Deiche brechen richtig

1810
2017
Mi
23:25
Tag
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Als ich 2007  von Seattle bis Los Angeles auf dem Highway Nr. 1  unterwegs war, hatte ich keine Pläne daraus eine Serie zu machen. 2015 ging es  mit wertvollen Reisefreunden 10 Wochen durch 10 Länder und unglaubliche Geschichten von Panama bis Mexico. Dieses Jahr wird es eine Serie. Ab 24. Oktober reise ich für drei Monaten 15.000 km über Land von Ecuador bis Patagonien.

Die Heimat ist fremd. Man sagte  mir gerade, ich dürfe das so sehen. Wenn deine Welt eine andere ist,  dann musst du sie bereisen. Manchmal schleudert dich  ein kleines fehlendes „diesem“ vor einem „Lagerfeuer“ um sieben Uhr morgens in den Weltraum. Und manchmal erdet dich ein lieber Verrückter, der behauptet du seist der normalste Mensch, den er kenne.

Es fällt mir schwerer, Menschen leiden zu sehen, als selbst zu leiden. Und noch schwerer, zu begreifen, daß Rettung  und  Versagen durchaus in einem Boot sitzen können. Ich segel schon immer hart am Wind. Aber er bläst mich auch stets wieder an magische Orte. Oft sind sie unbegreiflich schön. Manchmal unbegreiflich grausam. Selten beides.

Schönheit  muss man direkt in die Augen sehen – zumindest wenn eine gute Mutter dich das lehrte. Manchmal erkennt man Schönheit auf den ersten Blick. Und manchmal kein Leben lang nicht. Worte können sich so gleich anhören, und doch etwas ganz anderes sagen. Jeder versteht sie immer anders, vor allem auf Reisen. Deswegen einen Reisen mehr als Worte je könnten.

Gerade kalkulieren wir noch die Dramatik in der Differenz zwischen drei und sieben mal versetzt werden, berechnen schnell den Weg zur nächsten Party, und schon wieder ist gleichzeitig nichts und alles passiert, ganz leise unter massiven Drum’n’Basen. Ich schau ins Lagerfeuer  vor Nummer 5 lebt im Osten von klein Berlin. Markante Gesichter scheinen hell in dunkler Nacht. Das Gras dazwischen wächst schneller als es verbrennt. Erkennen und benennen. Morgen werde ich wieder kein Gesicht mehr kennen, egal wie nüchtern ich nie gewesen sein werde. Schwarz wird zu grau wird zu Licht.

Der Nebel ist dicht im Oktober in Regensburg. Heute gab es fünf Stunden Sonne. Andere sagen fünf Stunden Nebelpause. Mein Auto ist im Winterschlaf, die Rechnungen geschrieben und die Künstlersozialskasse beantragt. Viele sagen „so ein Leben möchte ich haben“. Manche werfen es mir sogar vor. Ich glaub einfach weiter fest daran, daß jeder alles tun kann, was er will. Wenn er denn nur will. Ich will. Es ist Zeit auf Reisen zu gehen.

Kiteinfos Normalerweise schaut man zehn Minuten ins Internet und hat alle Kitespot-Infos, die man braucht. Für diese Reise gibt es  wenige Infos. „The World Kite And Windsurfing Guide“ ist ein guter Einstieg, vor allem wegen den großmeteorologischen Systemen. Ein paar wenige Kite-Spots findet man über Wannakitesurf. Das kleinere Problem wird sicher überhautp erst mal an die entlegenen Anden-See zu kommen. Was mir weitaus mehr Sorge macht: ich habe keinen Kite Buddy dabei. In der Wüste gibt’s sicher mehr Oasen als Kiter in den Anden.

Route Der erst Spot nach meiner Landung in Quito wird Santa Marianita  an der Ecuadorianischen Pazifikküste. Über Cuenca  und einen Abstecher mit dem Anden-Schienenzug  ins Adrenalin von Riobamba  geht es  weiter in das laid back Surferdörfchen Mancora   ganz im Norden Perus. Die Busse in Südamerika sollen traumhaft sein, aber die darauf folgenden 17 Stunden ins 1.100 km südlich gelegene Lima dürfte trotzdem hart werden.

Der Wavespot Paracas liegt nur einen relativ kurzen Sprung südlich Lima. Machu Picchu schaffe ich nicht vor Beginn der Regenzeit. Aber im Wolkenguss Downhill Mountainbiken ist vermutlich eh lustiger, und Rafting in den Andenausläufern zum Amazonas hin ohnehin recht feucht. Einen Trockenanzug nur zum Kiten zu nutzen ist Verschwendung.

Der Titicaca See liegt mit seinen gut 8.000m² auf über 3.800m Höhe zwischen Peru und Bolivien. Sollte ich einen der seltenen Windtage am See erwischen gibt’s im  Web bald schon einen zweiten Kite-Bericht. Danach geht’s Über La Paz  und die ältesten und höchstgelegenen Silberminen  in Potosi (4600m) weiter an den weltgrößten Salzsee Salar de Uyuni. Freunde sagen die dreitägige Jeep-Tour durch die Wüste wäre ein Traum in Sternen und Salz.

Erster Stop in Chile wird San Pedro de Atacama  mit seinen Observatorien und Vulkan-Sandboarding. Der höchste See, für den ich je einen Kitesurf-Beweisvideo fand ist die Laguna Verde zwischen Bolivien und Chile. Sie liegt auf 4.329 m – und ich hänge hoffentlich bald 5 m drüber am Kite. Ich freue mich schon jetzt auf doppelte Grenzquerungen mit vollem Kitegepäck, davon krieg ich nach den Grenz-Melodramen in Zentralamerika nie genug. Danach geht es über Santiago de Chile weiter in den Süden .

Weit unten im Argentinischen Patagonien liegt Bariloche. Sogar der Kite-Worldcup war hier schon einmal zu Gast. Der See liegt auf gerade mal 893 m – geradezu Tiefseekiten gemessen an den Seen der Anden-Westseite. Auch soll sich der Nahuel Haupi See dort im Januar auf atemberaubende 16° C erwärmen. Für den Rest der Reise brauche ich definitiv einen Trockenanzug. Der Rückflug ist am 24.1.18 aus Buenos Aires.

Strecke Die Strecke ist mit wenigstens 15.000 km netto sehr lang für drei Monate. Ich werde bis auf die Tropen  alle Vegetationszonen der Erde  durchreisen und Pässe auf über 4.500 m überqueren. Ich erwarte große Weiten und unendlichen Himmel.

Ausrüstung Das Gewicht habe ich reduziert wo möglich.  SUP-Pumpe statt Kitepumpe, leichte Kites ohne viel Dakron, sogar Kiteboardfinnen aus Carbon, Kites in wasserdichten Taschen. Nette 40 kg werden es trotzdem.

Ich verstehe immer überhaupt nicht diese guten  „Viel Spass im Urlaub!“ Wünsche. Urlaub ist Spaß. Nein, die tun nichts, die wollen nur spielen. Reisen ist so viel mehr, und Deiche brechen richtig – oder eben nicht. Hasta luego!

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zombie
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