Verloren im Dschungel

2212
2011
Do
9:59
Tag
1658
2163 views

Das Artistic Diving Resort sechs Kilometer südlich Sipalay ist ein echter Volltreffer. Es gibt ein günstiges Backpacker-Zimmer, aber alles andere ist recht nobel. Poolbar mit Blick aufs Meer – und richtig guter Musik. Kokospalmen und weisser Strand. Ein kleines Dorf in der Nähe. Hier sind nur Urlauber, und nur Pärchen. Alleine reisen ist schwer.

Ich muss was sehen, bin einfach keine Pool-Potatoe. Am Strand nach Süden. Eine riesige Treppe führt nach oben ins Nichts einer nie angefangenen Urbanizacion. Nach drei Kilometern hört der Weg auf. Ein kleiner Pfad führt in den Dschungel. Ich überlege kurz: Kein Hemd, kein Wasser, Mittagshitze. Dann marschiere ich los. Schlechte Entscheidung.

Nach einiger Zeit komme ich zur Hütte eines einsamen Waldarbeiters. Ich frage ihn, ob ich durch den Dschungel zurück zum Artistic Diving laufen kann. Er meint ja und weist mir eine Richtung, die meine innere Stimme als falsch erachtet. Sie hat recht. Eineinhalb Stunden später bin ich mitten im Dschungel. Pfad wird zu Bachlauf wird zu undurchdringlichem Dschungel.

Ich gehe nur so weit, wie ich mir sicher bin, den Weg zurückzufinden. Also bis hier. Der Schweiss läuft in Strömen, und das Herz pocht gut und schnell. Ich habe Durst. Gerade freue ich mich noch, dass ich tatsächlich die ersten 300 m zurück finde – der Pfad ist kaum sichtbar. Da bin ich auch schon verloren. Der Pfad ist weg, mehrfaches umdrehen bringt nichts ausser zusätzlicher Verwirrung ob der Marschrichtung.

Ich lerne: Wenn die Sonne fast senkrecht über dir steht, ist sie zur Navigation relativ wertlos. Grüne Hölle. Einerseits finde ich es recht amüsant, dass man nur circa zwei Kilometer neben einer Straße so dermaßen verloren gehen kann. Andererseits macht sich mit klebriger Zunge und aufkommenden ersten Krämpfen bei Puls 120 auch Panik breit. Ich versuche ruhig zu werden. Bleib stehen. Denke nach. Wie ging die letzte Folge von „Allein in der Wildnis“?

Alles Wasser fließt zum Meer. Ich folge also einer Senke. Die Sonne brennt auf die Schultern. Leichtes Kopfweh bestätigt saubere Dehydrierung. Dummerweise ist hier alles Karst. Wasser geht manchmal auch unterirdisch zum Meer. Das ist hier der Fall. Ich steh in einem Loch. Klettere über den hinteren Rand, schlage mich quer durch den Dschungel und stehe nach einiger Zeit unerwarteterweise wieder direkt vor der Hütte des Holzarbeiters.

Ab hier geht’s einfach. Runter zur Straße, selbiger über ein paar Hügel vier Kilometer folgen und runter zum Resort. Ich bin klatschnass. Dusche, Pool, der Puls beruhigt sich. Ein Liter Cola für den Blutzucker und ein Liter Wasser gegen das Kopfweh. Dumme Entscheidung heute. Aber gute Vorbereitung für den großen Plan in einigen Tagen.

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3 Kommentare

  • Dominik schreibt am Donnerstag, 22.12.2011 um 13:02 Uhr:

    Ich wünschte, dich begleitet manchmal ein Kamerateam! Ich glaub die Sendung würde einschlagen! ;-)

    Erstes Thema der Sendung: Zu was ist ein Kiter fähig und was treibt er, wenn er seit x Monaten kein Wind mehr hatte.

  • tommykrebs schreibt am Donnerstag, 22.12.2011 um 13:15 Uhr:

    Bear Grylls aus „Ausgesetzt in der Wildnis“ (DMAX) würde über deinen kurzen Ausflug nur müde lächeln. Erst hätte er diesen leckeren Hundertfüßler als Snack zu sich benommen und dann gegen den Durst sein Eigenurin getrunken.

    Jedes Mal wenn das im TV läuft schalte ich ganz schnell um. Zuletzt war er im Urwald in so ner großen Höhle und das erste was über die Wand krabbelte (ne große Spinne) hat er sich reingezogen. Buuuuäääähhhh…

    Happy Holidays, Frank. :-)

  • ff-webdesigner schreibt am Donnerstag, 22.12.2011 um 13:55 Uhr:

    @ tommy: eh klar
    @ dom: bitte ned, sonst würd ma ja sehn dass gar ned ganz so schlimm war…

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