Rucu Pichincha / Cotopaxi Downhill

2710
2017
Fr
23:08
Tag
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Auf der Panamericana II kam mein Vulkanfetisch wegen der Windbegeisterung meiner Mitreisenden leider etwas kurz. In Ecuador lässt sich das jetzt einfach korrigieren: von 84 Vulkanen sind 25 aktiv, und der Rucu Pichincha liegt mit seinen 4.650 m direkt am Stadtrand von Quito. Mit dem Bus geht’s zur Gondel und für wenig Geld rauf auf 3.900 m.

Ein hochalpiner Freund berichtete von schlimmer Höhenkrankheit. Weder in der Tal- noch in der Bergstation gibt es Wasser zu kaufen – und die Vorhersage mit schweren Gewittern scheint heute ausnahmsweise mal zu stimmen. In den Wolken um den Gipfel haben sich vor einiger Zeit zwei Bergsteiger verlaufen. Sie wurden nur noch tot gefunden.

Auch heute liegt der Gipfel des Vulkans Rucu Pichincha in Wolken. Aber der Weg über 750 Höhenmeter davor ist größtenteils frei und relativ einfach. Mit ein paar jungen Münchnern, die ganz offensichtlich ein paar Cocablätter zuviel erwischt haben mache ich mich ohne Wasser auf den Weg. Sie dampfen in kürzester Zeit mit einem irren Tempo und kleine Staubwolken hinter sich herziehend Richtung Wolken ab.

Mir macht die Höhe ab ca. 4.100 zunehmend zu schaffen. Die Schritte werden immer kleiner. Während meine Aufstiegs folgt mir die ganze Zeit ein narzistisch veranlagter Caracara, eine kleine freche Condor-Art. Er landet mehrfach direkt vor meinen Füssen und posiert mit links/rechts drehendem Kopf minutenlang für die besten Fotos.

Auf 4.400 m sinkt die Schrittlänge nach zwei Stunden auf unter einen halben Fuss. Von oben drücken sinkende Wolken auf den Gipfel des Rucu Pichincha, von unten quetscht mich der steigende Luftbedarf ein. Ich bin zufrieden und kehre um. Ein jodelndes Kiter-Knie erinnert an die Bayerischen Gene. Der Rückweg wird lang. Erst am Abend merke ich, wie sehr mich die Höhe ausgelaugt hat. Während eines höllisch lauten Gewitters schlafe ich im Restaurant vom El Cafecito auf’s Essen wartend ein.

Am nächsten Tag schließe ich mich einer geführten Tour auf den mit 5.900 m höchsten aktiven Vulkan der Welt, den Cotopaxi an. Aktiv ist in seinem Fall relativ. In den letzten 300 Jahren bewies er ein exzellentes Taktgefühl mit 50 regelmäßigen Ausbrüchen Jahre. Seit einiger Zeit ist er überfällig zumindest wenn man die 8 km hohe Aschewolke von 2015 nur als Generalprobe bewertet.

Früh morgens geht es mit einer bunten internationalen aber leider auch hummeldummen Gruppe gute zwei Stunden im Bus nach Süden. Tommy Jaud hätte nicht nur mit dem Selfi-Wixi-Stixi schwingenden Inder seine helle Freude gehabt. Mir geht die Vollpfosten-Kolonade einfach nur einen ganzen Tag tierisch auf den Sack.

Der vergletscherte Gipfel des Cotopaxi strahlt zunächst noch in der Sonne. Bis zu unserer Ankunft im Nationalpark verschwindet er leider komplett in den Wolken. Gigantische Felder von Vulkanasche werden von tiefen Canyons durchzogen. Mit dem Bus geht es durch karge Mondlandschaft rauf bis auf 4.500 m.

Ich hab wohl doch noch einen leichten Höhen-Hau von gestern. Über das sehr steile Vulkanasche-Feld schaffe ich es heute nicht bis zur Hütte auf 4.850 m. 200 m unterhalb des mächtigen Gletschers setze ich mich im Schneetreiben hin und schiebe einen äußerst angenehmen „Wolken bewegen sich und malen Sonnenlöcher auf Mondlandschaft“ Trip.

Das Highlight ist heute definitiv der darauf folgende elf Kilometer lange Downhill-Mountainbike-Ritt von 4.500 m runter zur Lagnua de Limpiopungo auf ca. 3.700m. Die Piste ist dank Regen eine einzige glitschige Waschbrettpiste durch Wolkenfetzen – und die Bikes nicht wirklich gut. Mad Max meets Bladerunner. Zusammen mit einem Kiwi komme ich nach gut 20 Minuten als erster unten an. Wir schauen uns an und brechen im gleichen Moment in Lachen aus. Daheim schaffe ich mit viel Glück mal ein Streifenhörnchen beim Mountainbiken. Hier und heute sind wir einfach nur 100% Schlamm-Monster.

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2 Kommentare

  • Peter Woelky schreibt am Sonntag, 29.10.2017 um 11:23 Uhr:

    Hi, Frank. Gruß aus der nasskalten Oberpfalz. Super Berichte. Weiter viele gute Erlebnisse und pass auf dich auf.

  • Kerstin schreibt am Sonntag, 29.10.2017 um 15:22 Uhr:

    Toller Bericht. Lässt träumen..von Höhe und Nebel und Matsch und wunderschönen Grenzerfahrungen.
    Regensburg ist grau und nass bei Windstärke 10. Ich glaube du könntest auf dem Teich vor meiner Terrasse ohne Probleme kiten. Ich genieße das herrlich schroffe Wetter eingekuschelt von drinen:)
    Pass auf dich auf.

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