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Jeepney-Surfen

Ich liege auf dem Kitebag am Rande einer wenig befahrenen Straße und schaue in den Himmel. Hinter einem großen Ficus ziehen Wolken vorbei. Neben mir sitzt die lokale Mopped-Gang im Schatten des Palavers. Kücken fiepen, Hennen gackern, Hähne schreien. Kinder lachen, Mädchen singen, Männer streiten. Ein Schwein grunzt. Der Wind raschelt in den Blättern der Bäume.

In der Schule nebenan unterrichten die Lehrer. Im Dorf spielt ein Radio philippinische Evergreens. Ein Hund bellt. Die ausgebüchste Ziege frißt die Blumen vor der Kirche. Der Polizist schmeisst einen Stein nach ihr. Vögel zwitschern. Das Reisfeld wiegt im Wind. Eine Frau hängt Wäsche auf. Den Jeepney hört man Dank seines Motors lange bevor man ihn sieht. Alles ist: gut.

Die Economy Class im Unterdeck ist heute voll. Für den zweistündigen Ritt nach San Augustin im Norden von Tablas gönnen wir uns die Business-Class auf dem Sonnendeck. Das Jeepney-Surfen auf der teils unbefestigten Straße in 2,5m Höhe ist anfangs etwas zittrig. Aber im Endeffekt das gleiche wie Kiten: man gewöhnt sich an jede Bedingung. Ab und zu wedelt dir eine Palme an den Kopf. Aber das war dann auch schon das gefährlichste.

Auf dem Dach liegen Reissäcke, Sonnenschrime, Stühle, zwei Kitebags und wir. Die Sonne knallt, und die Sicht ist grandios: links das blaue Meer, rechts hohe Berge und Palmen. Synfonie in Grün und Blau. Schulkinder steigen mit auf’s Dach und ganze Dörfer winken. Wir sind wieder weg von den Massen. Es tut unendlich gut.

Wieder mal versucht uns ein Jeepney-Pirat abzuzocken. Max fragt nach dem Preis, der Pirat nennt einen viel zu hohen. Ich schieb meine Sonnenbrille etwas die Nase runter und schaue den Piraten grinsend über den Rand an. Sage ein paar Worte. Dann will er den normalen Preis. Piratenschlag. Ich bin hier angekommen.

Die Überfahrt nach Romblon ist heute ruhig. Im Hafen stürzen sich Träger auf’s Gepäck. Ich haue mir wieder mal heftig den Schädel an und werde bei der siebten Anfrage “Need porter, Sir?” aggresiv: “NO!!!”. Der Träger zuckt zusammen, wir schleppen unser Gepäck selbst. Im Grunde sind die Träger fleissige Bettler. Sie haben nichts, wollen aber auch nichts ohne Gegenleistung. Fragt mich bitte nicht mehr, wenn mein Schädel blutet!

Das Essen im Romblon Deli ist gut wie immer, aber Dave hat leider keine Zimmer frei. Sind gerade alle dicht mit der nächsten Exportfuhre Marmor. Also Internet, Wind checken. Nichts ausser Regen, für einige Tage. Ich atme auf. Brauch ‘ne Pause. Ein Wolkenbruch setzt mich einige Zeit im Deli fest. Dann ab auf’s Zimmer, kurz schlafen und mit der Montenegro RoRo-Fähre am frühen Morgen weiter zur nächsten Insel.



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