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Tauchen auf Apo Island

Apo Island ist eines der besten Tauchgebiete der Philippinen. Riesenmantas, große Meeresschildkröten, blühende Riffe. Muss ich hin, klar. Harolds Mansion organisiert selbst relativ günstige Tauchausflüge. Nach vier Tagen Taifun-Pause sind heute neun Taucher dabei. Die Hälfte von ihnen kenne ich bereits von anderen Orten. Harolds Mansion ist ein echtes Backpacker-Central.

Nach einer Stunde Überfahrt mit Baumstamm-Warner am Bug kommen wir an. Der erste Tauchgang geht runter auf 28 Meter. Dicke Korallenwälder, steile Wände, 1000 Fische. Die Schildkröten und Riesenmantas hat anscheinend der Taifun weggeblasen. Ich tauche mit zwei Pekinesen. Beide atmen deutlich besser als ich. Ich hasse es, mit 120 Bar Restdruck nach 30 Minuten wieder oben zu sein. Heute wird’s anders.

Unser Guide betreibt Tauchen anscheinend als Extremsport. No Risk, no fun. Ich signalisiere ihm auf 25m: 80 Bar. Dann nochmal auf 20m: 50 Bar. Die Regel ist eigentlich: bei 50 Bar sollte die Dekompression in ca. 5m Tiefe erfolgen. Die Pekinesen haben noch 100 Bar Restdruck, als ich mit 20 Bar Restdruck die Dekompression beginne. Mit 10 Bar komme ich nach knapp einer Stunde oben an.

Der zweite Tauchgang verläuft ähnlich. Wieder runter auf 25m, wieder Steilwände, von feinem Staub bedeckte Korallenwälder, Moränen, Steinfische und große Schwärme bunter Papageienfische. Meine Pekinesen scheinen jeden einzelnen Fisch mit dem korrekten Handzeichen signalisieren zu können. Unheimlich. Dank dem Taifun ist die Sichtweite weit unter Standard. Sie schwankt heute zwischen 10 und 20m. Sonst sind hier 25-30m normal. Wieder keine Schildkröten oder Mantas. Aber ich darf früher rauf, hab dieses mal satte 30 Bar übrig.

Um auf Apo Island tauchen zu dürfen, muss man eine Parkgebühr zahlen, mit 5 Euro sogar recht heftig. Was die Philippinos damit machen? Keine Ahnung. Vielleicht schreckt es wenigstens ein paar Taucher ab. Ich bleib dabei: Wir sind so schwer und bewegen uns so grobmotorisch schnell in so großen Massen, daß keine Koralle jemals schnell genug nachwachsen könnte. Wer taucht, zerstört. Basta. Da können sie hundert mal die ökologische Ausrichtung des lokalen Tauchtourismus betonen.

Apo Island ist nett. Es gibt zwei kleine und recht teure Lodges. Aber einige Leute aus dem Hostel hier machen Homestays bei den Fischern dort, und das ist mit 200 Pesos = 3,50 Euro am Tag echt geschenkt. Ich kletter rauf auf den höchsten Berg. Am Leuchtturm hat man einen tollen Ausblick auf den Vulkan Balisasanyao auf Negros. Die lokalen Behörden rechneten nicht mit derart verheerenden Regenfällen. Obwohl sich jeder Depp ausmalen kann: Taifun aus Ost, zweithöchste Warnstufe. Direkt hinter der Stadt im Westen der steil abfallende Vulkan. Hätten sie nur etwas weiter gedacht, wäre der Schwager des Dive Masters hier vielleicht nicht mitten in der Nacht auf einer Insel im Fluss aufgewacht. Er hätte nicht durch selbigen fliehen müssen. Und sein fünfjähriger Sohn würde jetzt noch leben.

Der letzte Tauchgang ist was neues für mich: Strömungstauchen. Wir steigen am nördlichen Punkt von Apo Island in heftigen Wellen aus. Der Rest ist geilster Autopilot, nur ohne Stopp-Button. Rein in die Strömung und in bis zu 20m Tiefe über bunte Korallengärten, Felsen und Steilwände entlangfliegen. Die Strömung ist mit bis zu 0,5 m/s recht heftig. Solange man die Felsen rechtzeitig kommen sieht und sauber austariert passt alles. Ich will aber nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn man an einen Felsen geschleudert wird.

In der Strömung ist viel Kleinvieh. Nachteil: Sicht geht runter auf fünf Meter. Vorteil: Noch mehr kleine Fische. Und genau die werden dann von einem aus dem Dunkel auftauchenden Schwarm über einen Meter großer Riesenoschis (Jackfish – schaut aus wie Tunfisch) gejagt. Star Wars in Blau. Zuschauen und staunen. Ab und zu Felsen ausweichen.

Wie immer, wenn ich hier beim Tauchen oder auf Booten bin kommt natürlich mal wieder Wind auf. Heute ab Mittag bis zum Abend schöne 15-20 Knoten. Ich war trotzdem am richtigen Platz. Der Spaß wird unendlich, wenn ich wieder zum Kiten komm.



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4 Kommentare zu “ Tauchen auf Apo Island ”

apo island… köstlich, fast wie zuhause in rgb….
die apo is ne insel (schlechter witz!)
auf jeden fall, freu ich mich, dass dir gut geht, hatt ja kurz nach den taifun-berichten in den medien n schlechtes gefühl.
besser so,
du bist wohl auf, dann kann ich dir n frohes fest wünschen!
lg
michi

Kommentar von michi am 19.12.2011

hi frank,
ich hoffe ja immer noch, dass endlich mal was Verwertbares an kiterevier Info kommt.
Ein feedback zu deinen berichten möchte ich aber doch mal loswerden: die stellenweise recht abgeklärte Überheblichkeit in deinen Berichten geht mir schon etwas gegen den Strich. Ich denke, das liegt daran, dass ich noch nicht deine Erkenntnistufe eines echten Reisenden erreicht habe, die mir dieses scharfe interkulturelle Urteilsvermögen erlaubt.
Anyway, ich finde es gut, das du für uns alle berichtest und hoffe dass Du auch etwas kritisches feedback abkannst – du kannst meinen post aber auch gerne löschen.
Und wer weiss, vieleicht stösst Du ja doch noch auf Wind. Ich wünsche es Dir jedenfalls.
grüsse
thomas

Kommentar von Thomas am 19.12.2011

@ Tomas: das ist keinelei Erkenntnisstufe, einfach vollkommen ungefiltert und roh – so wie Reisen eben sein soll. Ja, teilweise überheblich. Meist an den Stellen, an denen ich Überheblichkeit brauch, um aus teilweise auch üblem Reisedreck rauszukommen.

Kommentar von ff-webdesigner am 20.12.2011

Ja teilweise hat es was von Überheblichkeit. Die exakten Angaben von Höhen, Tiefen und Breiten sind auch immer amüsant. Ich denke mir immer, Franks bester Freund ist ein Meterstab und er misst alles genau aus, auch unter Wasser ;) ;) ;) Ich mag das. Überheblichkite ist besser als Übelkite und hoffentlich bald kite ohne Zusatz, höchsens mit dem Wort kite“board“. Im Übrigen finde ich, wer ungefiltert und roh schreibt, darf auch ruhig rohes feedback zurück bekommen ;)

Kommentar von Dominik am 20.12.2011

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