Bacolod, Fixdreck!

2612
2011
Mo
13:51
Tag
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Seit Tagen versuche ich von der Nationalparkbehörde die Erlaubnis und Führer zum besteigen des 2500 m hohen Vulkans Mount Canlaon in Nord-Negros zu erhalten. Harold leitet mich zu Marissa leitet mich zu Jim leitet mich zu Julie und Angelo. 20 SMS bringen mich keinen Schritt weiter. Ich fahre ohne die Erlaubnis ab. Im Bus sagt mir ein Einwohner des letzten Orts vor dem Vulkan: Ich muss zuerst in die Hauptstadt Bacolod.

Der Ceres Bus dorthin ist übervoll. Sechs Stunden Fahrt mit 15 cm fehlende Sitzbreite und 10 cm negative Beinfreiheit schlauchen schwer. Ich stehe auf und hau mir den Schädel heftig am scharfen Ende der zu niedrigen Haltestange an. Platzwunde. Die letzten 100 km stehe ich halb aus der Tür hängend auf der Treppe – wenigstens aufrecht.

Das Wetter war die letzten Wochen fast immer gut. Sogar Taifun Washi brachte nur wenige Stunden Regen. Jetzt schifft’s in Strömen. Den ganzen Tag. Sauber staubpaniert aus dem dreckigen Reserveradkasten hinten im Bus schmeisst ein Helfer in Bacolod meinen Kitebag in den Dreck. Jetzt schaut er endgültig aus wie ein Schnitzel. Das Grinsen des Bushelfers entblößt üble Zahnlücken. Dann hält er die Hand auf.

Die Habal-Habals kosten auf Negros drei mal mehr als in allen anderen Teilen der Philippinen. Wahrscheinlich dachte deswegen schon unser Fahrer am Morgen „Naja, dann kommts auf weitere 50% Deppenaufschlag auch nicht mehr drauf an.“. Recht hat er, als einziger Fahrer weit und breit. Jetzt in Bacolod fährt mich ein weiterer überteuerter durch den Regen zur Provinzregierung.

Ich bin endlich da. Das Büro der Nationalparkbehörde nicht. Sie schicken mich in ein anderes Gebäude. Hier ist es natürlich auch nicht, aber die netten Beamten zeichnen mir eine halbe Stunde eine detailreiche Karte – bis sie meiner dritten Bitte nachkommen, doch einfach ein Kreuz in meine Karte von Bacolod zu setzen. Es regnet weiter, ich bin nass genug. Taxi.

Das dritte Gebäude stimmt endlich. Im PENRO arbeiten 30 Beamten Seite an Seite in einem mit Papierhaufen gepflasterten Großraumbüro. Sie schauen mich und mein Schnitzel auf Rädern so komisch an, wie es sich gehört. Dann überbieten sie sich gegenseitig mit Hilfsbereitschaft. Wirklich sehr nett. Sie verstehen aber nicht, daß ich nach dieser Busfahrt das Stuhlangebot wirklich nicht annehmen kann.

Der zuständige Beamte Angelo ist nicht da, aber das wäre kein Problem, meint eine erkältete Philippina. Sie schreibt ihm eine SMS, die Antwort käme gleich. Knapp eine Stunde später ist sie noch immer nicht da. Ich gebe endgültig auf. Kein Sonnenaufgang am Vulkan, nach einer Nacht im Zelt auf 2200 m. Stattdessen wieder Sonnenuntergang in einer weiteren versifften Großsstadt. In dem Wetter hätte es eh keinen Sinn. Zwei Taxinummern sind belegt, ich muss ein gutes Stück mit Rollschnitzel durch den Regen laufen.

Ich will nicht, daß der kleine Straßenjunge mir ein Taxi herpfeifft. Das kann ich selber. Und genauso wenig kann ich nichts geben, wenn jemand mehr als nur bettelt. Der Taxifahrer hält mich für Vanilleeis. Ich biete ihm an, hinzuschmelzen, würde er die Klimaanlage nur 20 Grad nach oben regeln. Er ignoriert das. Im Hotel. Ich hock am Klo als ich merke: kein Papier.

Ich spüre eine zunehmende Dissonanz zwischen meinem Körper und meinem Geist. Also lauf ich durch den Regen zu Mac Donalds. Bisschen Drecksfrass, und schon sind Körper und Geist auf einem Niveau. Die Frau vor mir bestellt für einen 27-köpfigen Kindergeburtstag. Meinen erfreuten Ausruf „Bacolod, Fixdreck!“ deutet sie trotz fehlendem Vokabular goldrichtig.

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2 Kommentare

  • mom schreibt am Montag, 26.12.2011 um 14:24 Uhr:

    das ist vielleicht ein mist… schnizzel, regen und so nen abartigen fraß! das wär was für mich an weihnachten. schade, dass es so lief aber du findest auch noch schönes….mom

  • tommykrebs schreibt am Montag, 26.12.2011 um 15:08 Uhr:

    Nun wenn ich ehrlich bin: Tauschen möchte ich nicht. Ich lieg auf meinem Sofa, genieße meinen Golf freien Tag und schaue ein wenig NBA-TV. Und gleich mache ich ein Nickerchen. :-)

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