Mount Guiting-Guiting

0102
2012
Mi
11:47
Tag
1699
2410 views

by Mad Max. Mt. Guiting-Guiting, the toughest Mountain of the Philippines – dieser Berg fasziniert mich, seit ich ihn das erste Mal auf Boracay bei gutem Wetter vor über einer Woche gesehen hab, und das sind über 100km Entfernung. Die Tour erstreckt sich über drei Tage, ich will alles zusammen in zwei Tagen machen.

Ein tougher Zeitplan und vielleicht etwas Übermut? Wird sich herausstellen. Guiting-Guiting bedeutet soviel wie Schere. Der Gipfel, der spitz wie eine Schere aus dem Umland in den Himmel sticht hängt allerdings im Nebel. Nach unserer sonnigen Mopedtour die letzten Tage könnten wir allerdings Glück haben mit dem Wetter. Ich nehme Franks Angebot gerne an und verfasse den Bericht über den Berg, nachdem sich unsere Wege für zwei Tage getrennt haben.

Mein Guide teilt mir mit, dass noch einer weitere Gruppe am Montag den Mt. Guiting-Guiting besteigen will und dass am Abend davor Teambesprechung ist. Ich komme mit und stelle fest, dass das eine Gruppe von neun Bergsteigern plus sechs Guides und Trägern ist. Die Gruppe nennt sich „Hike for Light“ und verteilt Solarbetriebene Taschenlampen an Guides in den philippinischen Bergen. Einer der Sponsoren ist „Stiftung Solarenergie“ aus Deutschland.

Unter ihnen ist auch der erste Filipino, der den Mt. Everest bestiegen hat. Ich kann mir seinen Namen nicht merken, aber habe eine nette Plauderei mit ihm über seine Expedition auf das Dach der Welt vor sechs Jahren. Die Gruppe spricht gut Englisch, im Gegensatz zu den Guides.

Die Gipfelbesteigung ist wie gesagt eine drei-Tages-Tour:
Tag 1: Start von Meeresniveau auf Mayo’s Peak (1500m ü.NN), Übernachtung im Zelt.
Tag 2: Gratwanderung zum Summit des Mt. Guiting-Guiting (2058m ü.NN) und zurück zum Camp.
Tag 3: Abstieg vom Camp
Ich will Tag zwei und drei auf einen legen, sodass sich eine zwei-Tages-Tour ergibt.

Treffpunkt ist um sechs Uhr bei einem der Guides. Ich bin bereit. Alle sind da. Aber noch nicht fertig. Ich warte bis 7.15. Nachdem die Leute immer noch hin- und herpacken und teilweise frühstücken geht mir die Geduld aus und ich mache mich mit meinem Guide Jerry alleine auf den Weg.

Jerry hat kein Gepäck – aber Badeschlappen an. Ich frage ihn, ob er ernsthaft in den Schlappen hoch will. Er grinst nur, versteht kein Wort. Komischer Typ. Ein paar Häuser weiter holt er seinen Rucksack und seinen Sohn Chad. Ich bin überrascht. Da muss wohl der Sohn herhalten zum Schleppen. Aber ihm ist hoffentlich klar, dass ich nur den Guide zahle, so war’s schließlich ausgemacht.

Der Aufstieg beginnt über einige Kilometer Wanderung zwischen Graslandschaft und Reisfeldern, zwischen Kühen, Ochsen und etlichen Chickens. Es gackert, grunzt und muht fröhlich, alle sind bester Laune. Zumindest ich, denn mit dem Guide und seinem Sohn kann ich ja nichts reden.

Die Schuhe werden nach fünft Minuten nass – und bleiben dies auch die nächsten zwei Tage. Der ganze Regenwald ist schlammig, rutschig, lehmig und es gilt einige Flussläufe zu überqueren. Nach oben hin wird’s zunehmend steiler und man muss eher klettern als wandern. Nach etwas über fünf Stunden ist Mayo’s Peak und damit das Camp erreicht.

Das Camp ist im Prinzip der Waldboden. Die Guides stellen das Zelt auf. Es gibt gar keine gerade Fläche. Überall Wurzeln. Der Guide kocht Reis, wir öffnen ein paar von den Wurstdosen. Schmeckt eklig. Nachmittags kommt die Sonne raus und ich sonne mich auf dem Gipfel des Mayo Peak. Es ist angenehm warm.

Die Hike-for-light-Gruppe kommt zwei bis vier Stunden später an. Gut, dass ich mein eigenes Tempo gelaufen bin. Nachdem alle neun Zelte stehen genießen wir den Sonnenuntergang vom Mayo Peak. Es ist fast wolkenlos. Vermutlich das erste Mal seit Wochen. Was für ein Glück. Und dieser Sonnenuntergang. Waaaahnsinn! Man sieht bis nach Mindanao und Mt. Mayon, der aktivste der philippinischen Vulkane, ist auch sichtbar.

Die Nacht ist sehr kühl. So kühl, dass ich nicht schlafen kann. Keine Minute. Wir teilen uns das Zelt zu dritt. Kein Schlafsack. Keine Isomatte. Und gefühlte zehn Wurzeln unter mir. In allen Positionen ist es unbequem. Und saukalt, ich friere vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Die zwei Guides schlafen friedlich, auch ohne Decke.

Wake-up um sechs Uhr. Ich bin erstaunlich fit für die Nacht. Mein Guide kocht warmes Wasser für eine Instant-Nudelsuppe, er selbst isst nur Reis und eine weitere Dose dieser ekligen Dosenwurst. Ich geh die fünfzig Meter zum Gipfel – es ist atemberaubend. Wolkenlos, Morgengrauen, der Gipfel des Mt. Guiting-Guiting als Silhouette und eine unglaubliche Fernsicht. Und mir wird bei diesem Anblick bewusst, wie steil dieser Aufstieg sein wird.

Nach erster Verköstigung oder sagen wir, Nahrungsaufnahme, verabschiede ich mich von der anderen Gruppe. Ich will eigentlich mit denen zusammen hochlaufen, aber nachdem die wieder so rumtrödeln und wir auch vor Sonnenuntergang unten sein wollen entscheide ich mich für einen Aufstieg nur mit den zwei Guides.

Der Pfad führt zuerst etwa 200 Höhenmeter hinab über die Knife’s Edge. Dieser Grat geht auf beiden Seiten sehr steil nach unten. Es ist auch kein Wandern, es ist vielmehr Klippensteigen. Die Klippen sind so scharfkantig, dass ein einziger Fehltritt mindests eine heftige Blutung verursachen würde, vielleicht sogar Knochenbrüche. Teilweise gibts Überhänge, an denen man sich entlang hangeln muss. Ein Blick nach unten teilt mir freie Sicht auf ca. 20m mit. Nicht gut. Nicht nachdenken.

Richtung Summit wird’s nochmal heftiger, es geht mit 45-60 Grad Steigung nach oben. Wenn man fällt, kann’s sein man hält nicht mehr an, sondern kullert über die Klippen nach unten. Nicht drüber nachdenken. Nebel zieht auf und der bleibt auch bis zum Gipfel.

Ein kleiner Rinnsal dient als Wasserquelle, wir füllen die Flaschen. Für die letzten hundert Meter gehts fast senkrecht nach oben, ich lass meinen Rucksack am Fels. Der sogenannte Kiss-the-wall ist praktisch fast senkrechtes klettern. Natürlich ohne Sicherung. Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, hätt ich’s vielleicht nicht gemacht.

Der Gipfel des Mt. Guiting-Guiting ist ziemlich langweilig, ein kleines Plateau. Überraschend flach, nachdem es von allen Seiten sehr steil nach oben geht. Nach zwei Minuten will ich den Abstieg antreten, denn es gibt es nichts zu sehen. Sicht ist nur ein paar Meter.

Der Abstieg ist nicht weniger anspruchsvoll. Durch den aufgezogenen Nebel sind nun alle Klippen auch noch rutschig. Ungefähr auf halbem Weg zurück treffen wir die Hike-for-light Leute, die kurz nach uns losgezogen sind. Echt langsam die Truppe. Einen der Bergsteiger haben sie zurückgelassen. Er hatte noch eine Fotoausrüstung dabei und meinte, er sei am Ende seiner Kräfte und bremst die Gruppe aus. Er war allein.

Mein Guide will ihn mit uns zum Camp mitnehmen – aber er ist unglaublich langsam. Ich überlege hin und her, ob wir ihn zurücklassen sollen, weil sonst die Zeit nicht reicht, oder ob wir sozial sein sollen. Wir waren ca. 45 min sozial.

Im Camp brechen wir alles ab, befüllen die Rucksäcke wieder mit allem, was wir nicht auf dem Summit gebraucht haben und beginnen den Abstieg. Alles rutschig und lehmig und glitschig. Die Arme und Beine sind mit blutigen Kratzern versehen, weil einige Exemplare der Flora in die Haut schneiden.

Wir schaffen’s zurück um kurz nach Sonnenuntergang. Meine Beine sind total am Ende. Aber ich bin glücklich, dass mir nichts passiert ist, dass wir keinen Regen hatten und dass ich jetzt zwei Hamburger vor mir habe. Aufstieg waren fünf Stunden, Gipfelsturm 3,5 Stunden, Abstieg Sieben Stunden.

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Ein Kommentar

  • Dominik schreibt am Montag, 6.2.2012 um 14:40 Uhr:

    Super Bericht Mad Max! hey und mit den ganzen präzisen Angaben von Metern und Grad merkt man gar keinen wirklichen Unterschied zu Frank! ;)

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