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Safariangst

Vor irgendwas hat jeder Angst: Zahnarzt, öffentliche Toiletten, Spinnen, das unendliche Vakuum in Nazihirnen oder Krautsalat-Flatulenz im vollen Aufzug in den 43. Stock. Ich hab Angst vor drei Sachen: Kreuzfahrten, Dauercampern und Safaris. Kreuzfahrten und Dauercamper konnte ich zum Glück vor zwei Jahren auf einer Philippinischen Fähre auf einen Streich abhaken. Bleiben noch Safaris.

Das, wovor ich bei Safaris Angst habe, sind die Menschen. Ja, ich habe Tommy Jaud gelesen. Aber darüber hinaus bleibt noch unendlich viel Platz für Socken in Sandalen, Safarihüte und Fannypacks als Bierbauchhalter. Elitäres Sektfrühstück im klimatisierten Safarizelt zum Sonnenuntergang. Die Unverbundenheit mit der Natur in einer Schneekugel. Und die brennende Frage: „Karl-Heinz, warum hat dir deine Mama nie ein Meerschweinchen gekauft?“.

Ich mag echtes Leben, und ich mag Tierfilme. Am allerliebsten mag ich es, wenn sich Menschen benehmen wie in Tierfilmen. Wenn jedoch Tiere zum Crème de Cassis-Häubchen auf dem Luxusurlaub vollkommen naturentwurzelter Grossstadthippes werden, dann mag ich das überhaupt nicht. Genausowenig mag ich es, wenn Menschen mehr durch Linsen als Pupillen sehen. Das ist, als würde man mit einem MP3-Player auf ein Konzert gehen.

Genug gemotzt. Mit dem Tuktuk fahren wir zweieinhalb Stunden in den 80 km entfernten Wilpattu Nationalpark. Der Road Trip ist wie gewohnt eine Mischung aus viel Staub, Dieselruß und entgegenkommenden Busfahrern auf dem Weg ins Paradies – aber ganz wunderbar echt. Zur Zeit ist kaum jemand hier, daher müssen wir einen riesen Safarijeep für uns alleine mieten. Auch der Eintritt in den Nationalpark ist mit 35 € recht happig, doch dank Superheldenausweis komm ich mal wieder umsonst rein. Vorteil: kein Karl-Heinz an Board, nur jede Mange Tiere drumherum.

Eine der 50 Leoparden des 700 Hektar grossen Wilpattu Nationalparks sehen wir nicht. Aber auf der vierstündigen Schaukeltour durch den Dschungel erspäht Spotter Adlerauge Eulen, Affen, Warane, Adler, Hirsche, Wildschweine, Krokodile, den Sri-Lanka-Hahn, Pelikane, Fischreiher und 7.315 Termitenhügel. Das einzige was wir lahmen Safaristas selber entdecken sind zwei Elefanten auf Seegrasernte. Machte uns mächtig stolz.

Tags darauf bockt der Wind wieder ordentlich mit durchschnittlich 22 Knoten. Wir geniessen den letzten gemeinsamen Kite-Tag auf der Lagune von Kalpitiya. Tuktuk nach hause zum Sonnenuntergang, und wieder hammer gutes Essen. Max regt sich auf, dass es nicht zum zehnten Mal in Reihe Garnelen gibt. Ich freu mich auf’s Hendl.



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2 Kommentare zu “ Safariangst ”

Wieder tolle Erlebnisse und Berichte.

Kommentar von Carin am 7.9.2014

Schöner Artiel

Kommentar von Marc Freis am 7.12.2014

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