Touring Sansibar

3101
2016
So
12:31
Tag
3159
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Am dritten Tag brauch ich den Roller endlich mal nicht nur, um mehr Geld abzuheben. Ich fahre in den Norden der Insel. Sansibar ist hier richtig tropisch grün. Mir fällt auf, wie sehr mich die eintönig flache Waldlosigkeit in Paje bedrückte. Der Weg führt durch Zuckerrohrfelder und Gewürzplantagen im dampfenden Dschungel. Eine Gewürzfarm-Führung mit Verkostung von frischem Ingwer, Zimt, Muskat, Pfeffer, Nelken, Maracuja, Sternfrucht und Vanille heitert mich weiter auf.

Die Sansibaris im Norden wirken glücklicher als die im trockenen Armenhaus Südsansibars. Schlumpfige Schulkinder in blauweissen Uniformen wandern über die Straßen ärmlichster Dörfer. In einem knalle ich mit 80 km/h auf einen leicht zu übersehenden hohen Bremshügel. Den Abflug kann ich vermeiden. Einen weiteren Platten fünf Kilometer weiter im tiefsten Urwald nicht.

Ich schiebe den Roller zwei Kilometer weit, bis mir ein Schulkind den lokalen Reifenmeister zeigt. Diesesmal ist der Schlauch nicht mehr zu retten. Ersatz gibt es erst zwei Dörfer weiter. Mein letztes Geld geht für die Reparatur drauf, während ich mit der Dorfjugend zu La Brass Banda tanze. Die Nordspitze Sansibars erreiche ich wieder nicht.

Auf dem Rückweg über die Ostküste mit seinen leerstehenden Luxusresorts im Nirgendwo wollen mich zwei Polizisten in Kontrollen abzocken. Falscher Tag. Den ersten quassel ich so lange freundlich wegen des angeblich fehlenden Passbildes auf der lokalen Fahrerlaubnis nieder, bis er sich nach 20 Minuten einfachere Opfer sucht. Dem zweiten berichte ich gleich von vornherein nur auf spanisch von der durchschnittlichen Lebenserwartung bestechlichen Honduranischer Polizisten. Er gibt schnell auf.

Am nächsten Morgen weckt mich der liebliche Duft der Müllverbrennung direkt hinter meiner Strandhütte. Das Grünzeug bis Stunde drei stinkt nur, der schwarze Rauch von Plastikflaschen binnen der nächsten drei brennt tierisch in Lunge und Augen.

Die vollständige Abwesenheits jedes Verständnisses für Service und Qualität für das einfache Gebotene geht mir zunehmend auf den Sack, genauso wie die Mistfliegen und Legasthenie-Stilblüten der Sansibaris, trockene Duschen, Stromausfälle und in Windstille perma-offline sein. Eigentlich geht mir ganz Sansibar auf den Sack. Ich will heim.

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