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700km durchs Goldene Dreieck

Pünktlich zum Sonnenaufgang sitze ich wieder am Ufer des Mekong. Der lokale Longboat-Verein paddelt sich die Seele aus dem Leib. Nur 10km Richtung Norden bin ich endgültig mitten im Goldenen Dreieck. Thailand, Burma und Laos treffen hier aufeinander. Werbeschilder preisen Opium-Museen an. Einige teure Resorts huldigen den alten Zeiten im Nirgendwo.

Viele Thais fahren hier auffallend dicke Geländewagen. Das Leben scheint immer noch einträglicher als anderswo in Thailand zu sein. Die lokalen Polizeistationen sehen aus wie kleine Tempel, alle Polizisten haben neue Uniformen. Auch Gerechtigkeit ist hier lohnend. Bis zum Abend komme ich durch gut zwei Dutzend Kontrollpunkte.

Kaum halte ich an einem an, werden die Polizisten erstmals aktiv. Muss so eine Art Touri-Show sein. Den ganzen Tag passiert nix, nirgendwo. Hier zerlegen sie einen Jeep vor meinen Augen. Brav. Tätschel. Such, wo isses Guttl? Nix gefunden? Macht nix, komm her, ich schieß ein Heldenbild von dir.

Der Verkehr im goldenen Dreieck ist strikt geregelt. Autos überholen rechts, Motorräder links. Gefahren wird auf der linken Seite. Dies gilt jedoch nur für den Fernverkehr. Der lokale Verkehr fährt rechts. Somit bleibt bei einem Bums maximale genetische Diversität gewährleistet. Inzestuöse Unfälle unter Bewohnern des gleichen Dorfes werden vermieden.

Endlich finde ich Berge an der Grenze zu Burma, zwischen Mae Sai und Tathong. Und was für Berge! Meine 125er Viertakter Honda quält sich unglaubliche Steigungen nach oben. Wie hoch steht nirgends. Die Straßen winden sich über enge Grate. Niemand da. Wasserfälle, einsame Klöster und Bambuswälder.

Auf dem Rückweg mache ich einen Abstecher in den Nationalpark bei Fang. Vom Tal aus denke ich mir: boah, diese Berge sind unbesteigbar. Gehen fast senkrecht kilometerweit in den Himmel. Nach 30km steil bergauf weiß ich: aber befahrbar. Wahnsinn. Die korsische Castaniggia ist ein Witz dagegen. Der Motor glüht bergauf, die Bremsen bergab. Einsame Dörfer an den Hängen. Hinter jeder Kurve erwartet man Shangri-La. Jetzt ist mein Dreieck golden geworden. Ich kann wieder zurück nach Chiang Mai.

Auf dem Rückweg werde auch ich endlich mal an einem Checkpoint gefilzt. Als der Polizist alte Wäsche von 400km Schweiß und Staub findet winkt er mich eilig weiter.

In Chiang Mai komme ich am späten Nachmittag an. Nach 700km durchs Goldene Dreieck ist mein Hintern recht platt und meine Kleidung voller goldenem Dreck. Die Motorvibrationen werde ich noch Tage in meinen Fingern spüren. Zwei Menschen binnen zwei Tagen sprachen ein paar Worte Englisch. In den Tempeln Chiang Mais läuten die Glocken, danach heulen die Hunde.



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1 Kommentar zu “ 700km durchs Goldene Dreieck ”

Ich auch! Hocke im Kaff bei Schnee, Regen und nix los.

Kommentar von Carin am 7.4.2008

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