Inselhopping südlich Coron

2211
2011
Di
14:01
Tag
1628
2493 views

Der Tag beginnt wieder viel zu früh. Montezumas Faust spielt Kniffel mit meinen Eingeweiden. Wir machen heute eine Tour auf die 25km südlich von Coron gelegenen Inseln Malcapuya, Banana Island und Bolog Island. Die zehn Meter-Bangka braucht für die Anfahrt 1,5 Stunden. Mit uns ist nur noch ein junges Phlippinisches Pärchen unterwegs.

Die Reste des Nachtwinds bescheren uns jetzt einen Meter Seegang. Genug, um die Gischt in Fontänen über das gesamte Deck zu schleudern. Alles wird nass. Wir bewegen uns im relativen Schutz der Inseln des Archipels. Vielleicht ganz gut, dass wir doch keine Bangka 160km nach El Nido bekommen. Im Internet kreisen etliche Horrogeschichten von zweieinhalb-Meter Wellen, verlorenem Gepäck, 30 Stunden Trips und Havarien.

Am späten Vormittag kommen wir auf Bolog Island an. Zwei Felsen mit Bäumen drauf, 20 mal fünf Meter Sandstrand dazwischen. Auf der Insel nebenan wird ein Luxusresort errichtet. Der Wind kriecht mittlerweile leider nur noch mit 10 Knoten über das Meer. Das reicht nicht zum Kiten. Mein Board liegt angepisst am Strand, und im Kitebag findet gerade sowas wie eine blutige Revolution statt. Die Windrichtung stimmt ohnehin nicht, kommt aus Ost, und dort sind zwischen den spitzen Felsen und Bäumen gerade mal fünf Meter Sandstrand. Unsere Bangka hat einen Maschinenschaden. Die Guides kriegen das binnen einer Stunde wieder hin.

Nach einer kurzen Überfahrt auf Banana Island knickt mir der Kreislauf ein. Montezuma schleudert mich ins Reich der Träume. Uli ist entzückt von den hunderttausend bunten Fischen direkt am Strand. Weisser Sand, blauer Himmel, grüne Palmen, bunte Fische. Unsere Guides servieren Mittagessen. Krebse, Seegras-Salat, ein Riesenoschi von einem Fisch und gesalzene Ananas.

Das Phlippinische Pärchen gibt einige interessante Infos. Das Durchschnittseinkommen liegt hier bei gerade mal 150 Euro im Monat. Das Geld aus dem Tourismus bekommen die wenigen Reichen, die z.B. in Boote investiert haben. Es gibt keinerlei Sozialsystem, nur die Familie. Bei den Guides kommt praktisch nichts an. Die Lebenshaltungskosten sind dagegen verglichen mit Deutschland verdammt hoch. So kostet z.B. ein Liter Benzin einen Euro. Nur die Iphones sind mit ca. 300 Euro etwas günstiger. Danke, Steve!

Der Strand auf Banana Island wäre schon zum kiten geeignet – vorausgesetzt der Wind käme aus einer Richtung zwischen Nordost und West. Oder überhaupt. An praktisch jedem Platz der Welt südlich von Spitzbergen ist die Sonne der Motor des Windes. Sprich: gegen Mittag hackt’s, früh und abends ist der Wind viel weniger. Hier auf Coron ist der Wind schon seit Tagen genau andersrum: Am Abend kommt Wind auf, in der Nacht stürmt’s bockig, am Morgen wird der Wind wieder schwächer. Zur Mittagszeit sitze ich auf dem paradiesischen Strand von Banana Island und schrei das brettflache Meer vor mir an.

Wir fahren weiter nach Malcapuya Island. Der Beach blickt nach Süden und wäre ebenso groß genug zum kiten. Jede Insel kostet hier Eintritt, für Philippinische Verhältnisse recht heftig sogar. 3,50 € bringen aber auch Strände, die so dermaßen piccobello hergerichtet sind, dass sie einem fünf Sterne Resort würdig wären. Sand geharkt, Palmen von Riesenmuscheln eingerahmt, Sitzplätze und Liegen, Hängematten und Kokosnüsse. Hängematte! Rein! Und weiterschlafen. Man könnte das Verschwendung schimpfen. Ich nenne es meinen ersten entspannten Urlaubstag nach heftiger Reise.

Eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang machen wir uns auf den Rückweg. Der Himmel glüht, obwohl es recht bewölkt ist. Erst im Windschatten der bis zu 300 Meter fast senkrecht aufsteigenden Steilwände von Coron wird der Seegang wieder erträglich. Ich muss mir eingestehen, dass es eine vollkommen bescheuerte Idee war, hierher zum kiten zu kommen. 99% der Küstenlinie des gesamten Archipels von Coron sind Wald auf Fels bis direkt ans Meer. Hiervon verlaufen wiederum ca. 50% eher vertikal denn horizontal. Das verbleibende 1% Sandstrand ist meist recht klein, liegt oft in der Windabdeckung hoher Felsen oder gleich einer ganzen Insel – und gehört meist zu einem Resort.

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8 Comments

Tanja

Herrlich! Das entschädigt euch für die vorangegangenen Strapazen oder? :-) Genießt es! Viele Grüße aus der kalten Heimat…

Dominik

Wow sind das Bilder… genial! Aber kein Wind, ich würd durchdrehen, ausflippen und wär vielleicht sogar ein klein wenig aggressiv. Oder gibts dort Haie dann wär ich wieder ganz schnell beruhigt?!

Schöne Grüße an deine Liebste und ich wünsch ihr ganz viel Spass beim tauchen!

tommykrebs

Also, 160km in einer Nussschale übers offene Meer…so lebensmüde sind glaube ich noch nicht einmal afrikanische Flüchtlinge. Sieht sehr nett dort aus wo ihr jetzt seid und Sauberkeit hat wohl seinen Preis.

Schade das du nicht kiten kannst und wenn man die Zeit nicht anders weitig mit der Freundin oder Tauchen verbringen kann wird’s halt schnell langweilig.

ff-webdesigner

@ Dom: Haie gibts, ganz klein, die fressen nicht uns sonder wir sie. Ja, kein Wind nervt, aber hey, 3 Monate sind 3 Monate. Werd scho!

@ Thom: nope, weil kiten viel aber nicht alles ist. Mit wär’s feiner, ohne ist’s fein.

Iris

Hi! Toller Blog, gefällt mir und da ich in 2,5 Wochen auf den Philippinen bin, sehr interessant für mich.
Bin auch zum Kiten dort. Erst ein paar Tage Boracay aber dann will ich unbedingt Richtung Coron / Banana Island etc. Ich weiß, du/ihr hattet Pech mit dem Wind, aber dennoch: Würdest du die Gegend empfehlen? Also auch zum Kiten? Oder sollte man woanders hin?
Wünsche dir noch eine grandiose Zeit und würde mich sehr freuen, wenn Du mir den einen oder anderen Tipp verraten würdest.
Gruß Iris

ff-webdesigner

Hi Iris, Coron zum Kiten: nein. Die Inseln draussen teuer zu erreichen und noch teurer zum bleiben. Wenn überhaupt: Daytrip, aber auch der kostet zu den guten entfernten schon 1200 p.p. Mach lieber Inselhopping im Bacuit Archipel, da kannst auch günstig am einen Tag auf ne einsame Insel, 200p pro Nacht, Selbstverpflegung, Kiten, nächster Tag weiter. Generell gut: Carabao, San Jose. Tablas, Aglicay (traumhaft!), Romblon, Bonbon Beach (selten guter Wind). Derzeti bin ich in nem Baumhaus am Strand von Magdiwan, Sibuyan…geht nachher noch was denk ich. Palawan ist schwer zu erreichen, du musst von Caticlan runter nach Iloilo, dauert wenigstens 5h bis dort, dann 1 Tag Schiff. Mach nen Zwischenstopp auf Cuyo, das muss richtig geil sein. Wir checken demnächst noch Bulalacao, Süd Mindoro. Hab höchste Erwartungen.

Iris

Hej, cool, vielen lieben Dank für die Tipps ;-) Viel Spaß noch!

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