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Porno-Party bei Mondfinsternis

Ich war tagelang verzweifelt. Nix passiert, nur Touristen, keine Reisenden, keine Geschichten. Ich errtappte mich dabei, nur zwecks der Kommunikation nach Zimmerpreisen zu fragen, die ich gar nicht brauche. Heute bricht unerwartet ein Porno bei totaler Vollmond-Finsternis über mich herein. Sodom und Genorrhoe im Paradies, revisitet.

Was ist passiert? Speedboat nach Bohol. Die Scheiben im 6kW-Discobus Tobol-Tagbilaran wären sauber von der Anlage weggefetzt worden – wären da je welche gewesen. Hotel La Roca, Erleuchtung nach Kukuks Nest. Aber nichts passiert. Egal wo ich hinschau, mir fehlt das zweite Paar Augen. Schreiben war einen Monat unerwartet leicht und kernig. Jetzt fühl ich mich mehr als nur halb blind.

Jeepney nach Panglao Island. Bohol ist reicher, schöner und sauberer als alle Inseln zuvor. Der Jeepney stellt trotzdem mit 52 Passagieren auf 16 Plätzen einen neuen Topscore auf. Ich will wenigstens am Dach surfen, aber der Jeepwart hat wohl Angst vor deutschen Anwälten. Wie wenig Wind auch immer, schon bald gibt’s keine andere Möglichkeit, als den Jeepney auf dem hinteren Bullenfänger mit den Händen festgekrallt am Dachgepäckträger zu surfen.

Citadelle Alona: Das WiFi rockt, ich arbeite. Zum Sonnenuntergang ein Erdinger Weizen am Strand. Ein paar Jünglinge besingen recht gut mit dem Arsch wackelnde Mädels mit Weihnachtsliedern. Als selbige in Bariton antworten wird mir klar, dass wohl deren Stimmbänder das einzige an ihnen noch nicht operierte Körperteil sind.

Im Hostel beschert mir das Schicksal den Schwedischen Schreiner Goran. Ich hab Tanduhay Rum, er Eis und Cola. Wir basteln uns ein Dreamteam. Seine Philippinische Frau verzockt sein Geld beim Kartenspielen, während sein Sohn virtuelle Couches in irgendeinem Online-Spiel kauft. Er hat derweil frei Haus. Ich bin ihm willkommen, er mir. Ein Norweger weist uns auf die gerade stattfindende totale Vollmond-Mondfinsternis hin. Ab da wird alles Porno.

Helmuts Bar. Alte Säcke, Alkohol, Syphilis und Gonorrhoe in netter Verpackung. Aids-Plakate hängen am Klo, und die Bedienungen haben definitiv mehr als nur eine Getränkekarte. Ich dränge schnell weiter. Goran ordert den nächste Drink in einer Bar am Alona Beach. Die Mädels hinterm Tresen werden eher für’s Arschwackeln denn für Drinks bezahlt, auch wenn einige glatzköpfige ins Bierglas sabbernde Deutsche das wohl anders beurteilen mögen. Ich will schon wieder weiter. Gibt’s hier noch irgendwas Wahres?

Ja! Ungefilterten echten Vollmond-Finsternis-Porno! Am letzten Disco-Tresen des Abends warten nochmal die Ladyboys vom Sonnenuntergang auf mich. Mein Männerrock bewahrt mich zwar vor deren Fummeleien, bringt mir aber dafür mehr als nur scharfe Blicke ihrer turbo-tuckigen Freunde ein. Dazu schärft er anscheinend meinen Pornographen-Zoom. Was sehe ich? Sabbernde Glatzen in einem Meer junger Philippinas. Tanzstil: Thriller, dezent spastisch angehaucht. Hoch die Hände, abklatschen:  „Yeah, this is so much fun!“. Frischfleisch-besabbernde Zombies mit Rotzenbremsen. Ja, das Wesen vor dir hat Brüste! Nein, auch hier kriegt man einen in die Fresse, wenn man vor dem Zahlen hingrapscht.

Ist es nun verwerflich, sich dermaßen darüber zu mockieren? Wenn ihr lacht: Nein! Ach Welt, danke! Wenn Du mir nicht ständig derart grandiose Bilder liefern würdest, wär’s viel schwer mir einzubilden, ich wäre Deiner Teil. Bis dahin versuche ich einfach gen drei Uhr morgens Herr über meinen Schluckauf zu werden. Ruhe wohl, werte Welt!



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