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Nuwara Eliya & das Ende der Welt

Von Kandy aus schliesse ich mich zwei lustigen Schweizer Kiterinnen für einen Trip ins Srilankische Teezentrum am. Mit dem Zug fahren wir früh morgens ins Luftline gerade mal 40 km entfernte Nuwara Eliya. Die Fahrt dauert fünf Stunden und verläuft über ca. 125 km stets ansteigend durch unendliche Teeplantagen und Dschungel. Die offenen Türen sind mein Panoramaplatz.

Nuwara Eliya ist mit 2000 m ü.d.M. die höchstgelegendste Stadt Sri Lankas. Sie wurde im 19. Jahrhundert von den hitzegeplagten britischen Kolonialherren gegründet, wovon auch heute noch zahlreiche Gebäude zeugen. Unsere Unterkunft ist eine verzauberte kleine Herberge im Stil von Peter Pan: Bambushof und Bach garniert mit Baumstammmöbeln, umgeben von kleinen zweigeschossigen Hütten. King Fern Cottages. Fein.

Auf einer Wanderung zur Pedro Teeplantage geniessen wir die frische Luft und leichten Regen in kurzen Hosen, während sich die hier vorwiegend tamilischstämmigen Einwohner als Eskimos verkleiden.

Tags darauf brechen wir schon lange vor Sonnenaufgang in den eine Stunde mit dem Minivan entfernten Nationalpark Horton Plains auf. Während der Auffahrt auf das zwischen 2100 und 2300m gelegene Hochplateau geht die Sonne über den Bergen auf, während der Regenwald der umgebenden Ebenen darunter von einem dünnen aber dichten Nebel-Leintuch bedeckt ist. Nur einzelne Bäume stechen surreal hervor. Alle schweigen. Bis auf die Japaner. Die wissen anscheinend nie, wann sie mal einfach die Fresse halten sollten.

Im Nationalpark glänzt der Tau auf den hohen Gräsern in der weiter steigenden Sonne. Dazwischen grasen Samba-Hirsche, und dahinter spitzt der Adams Peak aus den Wolken. Wir sind noch fast alleine in mitten von Magie.

Der 10 km lange Trail führt durch Regenwald und Grasebenen zur angeblich 840 m hohen Klippe Worlds End. Die Sicht auf die umgebenden Teeplantagen ist mau und die Höhe beeindruckt keine Bergmenschen. Der erste laute Japanerpulk mit Gucci-Survival-Taschen holt uns ein und beginnt umgehend am Abgrund zu posieren.

Wir fliehen schnell weiter zu den Baker Falls. Auf dem steilen Abstieg ruinier ich mir mal wieder mein Knie und humpel die restlichen vier Kilometer zurück zum Ausgang.

Vor der Ankunft der Briten grasten auf dieser Hochebene hunderte von Elefanten blau blühende Bäume ab. Die Briten rotteten sie binnen weniger Jahre aus. Der „erfolgreichste“ ihrer Jäger erlegte 1400 Elefanten. Er selbst wurde daraufhin von einem Blitz erlegt. Auch sein neben dem Golfplatz von Nuwara Eliya stehender Grabstein wurde noch zwei mal vom Blitz getroffen.

Wir taten gut daran, schon vor fünf aufzustehen. Nicht nur, dass aus den umgebenden tieferen Teeplantagen oft schon ab 10 Uhr morgens Nebel und Wolken in die Horton Plains aufsteigen, was bei uns noch nicht der Fall war. Bei der Abfahrt zähle ich 64 Minivans sowie einige grosse Busse und Tuktuks. Magie ist jedoch leise.

Der Bus über 1500 Höhenmeter voller Haarnadelkurven durch Teeplantagen zurück nach Kandy ist brechend voll. Blog schreiben geht nur am Handy, und auch das wegen vollem Gang nur mit dem Ellbogen kurz vor der Nase meines tamilischen Banknachbarn. Dank der zahlreichen Schlaglöcher kitzelte mein Ellbogen wohl mehrfach seine beiendruckenden Nasenhaare, was ihm nicht sonderlich zusagt. Ich frage ihn, ob ihm der Terminus „Inspiration des Augenblicks“ geläufig sei, erhalte aber keine wirklich befriedigende Antwort.

Der stolz vorne und hinten auf jedem Srilankischen Bus zur Schau getragene Name ist das einzige, was den Rost zusammenhält. Alle heissen „Lanka Ashok Leyland“. Auf der 65 km langen Abfahrt nach Kandy haben wir binnen zwei Stunden nur drei Beinaheunfälle, was die Eltern meines Busses wohl dazu verführen dürfte, ihm am Abend seinen  zweiten Vornamen abzuerkennen.



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1 Kommentar zu “ Nuwara Eliya & das Ende der Welt ”

Diese Erlebnisse, diese Beschreibungen- da gilt es nur noch glücklich zu sein, das erleben zu dürfen…..

Kommentar von Carin am 24.9.2014

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