Wolkenrallye nach Sagada

1511
2011
Di
23:47
Tag
1621
2317 views

Die heutige Strecke erfordert kein Navi. Schleichen Sie 20km im Stau aus Baguio heraus. Folgen Sie 100 km geradeaus den Serpentinen entlang nach Sagada. Auf der ganzen Strecke gibt’s tatsächlich keine einzige geteerte Abfahrt und keine Gerade. Der „Highway“ führt hinauf in die Wolken auf bis über 2200 Meter. Die Temperatur sinkt auf 12 Grad.

Es schüttet in Strömen. In den Wolken beträgt die Sichtweite teilweise nur 50m. In Kombination mit den plötzlich auftauchenden durch Erdrutsche ein paar hunder Meter tiefergelegten Straßenhälften recht kurzweilig. Grandiose Spannung kommt auf, wenn die Straße komplett abgerutscht ist, und die Umleitung 50m höher als unbefestigte Schotterpiste mit freiem Blick nach unten in der Steilwand hängt.

Die Steigungen sind so kernig, dass die CO2-Bilanz der Trucks und Jeepneys in Kilogramm pro Kilometer angegeben wird. Schwarzer Rauch mischt sich mit weissem Nebel. Normale Fahrzeuge gibt’s hier keine – wir sind wohl die einzigen. Nach einiger Zeit sehe ich nicht mal mehr Jeepneys. Eine leere Straße. Auf den Philippinen. Halleluja, Zeichen und Wunder geschehen!

Unser Auto hat eine Klimaanlage, aber keine Heizung. Die Klimaanlage kann Vollgas oder gar nichts. Schaltet wir sie aus, sind die Scheiben binnen Sekunden vollkommen dicht. Wir lassen sie an. Ich steuere den Eiswagen weiter Richtung Sagada über die Cordillera bis in die ersten Täler mit Reisterrassen. Übermannsgroße Felsbrocken liegen auf der Straße.

Die letzten Kilometer sind immer die besten. Die Straße nach Sagada ist ab der Abzweigung vom Highway kompeltt verschüttet. Durch Matsch und Felsen jage ich den Wagen die Serpentinen rauf. Oben ist der Weg nur noch Dirt-Track, Sturzbäche und Felsen. Die Grenzen des Zweiradantriebs liegen unter diesen Bedingungen bei ca. 35% Steigung. Die durchschnittliche Steigung dürfte bei ca. 30% gelegen haben. Nach sieben Kilometern mit permanentem Blick auf die Kühlanzeige ist mir fast ein bisschen warm geworden. Sagada liegt vor uns. Für die 100km ab Baguio brauchten wir nur 4,5h.

Beim Parken übersehe ich in der Dämmerung eine 25cm breite und 40cm tiefe Regenrinne zwischen Straße und Gehweg – und bretter voll drüber. Der Wagen schlägt kurz auf, dann steht ein Rad auf dem Gehweg und drei auf der Straße. Laut beglaubigten Aussagen mehrerer Einwohner hat das bisher noch keiner geschafft. Der Dorfpolizist hilft mir mit ein paar Bohlen raus.

Hostel suchen, essen gehen. Im Headshop nebenan kifft sich die internationale Backpackergemeinde den Schädel zu gutem Sound weg. Ich krieg endlich die richtigen Credits für meine neue Simcard. Kurzzeitig habe ich mit dem Laptop fast ein onlineartiges Gefühl – dann bricht das Netz hier am Ende der Welt zusammen. Es regnet immernoch in Strömen.

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Ein Kommentar

  • tommykrebs schreibt am Mittwoch, 16.11.2011 um 23:01 Uhr:

    so muss das sein…sonst ist es ja kein Abenteuer und man kann nach Mallorca fliegen.

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