Über die Carmargue nach Barcelona

1801
2009
So
21:57
Tag
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Winter ist toll. Da können sogar bekennende Langschläfer behaupten, schon vor Sonnenaufgang unterwegs zu sein. Gegen sieben geht mir nach insgesamt 700 km langsam der Sprit aus. Die erste Tanke ist zu, die zweite ebenso. Die dritte hat nur Diesel für LKW (?), die vierte frisst keine meiner Karten. Nummer fünf und sechs sind verbarrikadiert, sieben frisst wieder meine Karten nicht. Die Sonne geht auf und mein Mut unter.

Nach 763,7 km finde ich endlich eine Tanke mit einer freundlichen Bedienung, die meine Karten lesen kann. Sie wird nie erfahren wie knapp sie daran vorbeigekommen ist von mir abgeknutscht zu werden. Ich fahre weiter zu den weissen Wildpferden der Carmargue ins Rhonedelta am Mittelmeer.

Vor fünf Jahren war ich hier im Nationalpark Kiten. Heute regnet es leicht bei sechs Grad. Mit der Temeperatur würde ich fertig werden, aber der fehlenden Wind macht den Kite-Plan leider zunichte. Die Ferienhäuser liegen verschlafen mit geschlossenen Augen in der fahlen Wintersonne am Strand. Weiter.

Vielleicht geht’s weiter im Westen? Nein, leider auch nicht. In schlürfe an der Strandpromenade von Valras-Plage einen Café au lait, als von einem Nürnberger die Adresse in Perpignan eintrudelt, an der ich ihn abholen soll. Tobi fährt mit nach Barcelona und hält mich die letzten 300 km wach – bis er einschläft. Die Straße schlängelt sich ähnlich dem Highway 1 in den USA unter den Pyrenäen an der steilen Mittelmeerküste entlang.

In Barcelona komme ich erst nach Sonnenuntergang an. Die Adresse der Schule ist dank Navi sofort gefunden. Dorthin zukommen ist purer Wahnsinn in der Rush Hour. Zum halten bleibt nur absolutes Halteverbot, ohne Tobi hätte ich mein Zeug kilometerweit schleppen dürfen. So stelle ich nach nur 100m fest, dass an der angegebenen Adresse keinerlei Hinweis auf die Sprachschule existiert. Niemand da, niemand macht auf. Ein tolles Gefühl nach 10h on the road.

Nach einigem rumfragen wird bestätigt: doch doch, schon richtig, nur halt niemand da. Ich bunkere all mein Zeug bei anderen Schülern. Tobi verabschiedet sich, ich suche einen Parkplatz. Und suche. Und suche. Und suche. Nichts. Nirgends. Ich bin kurz davor, ein Monatsticket für 60 Euro zu kaufen, die einzige Alternative. Da finde ich auf dem Montjuic auf einmal einen kostenlosen Parkplatz. Die 2,5 km Fußmarsch zur Schule machen mich glücklich, denn jeder Barcelonese sagte: „Im Umkreis von 10km geht gar nix.“.

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Ein Kommentar

  • Sabine schreibt am Dienstag, 20.1.2009 um 22:20:

    Schön dich so unterwegs zu sehen! Ich meine, jetzt mal in Barcelona angekommen…
    Abenteuerlich Reise noch und alles Gute.

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