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Von Bern nach Avignon

Am Abend treffe ich Herrn Marek in Bern. Er ist noch genau der gute wie vor zwei Jahren in Regensburg. Wir gehen in die Altstadt. Ich lad ihn zum Geburtstag zum Essen ein. Die Küche ist in Bern schon deutlich Französischer. Meine Entenbrust in Orangen-Portwein-Sauce explodiert im Mund. Das erklärte Ziel für die nächsten zwei Wochen: weniger als 1kg am Tag zunehmen.

Zweite Station des Abends ist ein altes Schulhaus. In der Turnhalle befindet sich jetzt eine Bar. Früher alles für, jetzt ordentlich gegen die Gesundheit. Danach siedeln wir über in die Reithalle, ein ehemals besetztes Haus. Marek erzählt Geschichten von Junkies, die sich vor seinen Augen in der Kneipe einen Schuss setzten. Heute kiffen hier Biedermeier.

Früh am nächsten Morgen breche ich auf. Vor mir liegen 500km nach Avignon. Auf der Fahrt begehe ich ab dem Rhonetal kurz den Fehler, die Autobahn zu benutzen. Resultat: kaum Zeit gewonnen und nette acht Euro Maut für 80 km. Ich hab nix gegen Raubritter, aber wenn das Benutzen der Autobahn pro Kilometer mehr kostet als der Sprit für selbigen, dann stimmen die Relationen einfach nicht mehr. Ich fahre den kompletten Rest bis Barcelona nur Landstraße. So seh ich mehr und die Kurven halten mich wach.

Genau zum Sonnenuntergang komme ich bei angenehmen 10 Grad in Avignon an. Der Provencalische Himmel glüht, die Lavendel-Stumpen stehen etwas nackig und müde in der Landschaft rum. Ich beziehe ein Dormbett in einem kleinen Hostel nahe der Brücke von Avignon. Das ist erstens nostalgisch, weil wie meine Betten auf der ganzen Weltreise. Zweitens ist es ein schöner Kontrast zur Schweiz, weil alt, etwas siffig und genadenlos billig.

Abends gehe ich durch die Altstadt von Avignon. Der Papst hat sich hier einst ein nettes kleines gothisches Häuschen hinstellen lassen. In der Größe der halben Altstadt, und die ist sehr groß. In der anderen Hälfte verliere ich mich drei Stunden lang laufenderweise. Romanik, Gothik, Barock, Renaissance und Klassizismus in weissem Kalkstein. Die Stadt des Lichts. Hunderte Geschäfte, feine Provencalische Restaurants, uralte Geschichte und quirliges Leben.

Ich kaufe Nougat mit Feigen, lese Speisekarten hier und schnüffle in Eingängen da. Mein Französisch ist ziemlich eingerostet. Das hindert aber keinen Franzosen daran, auf holprige fünf-Worte-Fragen meinerseits mit eloquentesten Epen zu antworten. Meist kann ich als Danke nur dumm lächeln, während in meinem Kopf die Montagsmaler ihren Dienst verrichten.

Mein Abschied aus Avignon ist ein weiteres Gourmet-Menu im Cour du Louvre. Alleine die französischen Worte klingen so wie es schmeckt: Terrine St.Pierre au Salade vert avec Crème de Champagne. Dourade Provencale aux legumes avec Riz de Safran. Assiette Gourmand, bon appetit et bonne nuit.



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