Wrack-tauchen westlich Coron

2311
2011
Mi
14:40
Tag
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Das Archipel von Coron ist perfekt geeignet zum Verstecken spielen. Vor allem für Schiffe. Das schnallten schon die Amerikaner und Japaner im zweiten Weltkrieg. Nirgends auf der Welt gibt es so viele Schiffswracks auf so wenig Platz. Auch wenn man den Amis heute nur noch assoziales Verhalten nach aussen und nach innen vorwerfen kann: hier gaben sie Milliarden von Fischen massig Asyl.

Wir fahren mit den Coral Bay Divers 1,5h nach Westen. In einer engen Passage zwischen zwei Inseln liegt das erste Japanische Kanonenboot. Auf 12m Tiefe taucht aus tiefem Blau das Schiff auf. Eine kurze Runde aussenrum, dann geht’s rein. Eigentlich braucht man dafür einen Advanced Open Water Diver. Aber da sowieso schon niemand nach meiner PADI Lizenz fragt, ist das auch egal.

Drinnen ist es duster, wenig Sonnenstrahlen leuchten durch Löcher ins Innere. Ich muss kein Klaustrophobiker sein, um jetzt zu wissen, wie sich das anfühlt. Der Puls erhöht sich spürbar. Die Atmung wird schneller. Dunkelheit. Nach oben geht’s nicht zur Luft, sondern an korallenüberwachsenen Stahl. Sehr beklemmend. Aber auch fein, zu spüren, dass Angst kontrollierbar ist. Im Wrack sind teilweise mehr Fische als Wasser. Jeder Flossenschlag erzeugt eine Welle lebender Wesen. Danke, Amerika!

Nach 40 Minuten tauchen wir wieder auf. An einem unbewohnten Strand stell ich mir Robinson vor, und dass ich genau hier mit meiner eigenen Bangka gelandet wäre. Haut ganz gut hin. Uli macht einstweilen ihren dritten von fünf Tauchgängen für den Schein. Ich geh schnorcheln und sehe ziemlich viel Müll. Sagt mir was ihr wollt, Taucher der Welt! Tauchen mag so ökologisch wie gewollt ausgeführt werden. Der Dreck kommt immer mit. Es ist weniger eine Frage davon, wieviel jeder macht. Vielmehr, wie gut er verteilt wird. Die Verteilung hier grenzt an Perfektion.

Die Sichtweite ist leider sehr gering. Überall rund um Coron anscheinend maximal zehn Meter, Regel fünf. Tolle Perspektiven bekommt man da leider nicht. Aber wegen der Perspektive kommt hier wohl auch keiner zum tauchen her. Die Masse dessen, was man auf den fünf sichtbaren Metern sieht zählt. Unmengen an Fischen, bunteste Korallen. Ab und zu mal eine Seeschlange. Und, Dominik: keinen einzigen Hai! Nach dem obligatorischen Motorschaden zu Mittag geht es weiter.

Das zweite Wrack ist ein echtes Monster. Das 125m lange Japanische Handelsschiff liegt auf 12 bis 25 m Tiefe. Der Abstieg geht etwas schnell, ich hab kurz Probleme mit Schwindel. Tauche nochmal etwas auf, dann weiter ins tiefe Blau. Das Wrack erscheint. Wow…ich bin nur noch ein kleiner Blubber-Guppy. Wir tauchen einmal um das Wrack herum, dann geht es durch die großen Ladeluken ins Innere. Obwohl der Raum groß ist: wieder Beklemmung.

Irgendwann deutet der Guide auf ein ein Meter breites rabenschwarzes Loch. Ich zucke die Schultern. Später meint er, es wären auch schon ein paar Verrückte durch den Maschinenraum getaucht. Danke, muss nicht alles sehen. Über die komplett mit Hartkorallen übersäte Seite und das Einschlagsloch des Torpedos tauchen wir zurück zur Führungsleine. Die Reserveflasche baumelt auf Dekomperssionshöhe vom Boot. Mein Druck ist auf 50. Perfektes Timing.

Die Taucherkankheit schlägt voll auf unserem Boot ein. Will sagen: nach dem zweiten Tauchgang schläft die Hälfte. Auf der Rückfahrt nach Coron halte ich die Augen weit offen auf der Suche nach möglichen Kitespots. Einen einzigen erspähe ich: Bei Ostwind kann man auf dem ca. 5 mal 50m langen Oststrand von Dimanled Island starten. Danach kommt ein baumbewachsener Hügel, aber dahinter nochmal eine ca. 200m stehtiefe Sandbank. Ein Boot braucht man trotzdem auf jeden Fall für den ganzen Tag. Aber der Spot ist nahe Coron, die Entfernung bestimmt den Mietpreis der Bangka.

Am späten Nachmittag kommt guter Wind auf. Sicher 15-20 Knoten voll aus Ost. Aber für 30 Minuten kiten von einer Bangka mit massig spitzen Bambusstengeln aus verzichte ich nicht auf den letzten bezahlten Tauchgang. Der dritte findet direkt vor den Steilwänden von Coron Island statt. Unser Captain versucht eine feindliche Bangka zu versenken, scheitert aber an der gegnerischen Deckswache. Uli taucht zum ersten mal zusammen mit mir.

Diesesmal gibt es einfach ein großes Korallenriff zu sehen. Ein Teil bunt und lebendig bis zum blödwerden, der andere eine tote graue Wüste aus abgebrochenen Korallen. In zehn Jahren wird’s hier genau wie vor Hurghada ausschauen. Die Sonne nähert sich dem Horizont, das Licht unter Wasser ist jetzt schon deutlich schlechter. Palawan ist schon lange nicht mehr die gehypte „Philippines last frontier“. Es erinnert mehr an die Goldgräberstimmung hinter der Tschechischen Grenze 1989 – obgleich mit etwas weniger und deutlich kleineren Huren.

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5 Kommentare

  • tommykrebs schreibt am Mittwoch, 23.11.2011 um 18:46 Uhr:

    Respekt! Tauchen und dann noch im Wrack… ich würde mir in den Neo machen.

  • Peter schreibt am Mittwoch, 23.11.2011 um 21:02 Uhr:

    Superbericht, Frank! Bei Deinen tauchgängen kann man neidisch werden. Hier in Germany ist Sch…Wetter. Weiterhin viel Spass und noch mehr Wind. Peter

  • tommykrebs schreibt am Donnerstag, 24.11.2011 um 15:01 Uhr:

    Gar nicht wahr… ist super Wetter, denn es hat den ganzen Nov. keinen Tropfen geregnet. Also hör nicht auf Peter. ;-)

  • Dominik schreibt am Montag, 28.11.2011 um 15:06 Uhr:

    Haie stell ich mit dunklen Wracks ohne Flutlichtbeleuchtung auf eine Stufe!

  • Marco schreibt am Donnerstag, 20.12.2012 um 22:03 Uhr:

    Wracktauchen hab ich nie gemacht und werds nicht ausprobieren, da ich einen schlechten Orientierungssinn habe. Aber Respekt denen die das machen. Klasse Bilder.

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