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Mit Kiteboard im Condor zu Shining

Ab nach Teneriffa! Ich melde mein Kiteboard bei Condor an. Dass ich als schwerreicher Kitesurfer jedes mal 50€ extra für mein Sportgepäck zahlen muss, während die armen Golfer ihr viel schwereres Gepäck immer umsonst mitnehmen dürfen: damit habe ich mich längst abgefunden. Aber heute krieg ich von Condor einen neuen Knüller serviert.
 
Mein Kiteboard ist bei Condor angemeldet, bevor ich alle meine neue Ausrüstung zusammen habe. Das Gewicht schätzte ich auf 15kg. Condor kassiert pro Flug für ein Boardbag bis 25kg 25 Euro. Mein Bag wird gewogen: 17,3kg. Für die 2,3Kg "Übergewicht" verlangt die Dame am Check-In nette 30 Euro extra. [Update 10.01.10: Condor hat zurückgezahlt…]
 
Kitesurfer verkommen seit Jahren immer mehr zu den Melkschweinen der Fluglinien. Ich hätte den Kitebag einfach mit 25kg angeben können, ja. Aber dass man nach Anmeldung sogar auf ein eigentlich bis zu 25kg schweres Kiteboard bei Condor nochmal 10 Euro pro Kilo pro Flug extra löhnen soll, ist gemeine Abzocke. Kiteboard mit Condor ist Kacke. Kiter, meidet Condor!
 
Wir landen am Nachmittag am Flughafen Teneriffa Süd. Auf der Abgabeseite der Autovermietung stehen lauter missmutige und motzende dicke Engländer. Nach kurzer Fahrt kommen wir an der Costa del Silencio an. Der Name wurde in meinem Reiseführer wegen der praktisch vollkommenen Verbauung kritisiert. Ich finde ihn sehr passend. Die Urbanizaciones stehen leer in der Sonne. Leblose Straßen, aus den Restaurants kommt kein Laut. Alles ist still. Irgend jemand hat sich ordentlich verschätzt. Retortenstadt del Silencio.
 
Ich hab kein Problem mit Leere, Überfüllung ist viel schlimmer. Auch unser Hotel ist leer. Blitzblanker Marmor, hallende Gänge und verlassene Tische. Ich erwarte jede Sekunde, daß Jack Nicholson schreiend mit einer Axt um die Ecke stürmt, so sehr ist die Atmosphäre wie Shining. Gegen Mitternacht werde ich die verlorene Seele auf Zimmer 215 suchen…
 
Erst zum Abendessen sehe ich mehr als zwei Gäste auf einem Haufen. Das Durchschnittsalter liegt bei ca. 65 Jahren, fast ausschließlich englische Rentner. Ein Walzer von Strauss läuft dezent auf Dauerrotation. Auf der Butter steht Irlandese und alle Kneipen der Siedlung sind Irish Pubs.
 
Abends legt ein britischer DJ in der Lounge Saturday Night auf. Die Senioren schwingen das Tanzbein. Ich pfeiffe leise Thriller und amüsiere mich. Draussen blinken vorweihnachtliche Lichterketten in den Palmen. Mama sagte, ich möge doch bitte mal lieb schreiben…


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