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Mit Stilettos am Teide

Eureka! Wir haben's geschafft. Wir haben den Weg aus der Urbanizacion gefunden! Ich heize mit unserem kleinen Toyota die Kurven zum Teide hoch. Bei Höhenmeter 1000 fällt mir ein, dass ich vergessen habe, mir den Weg zu notieren. Hoffentlich schaffen wir den Ausbruch in den nächsten Tagen nochmal…
 
Der Himmel ist blau, die Wolken haben wir ganz schnell unter uns. Roter Fels, schwarzer Bims, der Duft der Kanarischen Kiefer. Wunderbar. Es gibt keine Geraden. Es gibt nur Kurven. Der Ipod jodelt auf dem Rücksitz und wir in jeder Kurve.
 
Nach ca. einer Stunde kommen wir im äußeren Krater des Teide an. Die Felsen werden bunt: grün, braun, weiss, gelb, grau, schwarz. Die 12 Grad auf 2000m merkt man gar nicht, die Sonne sticht. Eigentlich hatte ich mir heute den Wecker um sechs Uhr gestellt. Wollte wenigstens den inneren Kegel von 2500 auf 3700m bezwingen. Aber die Träume waren zu gut. Ausserdem ist Mom nicht wirklich zu begeistern für eine siebenstündige Kraxeltour in losem Lavagestein.
 
Wir nehmen die Seilbahn. Die kostet schlappe 25 Euro pro Person, aber spart in der dünnen Luft auch reichlich Schwindelgefühl. Auf 3500m hat's immernoch sechs Grad. An den Felsen wachsen im Schatten Eiskristalle. Wolken ziehen vorrüber, aber die meisten liegen 2000m unter uns. Der Weg um den Gipfel ist gepflastert, aber auch gut vereist auf recht groben Bimsstein.
 
Es gibt hier zwei Arten von Wanderern. Die einen laufen im Abendkleid, schwarzer Strumpfhose und Lack-Stilettos rum. Russen können das, ist keine Sünde, schon die Rote Arme hatte nicht immer die perfekte Ausrüstung. Die andere Kategorie sind die Extremsportler. Für 500m gesicherten Weg haben sie Wanderschuhe, einen 80l-Rucksack, Mammut Jacken für 1200 Euro nebst farblich abgepasstem Zelt und natürlich Gehstöcke.
 
Ich kann irgendwie mit beiden nix anfangen. Ich hasse das Mittelmass. Aber manchmal ist es schlichtweg der einzig vernünftige Extremismus. Die Russin rutscht aus. Zwei Sekunden später schießt einer der Polarkreiswanderer seine Leuchtrakete ab. Aber der andere hat da schon längst via CB einen Rettungshubschrauber angefordert. Wir fliehen.
 
Abends im Hotel. Wir trinken Sangria unter Senioren und denken uns nix böses…also fast…in meinem Schatten entwickelt Mom eine fast schon fatale Neigung zum Lästern. Vielleicht haben einige der Britischen Senioren hier im WK II für den Geheimdienst gearbeitet, verstehen Deutsch und verreisen nie ohne ihre gute alte Browning. Dann fängt der Alleinunterhalter an zu singen…


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