oder? Gut, nutz es! Auf der Suche nach Vorurteilen geh ich in eine GoGo Bar. Besoffene Ami-Fickinger grölen tanzend im Eck. Jippie-Ya-Yeah, Schweinebacke! In mir regt sich nichts außer Langweile. Hab ich mich je darüber beschwert, dass Thais immer lächeln und ja sagen, wenn sie etwas nicht verstehen? Ja. Es nervte unendlich oft.

Ab heute nicht mehr. Die nackten Mädchen da oben auf der Bühne verstehen einiges. Keine lächelt, und ihre Gesichter sagen alle sehr traurig „Nein, ich mag überhaupt nicht, was ich tun muss.“. Aus der Anlage hämmert eine erbärmliche Techno-Version von „It’s too late, you’re gonna die“. Und auf einmal weiß ich, was ich tun muss. Die Zeit davor gut nutzen. Heimgehen, und schreiben.

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6 Kommentare

  • christiane joiko schreibt am Dienstag, 3.6.2008 um 14:38 Uhr:

    Lieber Frank,
    was fährst du auch nach Pattaya? Du musst dir nicht jeden Dreck geben, den es auf der Welt gibt. Dass es viele Flecken gibt, wo das Leben schrecklich und gemein ist, wissen wir gebildeten Deutschen doch auch so… oder willst du dir das nach Hause kommen erleichtern?

  • TommyKrebs schreibt am Dienstag, 3.6.2008 um 14:40 Uhr:

    Mhhh klingt nach keinem happy end deiner Weltreise, Frank. Für mich wär das auch nichts. Aber Asien ist eh nicht mein Ding.

  • ff-webdesigner schreibt am Dienstag, 3.6.2008 um 16:39 Uhr:

    Christiane: Erwischt. Der Plan der letzten Tage war viel Grausamkeit sehen. Macht die Heimat schöner. Und doch, ich musste leider nach Pattaya. Ihr wolltet ja keine Ladyboys mitmir besuchen gehen in Phuket :-)

    Tommy: Recht hast! Nächstes Jahr geht’s wieder nach Neuseeland…

  • Hippicus schreibt am Sonntag, 2.11.2008 um 3:25 Uhr:

    Danke, das ist nun wirklich keine Empfehlung für meinen Webauftritt.
    Hippi

  • Vietnam Reisen schreibt am Mittwoch, 18.8.2010 um 20:06 Uhr:

    Hallo Frank,

    es gibt wie gesagt, auch in Thailand viele schönere Orte, wo man sich super gut erholen kann. Ich fliege in der Regel alle 3 Jahre nach Thailand. Wenn man nicht explixit nach solchen Orten wie Pattaya sucht, kann man sie ja auch vermeiden. Oder wie wärst mit einem Trip nach Vietnam.

  • Jeniver Hoffmann-Luther schreibt am Samstag, 19.8.2017 um 11:26 Uhr:

    Ich verstehs nicht – warum fährt man dahin, wenn man Abscheu hat? Selbst in Pattaya kann man sich die Zeit anders vertreiben oder einfach das „andere“ sehen wollen. Mit Frau und Kind kann man dort Familienurlaub machen. Man muß nicht den ganzen Urlaub dort sein, aber einen weiten Bogen drumherum machen muß man auch nicht. Wer sich aber kein hochpreisiges Zimmer leisten kann oder will, landet wohl oder übel halt mit anderen Leuten in einer mehr oder weniger einfachen Unterkunft. Dreckig muß es da deshalb immer noch nicht sein. Wir fahren zum Beispiel auch nach Mallorca, waren aber noch nie im „Oberbayern“ und haben auch noch nie beim Eimersaufen mitgemacht. Wir wissen vorher, was uns dort nicht gefallen wird. Aber….. das man einfach nur irgendwo war, wo es einem gefallen hat, ist vermutlich zu langweilig für einen Blog….

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