D-Day @ Sabang Underground River

0312
2011
Sa
22:00
Tag
1639
2214 views

Um 7 Uhr morgens fahren wir an der Ostküste Palawans mit der Bangka gute 2h nach Süden. Ziel ist der Sabang Underground River, der längste befahrbare unterirdische Fluss der Welt. Der Seegang ist mit über zwei Metern heftig, genauso wie der Shorebreak am Beach. Der Captain spielt D-Day: Vollgas an den Strand, feindlche Bangka fast versenken, herbeieilende Helfer beinhahe plätten, Landungsklappen runter und „GO! GO! GO!“

Ich erwarte schweren Beschuss, sehe aber nur Unmengen an Fotos schießenden Touristen. Welterbe, wieder mal. Schwimmwesten an, Helme auf, Fraggles-Song trällern in der Warteschlange, ab mit dem Boot in den Untergrund. 1,5 km mit dem Paddelboot durch bis zu 65 m hohe Tropfsteinhöhlen voller Fledermäuse. Draussen warten Warane und Affen.

Der Shorebreak ist inzwischen noch heftiger. Unser Captain hat noch nicht genug von Operation D-Day. Er nimmt er nochmal Anlauf einen Feind zu versenken. Er erwischt mit der Zehn-Meter Bangka eine große Welle und surft sie auf Kollissionskurs. Zu dritt wehren wir den Angriff in der Brandung erfolgreich ab. Die Bangka reisst mich um, ich lande mit allen Klamotten in den Wellen und selbige nach zwei weiteren Anläufen über dem ganzen Deck und dem dortigen Gepäck. Mein Kitebag ist anscheinend gut wasserdicht.

Der Captain hat’s eilig vom Strand wegzukommen. Lauter Feinde hier. Irgendwo weit draußen am Meer scheint ein Sturm zu toben, diese Wellen sind nicht normal. Wir fahren rüber nach Sabang City. Dort misslingt auch der dritte Versuch, den Feind zu versenken. Alles Gepäck tragen wir über 30m Korallenfelsen an die Mole. Dabei schneidet sich eine mitreisende Schwedin übel den Fuss auf.

Sabang ist klein und schön! Ein ein Kilometer langer ca. 30 m breiter Sandstrand, exponiert voll nach Norden. Im Osten und Westen wird Sabang von hohen Karstbergen eingerahmt, was einen netten Düseneffekt geben sollte – wenn denn da mal endlich Wind wäre. Die Fahnen schlabbern in drei Knoten vor sich hin. Ein paar Palmen, günstige Unterkünfte und hunderte von Vans mit Tagestouristen aus der Hauptstadt Palawans. Das Wasser ist leer, die rote Flage gehisst. Wir suchen eine Hütte und stürzen uns in die mittlerweile bis zu 2,5m hohen Wellen. Die Geräuschkulisse erinnert an entfernte Kanonensalven. Die Strömung am D-Day ist heftig.

Wir schlafen kurz. Auf einmal sind alle Tagestouristen weg. Sabang ist wie ausgestorben. Totenstille. Die Dorfjugend spielt Basketball. Essen und der Entschluss, schon morgen weiterzureisen. Wir haben noch nichts ausgesucht, weil es die letzten fünf Tage auf den Inseln kein Internet gab. Ich klink mich via Handy ins Netz. Es morst mit 0,1 kB/s. Wir wechseln ins benachbarte Resort mit Zimmern jenseits der 400 Euro-Marke. Das WiFi tröpfelt mit 1,2 kB/s zum surrealen Preis von 2,50 €/h.

Ich bin schwer angepisst. Uli reist in drei Tagen ab. Ich muss die danach anstehenden Arbeiten an Homepages vorbereiten. Selbst in Fiji hatte ich schon vor vier Jahren deutlich bessere Verbindung. Internet auf den Philippinen war bisher ein einziges Grauen in Zeitlupe. Diesen kompletten Artikel schreibe ich während des Abrufens von 918.4 kB Emails. Dann warte ich noch eine halbe Stunde und gebe beim Stand von 50 kB auf.

Das ist nicht Hummeldumm, sondern ganz schlicht und einfach so, als würde man einem Schneider alle Fäden nehmen. Ich könnte kotzen!

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2 Kommentare

  • tommykrebs schreibt am Sonntag, 4.12.2011 um 14:17 Uhr:

    Ahhh… endlich kommt bei dir die richtige Reisestimmung auf. Die hatte ich schon vermisst. ;-)))))

  • ff-webdesigner schreibt am Montag, 5.12.2011 um 2:45 Uhr:

    Hmmm…eigentlich nicht ne Stimmung mit der ich Reisen will…Vorteil: 5kB/s in Puerto Princesa erscheinen jetzt wie Lichtgeschwindigkeit

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