Bariloche

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2018
Do
22:18
Tag
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Die Reise nach Argentinien ab Chiloé geht mit drei Bussen und einer Fähre fast 500 km und dauert gute 13 Stunden. Das Chilenische Patagonien verabschiedet mich nach elf regnerischen Tagen mit reinstem Kaiserwetter. Die Grenzer winken uns schnell durch, dann geht es über vulkanische Pässe vorbei an Wäldern von Baumleichen des letzten Ausbruchs runter nach Bariloche.

Alles ist hier Schweiz: die mächtigen Tannen, die tiefblauen Seen, die aus Natursteinen und ganzen Baumstämmen erbauten Luxusresorts, die teuren Autos davor – und die Preise. Geld abheben am Automaten kostet mindestens sechs Prozent, weniger Geld oder falsche Bank gerne auch mal 15%. Kreditkarten akzeptiert kaum wer.

Mein Hostel liegt nahe des winzigen Stadtstrandes. Der ist zwar im World Kitesurfing Guide verzeichnet, aber im Hochsommer dicht belegt – außerdem bleibt der Wind zwei Tage offline.

Argentinien bietet eine Chipkarte für alle Nahverkehrsbusse landesweit. Bekommt das Deutschland vielleicht auch mal irgendwann hin? Anders als die im Vergleich zu meinen vier vorherigen Länder locker zwei bis dreimal so teuren Fernbussen ist der Nahverkehr supergünstig.

Ich fahre gute 20 km zum Skigebiet Catedral. Mit Gondel und Lift geht es rauf auf knapp 2.000 m. Ich wandere ein paar Kilometer am Grat entlang und etwas auf der Westseite Richtung den hohen Patagonisch Gletschern in Chile herunter. Letzte Schneereste schmelzen in 15° C. Die Seen um Bariloche packen in bestem Wetter ihr tiefstes Blau aus. Ein Anwohner meint, man hätte hier Monate auf dieses Wetter gewartet.

Tags darauf geht es wieder mit dem Bus 25 km am Seeufer nach Westen. Hunderte von Buchten, mehrere Seen und dunkle Wälder versprechen gutes Mountainbiken. Der erste Verleiher scheitert mit 25 € für vier Stunden. Der zweite bietet bessere Bikes für weniger Geld und den ganzen Tag.

Die kurzen aber oft kernig steilen Steigungen zwischen den Seen begleiten mich den ganzen Tag bei bis zu 30°C. Vögel zwitschern aus den dunklen unbewirtschafteten Wäldern. Ein Habicht sitzt am Wegesrand. Golfer rauschen in teuren Autos vorbei ins nächste Golfresort. Am ersten Kiosk merke ich nach einer Stunde, daß ich mein Geld beim Vermieter habe liegen lassen. „Die Tagestour schaffst du nicht ohne“, meint der Verkäufer, und schenkt mir eine Flasche Wasser.

Ohne Bike steige ich auf den Cerro Llau Llau. Gletscher, blaue Seen und alte flechtenbehangene Bäume schleudern mich jetzt nach Neuseeland. Am nahen Strand will ein Paar aus Buenos Aires Geschichten hören. Die Tagestour ginge nicht ohne Essen, meinen sie und beharren darauf, mir Geld für einen Burger mit auf den Weg zu geben. Danke euch beiden!

Nach der Hälfte der Tour kann ich nur zustimmen. Die Hügel um die Seen sind nicht hoch, aber sehr viele. Ich gönne mir den besten Burger der Reise im Schatten eines alten Baumes in der Bahia Lopez. Argentinische Urlauber kreuzen mit noblen Motorbooten über den Nahuel Huapi.

Es folgen weiter kernige Hügel, eine Wanderung steil bergauf entlang einem wilden Sturzbach und ein Abstecher in eine alte Schweizer Kolonie. Hunderte Touristen zwischen Craftbeer-Brauereien und Kunsthandwerkern versetzen dich nach Disneyworld. Ein alter Ford rostet still in der Sonne vor sich hin.

Die Autos rauschen auf der unasphaltierten Piste dicke Staubwolken hinter sich herziehend vorbei an einem hustenden müden Biker. Die letzten hohen Hügel, und wieder Downhill runter zum letzten See der Tour. Nach sieben Stunden gibt mir der deutschstämmige Vermieter nach Schilderung aller Abstecher 40 km Bike, 10 km wandern und 950 Höhenmeter.

Der 30-sitzige Bus befördert heute 80 größtenteils kaum mehr stehen könnende müde Freizeitsportler eine halbe Stunde zurück nach Bariloche. Leichter Wind zieht auf. Aber alles was ich heute noch schaffe ist ein riesen Steak und guten Wein…

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